Staatsanwältin beantragt drei Jahre Haft für Neuenrader

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Symbolbild

Neuenrade -Vollstreckbare Haftstrafe oder Bewährung? Diese Frage muss nach den Plädoyers die 4. große Strafkammer beantworten. Drei Jahre Haft beantragte Staatsanwältin Sandra Ley.

 Zwar ließ auch sie den Vorwurf des „bewaffneten“ Handeltreibens mit Betäubungsmitteln fallen, doch brachte sie das vom Angeklagten mitgeführte Messer erneut ins Spiel, als es um die Frage einer Bewertung des Drogenkaufs als möglicherweise „minderschwerer Fall“ ging. „Ein mitgeführtes Messer ist schnell gezückt und eingesetzt“, argumentierte sie. Zudem sprach eine 18-monatige Bewährungsstrafe wegen des Besitzes von 70 Gramm Marihuana gegen den Angeklagten: „Die Bewährungszeit war ein Jahr zuvor abgelaufen.“

Das Tatmotiv für den Handel mit Amphetaminen sei zudem nicht nur die Drogensucht des Angeklagten gewesen, sondern auch eine „erhebliche kriminelle Energie“. Nach den Zeugenaussagen hielt die Staatsanwältin es für wahrscheinlich, dass die Einkaufsfahrt nach Meerbusch nicht die erste ihrer Art gewesen war. Dafür gibt es allerdings keine Beweise. Rechtsanwalt Clemens Louis, Spezialist für Drogenvergehen aller Art, sagte: „Drei Jahre sind nicht zielführend und werden der Persönlichkeit meines Mandanten nicht gerecht.“ Er beantragte die höchste noch zur Bewährung aussetzbare Haftstrafe von zwei Jahren: „Dieser Strafantrag ist recht hoch, aber der Angeklagte hat in der Vergangenheit Mist gebaut, geht arbeiten, ist weg von den Drogen und hat ein stabiles soziales Umfeld.“

Der Verteidiger wies darauf hin, dass die letzte Verurteilung seines Mandanten fünf Jahre zurückliege und brachte einen schweren familiären Schicksalsschlag ins Spiel, der 2014 zu einem Rückfall des Neuenraders in den Betäubungsmittel-Konsum geführt habe. Dass die gekauften Amphetamine die Endverbraucher nicht erreicht hatten, sei ein weiteres Argument für eine Einschätzung als minderschwerer Fall. Sein Mandant sei „kein dreister Betäubungsmittel-Dealer“, sondern ein Konsument, der mit dem Handel seinen eigenen Bedarf finanzieren wollte, so der Rechtsanwalt.

In diesem Punkt war die Staatsanwältin anderer Meinung: Sie sah die Hauptmotivation des Angeklagten in der Erzielung von Umsatz. Einen Anlass zur Einweisung des 30-Jährigen in eine Entziehungsanstalt sah auch sie nicht – trotz dessen persönlicher Schwierigkeiten: „Er hat keinen ganz leichten Lebenslauf gehabt. Es gab Ereignisse, die geeignet sind, jemanden aus der Bahn zu werfen.“ Die Strafkammer will das Urteil am 8. Dezember verkünden.

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