Ein Ungar in Neuenrade

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Istwán Demeter.

Neuenrade - Er hat die Pranken des vielbeschäftigten Handwerkers: groß und kräftig. Dicke Schwielen bedecken die Innenflächen seiner Hände. Klare Sache, dass sein Händedruck mehr als kräftig ist. Istwán Demeter ist Ungar, Chef der Demeter Partner GbR. Und in diesen Tagen hat es ihn zur Arbeit in die Stadtbücherei verschlagen. Hier hilft er als Unternehmer mit im Rahmen des Innenausbaus der Neuenrader Stadtbücherei.

Er ist ein wahrer EU-Bürger. Ein Mann, der fast mit seiner gesamten Familie sein Glück in Deutschland sucht. Arbeit ist dabei sein Leben, er legt dabei offenbar höchste Flexibilität und Mut an den Tag. Und er sucht sein Glück hier, weil er für sich und seine Familie keine Chance in Ungarn sieht. Auch seine Frau arbeitet in Deutschland – als Krankenschwester in Darmstadt. Er selbst hat eine Wohnung hier im Sauerland.

Demeter erzählt von Ungarn, von in bestimmten Bereichen ähnlich hohen Lebenshaltungskosten wie in Deutschland. Sprit koste dort ähnlich viel wie hierzulande und Lebensmittelpreise seien teils ähnlich hoch wie in Deutschland.

Eine Recherche über die Lebenshaltungskosten in Ungarn ergibt: Eine Pizza kostet aktuell um die fünf Euro, ein Facharbeiter verdient – wenn er denn Arbeit hat, zwischen vier und sieben Euro. Hilfsarbeiter müssen mit zwei bis drei Euro pro Stunde auskommen. Rund 300 Euro warm kostet gemäß der Internetseite www.ungarn-immo.biz eine 90 Quadratmeter große Wohnung.

Und Istwán Demeter erzählt von einer politischen Elite in Ungarn, alten Seilschaften, welche eine Weiterentwicklung des Landes verhindern würden und nur ihre eigene Klientel versorgten. So würde eben viele Ungarn ihr Glück anderswo suchen. Überall würden sie arbeiten im weiten Rund der Europäischen Union. Istwán Demeter zählt England, Frankreich, Deutschland, Österreich und unter anderem Italien auf.

Klare Sache, dass er seine Eltern in der Heimat unterstütze, damit die einigermaßen vernünftig überleben könnten. Und auch das falle ihm schwer, ließ er durchblicken. Denn er habe zwar gut zu tun hier in Deutschland, doch viel Geld bleibe am Ende nicht übrig. So bleibe doch reichlich Geld in der bürokratische Infrastruktur mit der Betriebe heutzutage zu kämpfen haben, hängen.

Der Ungar erzählt von seiner Familie und Schicksalsschlägen, dann widmet er sich wieder seiner Arbeit. Und es bleibt kein Zweifel: Istwán Demeter repräsentiert eine europäische Realität.

-Von Peter von der Beck

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