Serie Bauernhöfe: Franz-Josef Kellermann stellt seinen Hofbetrieb vor

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Seit er denken könne, wurde auf dem Bauernhof in Bieringsen gemolken – Franz-Josef Kellermann fällt es schwer, sich auf lange Sicht von seinen Milchkühen zu trennen.

Neuenrade - In einer Serie stellen wir die Neuenrader Bauernhöfe vor, die sich und ihre Arbeit auf dem Gertrüdchen präsentieren werden. Bauer Franz-Josef Kellermann betreibt schon lange einen Betrieb mit Milchkühen und kennt die Probleme des Berufes.

Randvoll mit Futter ist die Schubkarre, die Franz-Josef Kellermann über den Hof schiebt. Moderne Technik gibt es auf dem Hof in Bieringsen kaum. Wer hier Roboter zum Melken oder große Futtermischanlagen sucht, wird sie nicht finden. Auf den ersten Blick ist das Bauernhofidyll nahezu perfekt. Die elf Kühe liegen im goldgelben Stroh, ein Kälbchen tobt durch eine geräumige Box gegenüber. Zudem leben noch jede Menge andere Tiere auf dem Hof – unter anderem Schweine, Hühner und Katzen.

Doch die Idylle trügt. Hinter den Kulissen herrscht ein erbitterter Existenzkampf. Denn Höfe wie dieser haben es schwer. Der hohe Arbeitsaufwand, die extrem gestiegenen Kosten und der niedrige Milchpreis machen das Überleben zu einem täglichen Kampf. „Wir haben zum Glück noch mehrere Standbeine. Da geht’s. Aber das Milchvieh werden wir über kurz oder lang abschaffen“, sagt Kellermann.

Dem Landwirt fällt das sichtlich schwer. Schließlich ist er mit Kühen groß geworden. Seit er denken kann, wird auf dem Hof gemolken. „Ich bin einfach der Kuh-Typ. Ich liebe die Tiere und habe zu jeder einzelnen eine Beziehung. Sie abzugeben, fällt mir extrem schwer“, so Kellermann. Es sei daher eine reine Vernunftsentscheidung.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Hof 1760, seither ist er im Besitz der Familie Kellermann und seither gibt es Kühe in Bieringsen. Ganz auf die gefleckten Vierbeiner verzichten will der Landwirt jedoch nicht. „Wir werden noch ein paar Rinder behalten. Aber melken werden wir nicht mehr.“ Kellermann ist Landwirt aus Überzeugung. Er liebt seine Tiere. Er freut sich, wenn sie im Sommer genüsslich auf der Wiese hinterm Haus fressen und am Abend zufrieden im Stroh liegen.

Seine Tiere fressen, was auf den Weiden rund um Bieringsen wächst. Futter zukaufen muss er kaum, lediglich ein wenig Kraftfutter. Auf das Gertrüdchen freut sich der Landwirt. Er hofft auf viele Gespräche mit den Besuchern und möchte auf das Thema Landwirtschaft mit all seinen Vorteilen und Problemen aufmerksam machen – denn genau das ist seine Leidenschaft.

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