Überfall mit Holzlatten und Halloween-Masken

Neuenrade - Drei Schwarzfahrten zwischen Hagen und Lüdenscheid, ein Betrug um 20 Euro in Neuenrade: Verglichen mit dem, was eine 18-jährige Neuenraderin mit drei Mittätern am 29. September in Menden veranstaltete, waren das die berühmten „Peanuts“.

Bewaffnet mit einem Messer und Schlagstöcken zertrümmerten die vier mit Halloween-Masken getarnten Räuber kurz nach Mitternacht die Tür einer Wohnung, schlugen mit Fäusten und Holzlatten auf den Bewohner und einen Besucher ein und nahmen schließlich 80 Euro mit, die sie irgendwo gefunden hatten. 

„Das stimmt alles so“, bestätigte die Angeklagte vor dem Jugendschöffengericht in Altena, und es war schwer, den Eindruck zu vertreiben, dass sie ein ganz kleines bisschen grinste während der Verlesung der Anklage. „Das hört sich alles voll schlimm an“, antwortete sie auf die Frage nach den Gründen für ihr Verhalten. „Das hört sich nicht nur ‚voll schlimm’ an, das ist auch schlimm, nämlich ein Verbrechenstatbestand“, erklärte Staatsanwältin Beatriz Föhring der Angeklagten einige Wortwechsel später. 

Ein Erwachsener komme mit so einer Nummer sehr schnell auf dreieinhalb Jahre Haft, klärte Richter Dirk Reckschmidt die mittlerweile 19-Jährige auf. Dass ihr Weg dank einer 18-monatigen Bewährungsstrafe vorläufig nicht ins Gefängnis führt, hatte sie mehreren Umständen zu verdanken. 

Offenbar war sie nicht in der ersten Reihe der Räuber in Menden, und es war überhaupt keine Frage, dass nur das Jugendstrafrecht ihr gerecht werden konnte: „Du bist noch nicht erwachsen – ganz sicher noch nicht“, befand die Staatsanwältin und erntete dafür ein ganz leichtes Lächeln und Kopfnicken der 19-Jährigen. Gleichwohl hielt die Vertreterin der Anklage es „für verfehlt, die Angeklagte in den Jugendstrafvollzug zu stecken.“

Denn die junge Frau war nicht nur lebensgeschichtlich auf Abwegen, sondern auch gerade erst Mutter geworden. Alle Prozessbeteiligten bemühten sich deshalb weniger um Strafe, als vielmehr um Hilfen und ein dichtmaschiges Netz von Kontrollen, um die vorhandenen Erziehungsdefizite aufzuarbeiten. Dazu gehört auch die Bewährungsauflage einer stationären Drogenentzugstherapie, der die Angeklagte eher zögerlich zustimmte. Helfen könnte der jungen Frau vielleicht die Erfahrung, dass der Drogenmissbrauch sie schon mindestens einmal an den Rand des Untergangs geführt hat: Nach einem Herzstillstand konnte sie allerdings gerettet werden.

Dass die 19-Jährige es nicht leicht hatte in ihrem bisherigen Leben, machte der Bericht der Jugendgerichtshilfe deutlich: frühe Trennung der Eltern, eine überforderte Mutter mit Alkoholproblemen und vier Kindern aus einer neuen Beziehung, frühe Drogenerfahrungen.

Derzeit seien die Aussichten ihrer neugeborenen Tochter aber noch schlechter als ihre eigenen, mahnte der Richter die junge Mutter. Sie hofft vor allem darauf, dass sie bald wieder mit ihrem Kind zusammenleben kann. Doch dem wird das Jugendamt wohl nur dann zustimmen, wenn die Beiden in einer betreuten Mutter-Kind-Einrichtung leben. Von dort aus ist es allerdings schwer, einen Schulabschluss nachzumachen. 

Hilfe vom Vater des Kindes ist ebenfalls kaum zu erwarten: Er kassierte für den Überfall in Menden eine dreijährige Haftstrafe. Und die kann bekanntlich nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden.

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