Die Stadt der Kohle - Theresa Loch berichtet aus Südafrika

So sieht das Leben direkt neben dem Kohleabbaugebiet aus.

Küntrop/Mbombela - Seit fast einem Jahr lebt die Küntroperin Theresa Loch in Südafrika und widmet sich dort im Rahmen eines Freiwilligendienstes von der Organisation „weltwärts“ entwicklungspolitischer Arbeit.

Im August 2015 brach sie, nachdem sie gerade ihr Abitur absolviert hatte, nach Mbombela auf. In ihrem nachfolgenden Bericht erzählt sie erneut von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen in Südafrika – diesmal aus eMalahleni, der Stadt der Kohle.

„Meine Zeit in Südafrika neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu – gleichzeitig nehmen Projekte ihre finale Form an. Das Mpumalanga Environmental Youth Network (MEYN), welches zu Beginn diesen Jahres durch die Unterstützung von Engagement Global etabliert werden konnte und eines der wichtigsten Projekte für mich ist, hat inzwischen seine erste Phase beendet. Die letzte Exkursion mit 30 Jugendlichen aus der Mbombela Region fand in eMalahleni (früher Witbank) – Stadt der Kohle – statt. Dieses liegt im Zentrum des Kohleabbaus in Südafrika. Dessen jahrzehntelangen ökologischen und sozialen Folgen haben starken Einfluss auf die Region. Vor allem die Verschmutzung durch Grubenabwässer und Luftverschmutzung üben direkte Schäden auf die Bevölkerung der Stadt und Umgebung aus.

Die Gesundheit der Einwohner wird gefährdet durch schlechte Wasserqualität und Kohlepartikel in der Luft verursachen eine hohe Anzahl an Atemwegserkrankungen und beeinträchtigen das Nervensystem und das Herz-Kreislaufsystem. Auch wenn viele der Jugendlichen in Townships aufgewachsen sind, war der Zustand dieser informellen Siedlungen erschreckend: Müllentsorgung war kaum vorhanden, die Hütten in sehr schlechtem Zustand. Unzureichende Infrastruktur und toxische Wasserablagerungen erschütterten alle Teilnehmer spürbar.

Der unangenehme Geruch, durch verschmutzte Abwasser sowie Minenabfälle und Industrie, war kaum ertragbar. Die Qualität des Wassers war in manchen Teilen so schlecht, dass man schon mit bloßem Auge die deutliche Verunreinigung erkennen konnte und noch nicht mal seine Pflanzen mit diesem Wasser gießen würde. Folglich wurden den Jugendlichen die direkten Auswirkungen der Kohleabbauindustrie in eMalahleni auf das tägliche Leben bewusst. Jeder Teil des Alltags wird direkt oder indirekt von den Folgen betroffen, sei es das Baden, Kochen, Spielen oder der Weg zur Schule: Die Abfälle, Kohlepartikel und die allgemeine gefährliche Umgebung eMalahlenis beeinflussen die Gesundheit der Einwohner, vor allem die der Kinder und Jugendlichen.

GeaSphere, welches als Ankerorganisation für MEYN fungiert, wurde bei dieser Exkursion von zwei NGOs (Non-Profit-Organisationen) vor Ort unterstützt, die auch Teil des Netzwerkes sind: Southern Green Revolutionary Council (SAGRC) und Youth Against Climate Change (YACC) trugen mit tiefgreifendem Wissen und emotionaler Verbundenheit zur Region viel zu dem Erfolg der Exkursion bei. Vor allem Matthews Hlabane, Leiter des SAGRC, lieferte wertvolle Einblicke in die Thematik. Über die dramatischen Auswirkungen der südafrikanischen Kohleindustrie wurde zu Beginn diesen Jahres die Studie „Wenn nur die Kohle zählt“ von Misereor veröffentlicht, welche die Erfahrungen und erlangtes Wissen unseres Ausflug sehr gut wiedergespiegelt. Matthews Hlabane wird in diesem Zusammenhang im September nach NRW und Berlin reisen, um die Studie und dessen Probleme und Auswirkungen und dem Thema „Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden durch Kohle in Südafrika: Auch Deutschland ist in der Pflicht“ zu präsentieren.

Nachdem die größten Umwelteinflüsse der Region von den Jugendlichen mit eigenen Augen gesehen wurden, stehen nun in den nächsten Wochen Treffen und Diskussionen mit Interessenvertretern an: Zivilgesellschaft, Industrie und Regierung werden die Fragen von MEYN Mitgliedern beantworten und sich ihre Anregungen und alternativen Ideen anhören müssen. Ich, sowie die anderen Jugendlichen, sind gespannt auf Reaktionen und Antworten, nachdem wir unfassbare Umweltschäden der Industrie und dementsprechend Auswirkungen von Entscheidungen der Regierung alle wahrgenommen und erfahren haben.

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