Verwaltung muss zig Eingaben verarbeiten

Fast alle Eingaben aus Altena

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Symbolfoto

Neuenrade - Die Frist für die öffentliche Auslegung ist abgelaufen. In Sachen Windkraft-Areal- Ausweisung auf dem Kohlberg hat die Neuenrader Verwaltung nun rund 220 Eingaben und Hinweise aus der Bevölkerung und von Trägern öffentlicher Belange erhalten.

Jetzt muss die Papierflut in der Neuenrader Verwaltung erst einmal verarbeitet werden. Behördenhandwerk sei gefragt, wie Bauamtsleiter Marcus Henninger, erläuterte. Die Eingaben müssen gesichtet, nach Anregung, Einwendung, oder Beschwerde sortiert werden. Dann werden die Schriftstücke gescannt und zur Erfassung an die externen Planer weitergeleitet.

Anschließend erfolgt die Bewertung. Bewertet werde es dann gemeinsam, jeder gebe sein Urteil ab „Langweilig wird uns nicht“, sagte Henninger. Gleichwohl habe es in Sundern, wo ebenfalls eine Windkraftzone geplant sei, weit mehr Eingaben gegeben.

Eine erste grobe Sichtung ist erfolgt. Einiges wurde quer gelesen. So habe eine Person zehn Einwendungen eingereicht. Auch ein Kegelverein habe ein Statement abgegeben. In diesem Fall würde jedes Vereinsmitglied dann einzeln gewertet. Zudem gebe es wohl viel gleichlautende Einwendungen.

Nach Henningers erstem subjektivem Eindruck beim Querlesen sei das Thema Infraschall häufig genannt worden. Die Springer Quelle tauche vermehrt auf, aber auch Dinge wie Eiswurf oder Lärm seien genannt worden. Neue Dinge bei den Einwendungen seien nach der ersten Einschätzung aber nicht dabei, sagte Henninger. Auch die Bürgerinitiative Rettet den Kohlberg habe en bloc Einwendungen eingereicht. Henninger schätzt, dass das allein schon 100 Eingaben gewesen seien. Bei den Trägern öffentlicher Belange habe sich unter anderem die Stadt Altena gemeldet mit Einwendungen zum Thema Lärm, Naherholungsgebiet und Hinweisen auf den Regionalplan. Insgesamt stammten fast alle Einwendungen aus Altena; nur zwei oder drei aus Neuenrade. Nun wird eben alles bewertet. Eine Frist zur Bearbeitung der Belange gebe es nicht, zur nächste Ratssitzung am 14. Juni schaffe man eine Bewertung nicht, aber zur Ratssitzung vor der Sommerpause am 5. Juli sei eine Bewertung vielleicht zu schaffen, sagte Henninger.

Die Verantwortlichen der Bürgerinitiative Rettet den Kohlberg haben sich zu Wort gemeldet. Sie beziffern die Menge der Eingaben, die sie eingereicht hatten auf 120. Das freue sie ungemein, damit habe man nicht gerechnet und sehe sich „in ihrer Position gewaltig gestärkt“. Die Initiative selbst hat auf 20 Seiten Einwände formuliert. Der Widerstand sei rapide in den vergangenen Monaten angewachsen und die betroffen Bevölkerung sei entschlossener den je alles zu tun, um die Neuenrader Pläne zu verhindern, heißt es in der Mitteilung.

Windkraftareal: Hintergründe:

Die Neuenrader Verwaltung will auf dem Kohlberg eine Vorrangfläche für Windkraftanlagen ausweisen, um zu verhindern, dass verstreut über ganz Neuenrade Windkraftanlagen entstehen können („Verspargelung“). Planungen wurden veröffentlicht, die sechs rund 200 Meter hohe Windräder auf dem Kohlberg ermöglichen. In Altena gibt es eine Vorrangflächenplanung nicht – theoretisch kann daher überall dort, wo möglich, ein Windrad gebaut werden. Die Stadt bleibt dann außen vor. In Neuenrade will man das eben verhindern.

Ohne Vorrangzonenplanung würden nach unbestätigten Quellen in Neuenrade Windräder im hohen zweistelligen Bereich realisiert und natürlich auch auf dem Kohlberg. Bei der Vorrangzonenplanung würden sich die Neuenrader Windkraftanlagen aber auf den Kohlberg konzentrieren. Sie würden dann als sogenannte Bürgerwindkraftanlagen konzipiert.

Das Investitionsvolumen für diese Anlagen beträgt rund 30 Millionen Euro. Knapp 20 Prozent müssten als Eigenkapital aufgebracht werden. Die Bürger (natürlich auch Altenaer) könnten sich an der Investition beteiligen und für das eingesetzte Kapital Rendite aus dem Wind-Ertrag erzielen (von drei bis sechs Prozent pro Anteilsschein war die Rede). Zudem gäbe es für die Grundstückseigentümer (die Stadt Neuenrade, sowie ein Privatier) jährlich Pacht pro Windrad im fünfstelligen Bereich. Gleichwohl versichert man bei der Verwaltung, dass das Finanzielle nicht im Fokus stehe.

Die Gegner der Anlagen sitzen vor allem in Dahle und Evingsen. Sie hätten die Anlagen in der Nähe. Sie fürchten die nachhaltige Störung des Naherholungsgebietes Kohlberg, fürchten Nachteile für die Tier- und Pflanzenwelt oder Immobilienwerte und sehen sich direkt bedroht durch die Emissionen der Anlagen. Dabei führen sie sogenannten Infraschall genauso ins Feld wie mögliche Auswirkungen durch den Bau der Anlagen auf die Springer Quelle.

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