Pfadfinder in Neuenrade mit langer Tradition

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Die Neuenrader Pfadfinder feierten kürzlich ihren 60. Geburtstag. Der alte Wimpel, der kürzlich vollständig restauriert wurde, war früher ein multifunktionales Gerät, das sogar als Zeltstange genutzt wurde.

Neuenrade - Vor wenigen Jahren feierte die Pfadfinderbewegung ihr einhundertjähriges Bestehen. Auch in Neuenrade blicken die Pfadis auf eine lange Tradition zurück.

Vor genau 60 Jahren gründete sich in der Hönnegemeinde eine Sippe, die Sippe Adler. Klaus Müchler, Adolf Schmidlin, Dieter Raphael, Manfred Schönwälder und Josef Möller bildeten damals die Keimzelle dieser Sippe. Am Gertrüdchen-Samstag stattete die Sippe, die sich im Laufe der Jahrzehnte in alle Himmelsrichtung verteilt hatte, den Neuenrader Pfadfindern einen Besuch ab - mit guten Grund.

Denn kürzlich tauchte im Keller eines ehemaligen Sippenmitglieds ein historisches Objekt auf - der alte Wimpel. Nicht nur ein Stück Stoff, sondern ein Symbol, hinter dem eine Idee steckte und das mit einer Menge Anekdoten, Abenteuern und Freundschaften verbunden ist. Josef Möller, der heute im münsterländischen Ahaus lebt, berichtete im Rahmen des Besuchs von den Anfängen. Er könne sich noch gut daran erinnern, wie sich aus dem Stück Stoff ein Symbol entwickelte. Der ehemalige Lehrer Wülle habe den Adler ausgeschnitten, die Familie Schmidlin war für das Nähen zuständig und auch seine Mutter Hedwig steuerte ihren Teil bei.

Am 13. Mai 1956 war es dann so weit. Auf einem alten Schwarz-Weiß-Foto erkennt sich Josef Möller wieder, wie er vor der Sakristei der St. Marien-Kirche vor Pfarrer Franz Knippschild kniet und sein Pfadfinderversprechen abgibt. Es hätte etwas gedauert, bis das Neuenrader Kirchenoberhaupt die Bewegung akzeptiert habe, dann habe sich Knippschild aber hinter die Initiative gestellt.

Heute, nach einer kleinen Portion liebevoller Restaurationsarbeit, sieht der Wimpel fast wie neu aus. „Der hat aber einen Streifen mitgemacht“, weiß Josef Möller zu erzählen. Der Stock samt Wimpel war ein Multifunktionsteil. Sogar als Hauptstange einer Zeltkonstruktion sei das gute Stück verwendet worden. Als subversive Subjekte, wahrscheinlich Mitglieder anderer Pfadfinderstämme wird vermutet, versucht hätten, eines Nachts den Wimpel zu klauen, haben die „Adler“ reagiert. „Wir haben im Zelt gesessen und mit aller Macht versucht, den Stab zu halten“, sagt Möller, der noch genau weiß, das es anschließend noch eine Verfolgungsjagd per Moped gegeben hat - die guten alten Zeiten.

Prüfungen und Mutproben gehörten damals dazu, erinnert sich die Neuenrader Sippe, ebenso wie eine Vielzahl erlebnisreicher Ausflüge und Fahrten. Und das Entführen einer fremden Fahne zählte zu den Königsdisziplinen. Heute hängt zum Beispiel ein altes Banner in den Räumen der Neuenrader Pfadfinder, das über viele Jahre als verschwunden galt. „Irgendwann ist es uns anonym wieder zugeschickt worden“, erzählt Andres Raphael die spannende Geschichte, deren Hintergründe bis heute nicht aufgeklärt sind.

Das Gertrüdchen und die Pfadfinder sind seit vielen Jahren eng verbunden. Ein passender Moment, um den 60 Jahre alten Wimpel als Erinnerungsstück an die Pfadfinder der Neuzeit, des Stammes Steve Biko, zu übergeben. „Er wird einen würdigen Platz im Neri-Haus erhalten“, versprach Andreas Raphael.

Von Markus Jentzsch

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