Tödlich verlaufender Einbruch: 14 Monate Haft für Mittäter des getöteten Einbrechers

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Symbolbild Justitia: Ein Mittäter des getöteten Einbrechers wurde jetzt verurteilt.

Affeln - Mit einem tödlichen Schuss endete in der Nacht zum 26. April der Versuch eines 18-jährigen Albaners, in ein Haus in einem Affelner Wohngebiet einzubrechen. Der Hausbesitzer hatte den Einbrecher überrascht, geschossen und tödlich verletzt.

 Verhandelt wurde jetzt gegen einen Mittäter des erschossenen Einbrechers, auf den die Polizei im Rahmen der Ermittlungen gestoßen waren. Die Gerichtsverhandlung endete mit Haft für den Mittäter.

DNA-Spuren an einem Messer, das am Tatort neben der Leiche gefunden wurde, und ein zurückgelassenes Handy führten die Ermittler schließlich zu einem 48-jährigen Plettenberger, der sich gestern wegen des Einbruchs vor einem Erweiterten Schöffengericht in Lüdenscheid verantworten musste.

Die Richter kamen nach einem reinen Indizienprozess zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte gewusst hatte, was er tat, als er dem 18-Jährigen am Abend vor dem Einbruch das Messer und sein Handy im Tausch überließ, weil dieser eine Taschenlampe hatte.

Wegen Beihilfe zu einem versuchten Wohnungseinbruchsdiebstahl mit Waffen verurteilten sie den Angeklagten zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. „Bewährung? – nicht bei einer solchen kleinkriminellen Karriere“, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Leichter in seiner Urteilsbegründung. Und er deutete an, dass das Gericht ohne das vorangegangene „taktische Hin- und Her“ des Angeklagten möglicherweise noch über eine Aussetzung zur Bewährung nachgedacht hätte. Der Verurteilte kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an.

Einiges sprach auch nach der Hauptverhandlung dafür, dass der 48-Jährige als Drahtzieher des Einbruchs den jungen Albaner in ein offenes Messer schickte. Das konnte aber vor Gericht nicht bewiesen werden – genauso wenig wie der Vorwurf, dass der Angeklagte selbst die drei Einbrecher in jener Nacht mit seinem Auto an den Tatort fuhr. Nach den polizeilichen Ermittlungen sprach vieles dafür, doch bei den Richtern blieben letzte Zweifel.

Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli hatte keine Veranlassung, solche Zweifel zu nähren: Er sah in dem Angeklagten auch den Drahtzieher des Einbruchs, der nicht auf dem Mist des getöteten 18-jährigen Albaners gewachsen sein könne: „Er war gerade in Deutschland angekommen und hätte von sich aus niemals gewusst, wo in Neuenrade etwas zu holen ist.“ Besonders schwer wiege dieser Einbruch, weil der Angeklagte indirekt den Tod eines jungen Menschen verursacht habe, sagte der Oberstaatsanwalt und verwies auf die „inflationäre Zunahme von Wohnungseinbrüchen in abgelegenen Wohnlagen“. Dieses Erlebnis werde die Geschädigten auf Dauer treffen.

Verteidiger Dirk Löber nährte Zweifel an der geschlossenen Indizienkette, die der Oberstaatsanwalt aneinandergefügt hatte: „Das ist der Versuch, alles was passiert ist, auf meinen Mandanten zu schieben.“ Dieser habe ein Messer und ein Handy an den 18-Jährigen übergeben – mehr sei nicht feststellbar. Der Angeklagte sei deshalb freizusprechen. Diesem Antrag folgte das Erweiterte Schöffengericht nicht.

Was das Verfahren gegen den Hausbesitzer anbelangt, der den tödlichen Kopfschuss abgegeben hatte, gibt es offenbar noch nichts Neues. Hier werde weiter ermittelt, sagte Staatsanwalt Dr. Gerhard Pauli auf Nachfrage.

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