Die Arbeitswelt im Wandel

Stellvertretende IG-Metall-Vorsitzende stellt Kampagne vor

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Christiane Benner und Torsten Kasubke stellten die Arbeitszeit-Kampagne der IG-Metall vor.

Neuenrade - „Da müssen wir tätig werden“, betont Christiane Benner, stellvertretende Vorsitzende der IG-Metall. Sie war Gastrednerin bei der Versammlung der Delegierten aus dem Märkischen Kreis am Donnerstag im Kaisergarten. 

In einem Gespräch stellte sie vorab die Arbeitszeitkampagne der IGM vor. Sie nahm besonders die Arbeitgeber in die Pflicht. Auch Torsten Kasubke, zweiter Bevollmächtigter des Kreisverbandes, betont: „Das Thema Arbeitszeit muss neu ins Auge gefasst werden.“

Eindeutiges Wahlergebnis

Christiane Benner hat klare Pläne für die Zukunft der weltweit größten Arbeitnehmervertretung. Aufgrund dieser wurde die 48-Jährige auf dem Gewerkschaftstag 2015 mit dem eindeutigen Ergebnis von 91,9 Prozent zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. 

Der Soziologin sind besonders die Weiterentwicklung der IGM, sowie die Themen Digitalisierung und Arbeitszeit wichtig. „Die fortschreitenden Veränderungen in der Arbeitswelt bergen viele neue Herausforderungen“, erklärt sie. Deswegen fordert sie ein Umdenken der Unternehmen und klare Regelung bezüglich der Arbeitszeit. 

Hierzu werde im Januar und Februar eine groß angelegte Beschäftigten-Befragung im Rahmen der Kampagne „Mein Leben-Meine Zeit“ starten. So solle nicht nur die aktuelle Arbeits-Situation der Beschäftigten konkretisiert, sondern auch herausgefiltert werden, was diese zum Thema Arbeitszeit-Regelung sagen. 

Startschuss für die Aktion 

„Die Vorbereitungen laufen bereits intensiv“, betont Torsten Kasubke. „Arbeitszeit muss wieder mehr Thema in den Betrieben werden.“ Die Delegiertenversammlung sei nun der „Startschuss“ für die Aktion im Märkischen Kreis gewesen. 

Es ist bereits die zweite groß angelegte Befragung der IGM innerhalb der vergangenen Jahre. Bereits 2013 hatten an einer ähnlichen Aktion mehr als 500 000 Beschäftigte bundesweit teilgenommen. Damals wurde deutlich: „Es ist eine Kluft entstanden zwischen den Wünschen der Arbeitnehmer nach mehr Selbstbestimmung und den Flexibilitätsansprüchen der Arbeitgeber an ihre Mitarbeiter.“ 

Christiane Benner betont, dass auch die mobile Arbeitszeit, also die, die während der Arbeit von zuhause oder unterwegs beispielsweise am Laptop anfällt, immer gezählt werden müsste. „Die neuen Möglichkeiten der mobilen Arbeit dürfen nicht dazu führen, dass die Unternehmen dies ausnutzen.“ Kritisch hält die stellvertretende IGM-Vorsitzende fest: „Da ist in den letzten Jahren ganz klar etwas aus dem Ruder gelaufen.“ 

Geleistete Überstunden dürfen nicht verfallen

Dass Arbeitgeber eine immer höhere Innovationsfähigkeit von ihren Beschäftigten erwarten würden bedeute auch, dass sie diesen mehr Zugeständnisse machen müssten. Es könne nicht sein, dass geleistete Überstunden einfach verfallen. 

Zwar bekomme sie mit, dass besonders in mittelständischen Unternehmen die Bereitschaft zur Flexibilität auf beiden Seiten gegeben sei, jedoch stellt sie auch klar: „An dieser Stelle brauchen wir klare Regelungen zur Arbeitszeit.“ 

Dass es Produktionsspitzen gäbe, durch die Beschäftigte auf eine bestimmt Zeit stärker belastet würden, sehe sie ein. „Aber wenn dann ein Leerlauf ist, muss dieser auch für den Stundenabbau genutzt werden dürfen.“ Besonders die Schichtsysteme müssten optimiert werden. Nur mit einer guten und strukturierten Planung könnte man den Anforderungen der Arbeitnehmer gerecht werden. Bei einer dauerhaft hohen Belastung müsse außerdem die Frage gestellt werden, ob ausreichend Personal „an Bord“ sei. 

Umqualifizierung der Beschäftigten

Auch Weiterbildungen und umfangreiche Umqualifizierungs-Programme seien nötig, um die „Herausforderungen unser Zeit“ zu meistern. Beispielhaft hierfür sei der Umstieg zur E-Mobilität. „Ein Elektromotor beispielsweise, wird nun einmal anders hergestellt als ein Verbrennungsmotor. Da bedarf es der Umqualifizierung der Beschäftigten.“ 

Nachteile auf dem globalen Markt würden durch die geforderten Umstrukturierungen im Bezug auf Arbeitszeit-Planung und Umqualifizierung nicht entstehen. Ganz im Gegenteil: „Wenn die Beschäftigten zufriedener sind, dann sind sie auch leistungsstärker und weniger anfällig für Krankheiten“ Die IG-Metall fordere daher eine nachhaltige und gute Arbeitsstruktur. 

Mit Leiharbeitern Personalengpässe zu kompensieren, sei nicht die Lösung. Die stellvertretende Vorsitzende sagt: „Wir wollen das Problem beim Ursprung anpacken.“ Wie wichtig diese Themen seien, merke sie immer wieder. „Egal ob ich auf einer Delegiertenversammlung in Kiel oder Rosenheim bin, diese Forderungen verbinden die Menschen.“

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