Uta Rotermund mit Kabarett für Ü-50er und Bekenntnis zur Lebenslust

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Uta Rotermund - bissig, pointiert und wandelbar.

Neuenrade - Kein Programm ohne Männer im Publikum – so verkündet es die Kabarettistin Uta Rotermund. Und es kamen am Sonntagabend erstaunlich viele Männer in den ziemlich ausverkauften Kaisergarten.

– Möglicherweise, weil sie ihre bessere Hälfte begleiten wollten, vielleicht aber auch, weil viele den deftigen und direkten Humor der Künstlerin schätzen. Der Titel ihres Programms „50 Plus! Seniorenteller?“ sprach ja durchaus auch hungrige Männer an.

Zunächst konnte den männlichen Senioren aber Hören und Sehen vergehen: „Fragen Sie nicht, was Ihr Land für Sie tun kann. Fragen Sie lieber, was Sie für Ihr Land tun können“ – diese Mahnung John F. Kennedys bekam bei Uta Rotermund eine sehr spezielle Bedeutung: „Wenn er nicht beim Rasieren abrutscht, helfen Sie nach!“, stellte sie eine wichtige Handlungsmaxime eines „sozialverträglichen Frühablebens“ der Herren vor. Ganz abgesehen davon, dass seine Beerdigung auch ihr persönliches Leben bereichern könnte.

 Beerdigung? Wer tot ist, dem kann es letztlich egal sein, was aus seiner sterblichen Hülle wird, doch die Mahnung, sich gerade im ländlichen Umfeld Neuenrades an die gute alte Tradition der Hausschlachtung zu erinnern, konnte den bei der Aussicht auf den Seniorenteller zusammengeflossenen Speichel abrupt versiegen lassen. „Es ist ganz einfach“, versicherte Uta Rotermund in der Rolle der ein wenig bösartigen Gattin und empfahl zur Würzung des Gatten-Bratens Zwiebeln, Kapern und Lorbeerblättchen. „Lassen Sie ihn ein paar Tage ziehen. Was Ihnen in Ihrer Ehe nicht gelang – machen Sie ihn mürbe!“

Selbstbewusst sei die Frau jenseits der 50 – diese Botschaft zog sich durch das gesamte Programm der Dortmunderin, die kaum ein Tabuthema des weiblichen Lebens jenseits der 50 ausließ. Immer wieder gern zitiert wird ihre Auskunft über die Qualitäten der Hauptzielgruppe ihrer Ansprachen: Eine Frau jenseits der 50 ist wie ein Diamant: strahlend schön, geschliffen, gehärtet, unzerstörbar, gnadenlos. Wenn eine Frau über 50 ein Auge zudrückt, dann nur noch, um zu zielen.“ Es lebt sich besser mit einer solchen Gewissheit – in vielen Lebenslagen.

Und so gerieten die Figuren, in die sich Uta Rotermund im Laufe eines langen unterhaltsamen Abends verwandelte, auf Seniorenspielplätze, in Kurorte und in den Hühnerstall: „Flattern Sie, solange Sie noch können!“ Das passte gut zu den dringenden Ermahnungen, diesen noch üppigen Rest an Leben zu genießen und nicht fahrlässig wegzuwerfen: „Das ist wahrscheinlich das einzige Leben, das Sie haben – also leben Sie es jetzt!“, lautete der Eintrag zum Stichwort „Lebenslust“ in einem umfangreichen „Alphabet der Wechseljahre“. Ein bisschen von dieser Lust lebte die Dortmunder Kabarettistin, als sie sich am Ende des Programms immer weiter entblätterte – aber das ist ein anderes Thema.

Das Publikum gab sich amüsiert, klopfte sich aber nicht exzessiv die Schenkel, was sicherlich auf gute Erziehung zurückzuführen war. Insgesamt schätzten die Besucher aber offenbar das offene Wort – so einige Stimmen nach dem Auftritt. Auch Männer um die 50 führte Uta Rotermund in Theorie und Praxis eines Wesens ein, dessen Gegenwart einen bedeutenden Teil „seiner“ Restlaufzeit bestimmen wird.

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