Steinherz gegen das Vergessen

Dieses Steinherz begleitet die Reservisten seit Jahren.

Neuenrade - Neun Tage nach seinem 30. Geburtstag verstarb der Obergefreite Josef Kulanek am 14. März 1945 und liegt seitdem auf dem Friedhof an der Wilkestraße begraben. Ein Herz aus Stein mit der Inschrift „Alles Liebe“ an der Grabstelle zeigt an, dass der Soldat noch nicht in Vergessenheit geraten ist – so wie die beiden Weltkriege, die vielen Opfer und das Leid.

Dass Erinnerungen erhalten bleiben, den vielen Gefallenen ein ehrendes Andenken bewahrt wird, das liegt auch den Mitgliedern der Reservistenkameradschaft Werdohl/Neuenrade am Herzen.

„Absolut lobenswert“, zollte der Oberstabsfeldwebel a.D. Andreas Beckmann, Beauftragter des Volksbundes für die Zusammenarbeit mit den Reservisten in Nordrhein-Westfalen, der Reservistenkameradschaft Werdohl/Neuenrade seinen Respekt. Eine Kameradschaft mit Vorzeigecharakter meinte der Repräsentant, der sich am Samstag nicht zu schade war, selbst mit anzupacken. Schließlich stand ein Arbeitseinsatz an der Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof an der Wilkestraße auf dem Programm.

Seit die Reservisten die Patenschaft 2011 übernommen haben, ist viel passiert. 2014 legten die ehemaligen Soldaten unter anderem Pflaster, am Samstag montierten sie eine Sitzbank, platzierten einen Gedenkstein an der Stätte und brachten die komplette Fläche wieder in Schuss. Sie mähten den Rasen, schnitten die Hecken, putzten die Kreuze und Steine. Viel Arbeit, die trotzdem gerne erledigt wird. Das musste auch Andreas Beckmann aus Kirchhundem feststellen, der meinte, das so ein Zusammenhalt und Engagement nicht überall anzutreffen sei.

Damit es die älteren Besucher der Stätte einfacher haben, wollen die heimischen Reservisten versuchen, ein Geländer-Projekt zu realisieren. Dankend erwähnten die Reservisten, dass die Märkischen Werkstätten die Gravur des Gedenksteins übernommen hätten.

Bei den so genannten Kissensteinen, den liegenden Steinen, handelt sich um Gedenksteine aus dem ersten Weltkrieg. Die stehenden Kreuze sind „echte“ Gräber, in denen Verstorbene des zweiten Weltkriegs liegen, erklärten die Reservisten. Nicht nur Volksbund-Mitarbeiter Beckmann, auch Angehörige und Trauernde wissen das Engagement der Reservisten zu schätzen. „Dieses Herz zum Beispiel begleitet uns seit Jahren“, sagt Torsten Stegemann und deutet auf den Stein, der einen festen Platz am Grab von Josef Kulanek hat.

832 Kriegsgräberstätten gebe es im Ausland, informierte Andreas Beckmann, für die der Volksbund zuständig sei. Die inländischen Friedhöfe unterliegen seit 1952 der Obhut der Kommunen. Vom 8. bis 19. Juni sind acht Kameraden der Gemeinschaft im Auslandseinsatz, kümmern sich um Kriegsgräber auf dem Soldatenfriedhof im französischen La Cambe, wo mehr als 21 000 deutsche Soldaten, Gefallene des Zweiten Weltkriegs, ruhen.

- Von Markus Jentzsch

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