Lesung in der Villa am Wall

Liebeserklärung an Flandern

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Am Sonntag begeisterten Ruth Schimanski und Rudolf Sparing mit drei amourösen Geschichten ihr Publikum.

Neuenrade - Amouröse Geschichten aus einer der schönsten Kulturlandschaften Europas lasen Ruth Schimanski und Autor Rudolf Sparing am Sonntag in der Villa am Wall: „Liebe in Flandern – Drei erotische Geschichten“ lautet der Titel der kleinen Erzähl-Sammlung des ehemaligen Leiters des Lüdenscheider Kulturhauses. Josef Brockhagen, Vorsitzender des Kulturausschusses der Stadt Neuenrade, begrüßte die Vortragenden in der Villa.

Die erste Liebeserklärung galt dem Landstrich zwischen der Nordsee, den Niederlanden, Deutschland und dem französischen Belgien: „Welche Region hat so viele Gesichter wie Flandern? Welche weist auf kleinstem Raum eine solche Vielfalt an Landschaften, Kunstschätzen und Menschen auf?“, ließ Rudolf Sparing Patricia Carson, Autorin eines Bildbandes über Flandern, zu Wort kommen.

Dann ging es mitten hinein in eine Landschaft, deren Orte, Schätze und Geheimnisse zum Ausgangspunkt von Sparings Erzählungen wurden. Die Bilder, die ihm dabei einst vor Augen gestanden hatten, machte er auch für das Publikum sichtbar: Die untere Schelde kurz vor Antwerpen, eine Fähre in Rupelmonde (heute Teil von Kruibeke), die riesige Büste einer gar nicht so provinziellen nackten Frau am Ufer und ein alter Bekannter aus Duisburg vor der Rupelmonder Liebfrauenkirche: der Kartograph Gerhard Mercator.

Ausgangspunkt der Geschichte ist ein junger Fährmann, dem das Ruder ausgerechnet dann zerbricht, als er abends eine junge, schöne Engländerin über den Fluss bringen soll. Fast nichts verrät die Geschichte darüber, was der Fährmann und die junge Lady in jeder Nacht im Steuerhaus der Schelde-Fähre erlebten oder auch nicht erlebten.

Der Beginenhof in Lier und die Symforosa-Straat bildeten den Ausgangspunkt für die Geschichte einer jungen Frau – „ein flämisches Märchen sehr frei nach Felix Timmermanns“ erzählt Sparing in dieser Geschichte. Die 18-jährige Symforosa erfährt, „dass sie als Schwester der arbeitenden Beginen ihr Leben von nun an dem lieben Herrn Jesus zu widmen habe“. Doch Symforosa passt nicht in das Schema der ehelosen Beginen, „deren Äußeres sich durch eine gewisse Härme und Askese auszeichnete“. Rettung und eine Rose mit dem Namen „Gloire des Dijon“ bringt schließlich der Gärtner des Beginenhofes.

In der dritten Geschichte besucht James, zarte 19 Jahre alt, im katholisch geprägten Seebad Ostende ein Maskenfest. Verkleidet wie der gefiederte Vogelfänger Papageno aus Mozarts Zauberflöte sucht der junge Mann nach seiner Papagena, die ihm durch Los zugefallen ist. Er trifft sie in der Gestalt eines Pierrots, einer französischen Clownsgestalt, es kommt zu einem Kuss, und es spricht viel dafür, dass sich in diesem Kuss zwei Männer berührt haben. Ein bekanntes Maskenbild des belgischen Malers James Ensor machte in der Villa deutlich, wer der 19-Jährige war. Jener Edward, als den er sein Gegenüber identifiziert zu haben glaubt, könnte – im Einklang mit dessen überlieferten Reisedaten - der englische Komponist Edward Elgar gewesen sein.

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