LSV Sauerland: Keine Zeit für Winterschlaf

Auch so mancher kompletter Motor muss nach etwa 1000 Flugstunden getauscht werden. Hierfür setzt es grundlegende Fachkenntnisse voraus. - Foto: Jentzsch

Neuenrade - Die Tür zum Hangar steht einen Spalt weit offen. Drinnen ist es dunkel, eine kleine Lichtinsel deutet an, dass dort etwas geschieht. Drei Männer stecken die Köpfe zusammen, ihre Gesichter erstrahlen im Schein einer Arbeitsleuchte. Winterschlaf scheint der Luftsportverein während der sportfreien Zeit nicht zu kennen.

„Die Maschinen und Segler müssen für die nächste Saison fit gemacht werden“, erklärt Joachim Kneer, der Vorsitzende des Klubs mit Sitz in Küntrop. Während die drei „älteren Semester“ anspruchsvolle Arbeiten im Bereich der Instrumentierung an einem Motorflugzeug erledigen, geht es in einem Nebenraum deutlich lebhafter zu Werke. Druckluftbetriebene Werkzeuge erleichtern schwere mechanische Arbeit, denn hier bekommt die LS8, ein einsitziger Hochleistungssegler, einen neuen Dämpfer für das Bugfahrwerk implantiert.

Ende Oktober neigt sich die Saison traditionell ihrem Ende zu. Es folgen Monate, in denen Arbeitsstunden gesammelt werden - reichlich Arbeitsstunden. Denn Fluggeräte brauchen Pflege. Und vieles können die versierten Schrauber im Verein selbst erledigen und tun dies auch.

Der LS 8 aus dem Hause Rolladen Schneider steht eine spannende Saison bevor. Sie geht in diesem Jahr mit einem der talentiertesten Küntroper Nachwuchspiloten auf Tour. Vier Wochen lang wird Matthias Schucka, der zur sechsköpfigen Junioren-Nationalmannschaft gehört, Kilometer mit dem stromlinienförmigen Glasfaser-Sportler „fressen“. Es ist üblich, dass jeder an „seinem“ Flugzeug arbeitet, erklärt der Vorsitzende. Deshalb hat Matthias Schucka etliche Stunden in die Oberflächenbehandlung der LS 8 investiert und schraubt nun geduldig am Fahrwerk. Unterstützt wird er dabei von seinem Vater, weil die Montage in den engen Räumen im Rumpf allein nicht möglich ist. Die Pflege sämtlicher Verbindungen und aller beweglichen Teile gehört zum Standardprogramm in den Wintermonaten. Sicherheit geht schließlich vor und die wird einmal im Jahr vom Tüv bestätigt. Am 14. März ist es wieder so weit, dann prüft ein Tüv-Ingenieur die Segelflugzeuge auf Herz und Nieren.

Rund 100 Luftsportanhänger frönen unter dem Dach des LSV aktiv ihrem Hobby. Motor- und Segelflugzeuge stehen ebenso zur Verfügung wie Motorsegler. Ab und zu sind auch größere Eingriffe nötig. Die drei Herrschaften, die sich in der kalten und dunklen Halle den Abend „um die Ohren schlagen“ arbeitet an einer Maschine, die soeben einen generalüberholten Austauschmotor spendiert bekam. „Das ist alle eintausend Flugstunden nötig“, erklärt Kneer und rechnet vor, dass diese Stunden in etwas zehn Jahren zusammenkommen.

Die Arbeiten an den Fluggeräten spielen in der Winterpause eine große Rolle, in dieser Zeit wird zudem einiges an Theorie gebüffelt. „Dafür hat man im Winter mehr Zeit“, weiß der Vereinschef und wünscht beim Verlassen des Hangars dem fleißig arbeitenden LSV-Volk noch gutes Gelingen..

- Von Markus Jentzsch

In der kommenden Saison bietet der LSV zwei Schnupperkurse für Segelfluginteressierte an. „Für Fußgänger“, erklären die Organisatoren. Im Gegensatz zu einem Gastflug, dürfen die Kursteilnehmer auch selbst Höhen-, Seit- und Querruder bedienen und erste Erfahrungen auf dem Pilotensitz sammeln. Allgemeine Informationen finden sich hierzu auf der Homepage des LSV unter www.lsv-sauerland.de. Anmeldungen und konkrete Informationen können unter schnupperkurs@lsv-sauerland.de erteilt beziehunsgweise angefordert werden. Der erste Kursus findet Anfang Mai statt, der zweite beginnt Ende Juni.

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