Mehr als ein launiger Trend

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Thorsten Häbel

Neuenrade -  Tätowierungen: Es gibt jene, die ein großformatiges Tattoo unter dem Anzug tragen und es nur für sich haben, andere sind extrovertierter, präsentieren ihre Körperzeichnungen im Sommer gerne.

 Und dann gibt es ältere Frauen, die sich aus praktisch-kosmetischen Gründen tätowieren lassen – Augenbrauen sind hier beliebt. Ein weiteres Motiv für Tattoo-Träger ist es, ein wichtiges Ereignis in ihrem Leben dokumentieren zu wollen. Sei es die Bewältigung einer Krise oder ein freudiges Ereignis. „Ich glaube, dass ich mittlerweile jedes Kind in Neuenrade mit Vornamen und Geburtsdatum kenne.“ Sprich: Viele Eltern lassen sich die Namen ihrer Sprösslinge eintätowieren. Das sagt Thorsten Häbel. Er hat im August ein Tattoo-Studio in Neuenrade eröffnet.

Die Kundschaft ist breit gefächert und reicht „vom Geschäftsmann bis zur normalen Hausfrau“. Häbel unterstreicht so, dass Tätowierungen inzwischen durchaus gesellschaftsfähig geworden sind. Er habe auch Kundschaft in der Stadtverwaltung. „Wer untätowiert ist, der ist schon die Ausnahme“, betont Häbel. In der Nachbarstadt Altena gibt es zwei Studios. In Neuenrade freue man sich jedenfalls über ein Studio gleich um die Ecke. „Endlich auch eins in Neuenrade“, wurde in sozialen Netzwerken kommentiert. Es läuft also in der Branche. Und deshalb freut sich der gebürtige Neuenrader, dass er den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat und im Sommer diesen Jahres das Studio InkCouture an der Bahnhofstraße (einen Steinwurf neben der Sparkasse) eröffnete. Bis April ist er schon ausgebucht mit großen Tätowierungen.

Häbel bietet auch andere Dienstleistungen an: Er versteht sich auf Piercings in allen Körperregionen und sogenannte Body-Modifications. Letzteres bezieht sich auch auf Gegenstände, die unter die Haut implantiert werden. Es gibt Menschen, die das eben für sich ästhetisch finden. Und es gibt Leute, die sich die Zunge spalten lassen – auch das kann Häbel machen. Die nötige chirurgische Apparatur, ein elektrisches Skalpell, hat er. Doch es gibt auch relativ unspektakuläre Implantate. So werden kleine Schmucksteinchen, ähnlich wie ein Hohlraumdübel, unter der Haut verankert. Dagegen fast schon langweilig, aber auch im Programm, hat er die dauerhafte Haarentfernung per Lichtimpuls-Laser. Seine Kundschaft kommt nicht nur aus Neuenrade, sondern auch aus der Region. Denn für gewisse Body-Modifications muss man schon mal weiter fahren. Und es gibt Stammkunden, die sich immer mal wieder etwas Neues machen lassen. Dafür steht Häbel auch sonntags, im Notfall auch mal nachts, parat.

Thorsten Häbel ist 34 Jahre alt, gebürtiger Neuenrader und hat sich lange in Bayern aufgehalten. Das Tattoo-Handwerk hat er sich erarbeitet. Noch heute hat er gute Kontakte nach Bayern. Eine Freundin aus Bayern komme regelmäßig in sein Studio und arbeitet dort dann auch. Bevor Häbel das erste Mal einen Menschen tätowierte, hat er zunächst an Schweinefleisch mit Haut geübt. Zudem hat sich Häbel immer fleißig weitergebildet. Reichlich medizinische Kenntnisse seien in dem Metier nötig. Das reiche von Wund-Management bis hin zu Kenntnissen über die Auswirkungen bestimmter Medikamente. Und Hygiene ist heilig, alles ist steril, Häbel arbeitet mit Einwegmaterial und der Schmuck ist vorsterilisiert. Für das Tätowieren werden speziell geprüfte Farben eingesetzt, es gibt ein Arsenal von Nadeln, ein Regler für die Stichtiefe. Zudem arbeitet Häbel mit Tageslicht, um die reale Farbwirkung zu sehen.

Natürlich gibt es im Tattoo-Geschäft auch beliebte Motive. „Unendlichkeitsschleifen, Sterne und Federn mit Vögeln“ gehören laut Häbel zu den gängigen Motiven. Und beim Piercing sind die Bereiche Bauchnabel und Zunge höchst beliebt. Gut laufen auch Gutscheine, gerade vor Weihnachten. Häbels eigenes Lieblingstattoo ist ein Koi-Karpfen auf seinem Unterarm, „ein Symbol für Reichtum und Glück“. Von Peter von der Beck

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