Reformhaus Blanke schließt seine Türen

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Das Gebäude wurde bereits verkauft.

Neuenrade - Demnächst verschwindet ein weiterer Laden von der Ersten Straße: Das Reformhaus Blanke schließt zum 30. September.

 „Hauptsächlich aus Altersgründen, aber auch wegen der Konkurrenz“, erklärt Inhaber Dieter Blanke (70) den Entschluss zur Aufgabe des Reformhauses. Die Kunden würden eher Ketten wie den nahe gelegene dm-Markt, die teils ähnliche Produkte führen, oder das Internet nutzen und so nicht mehr den Weg zu ihnen ins Reformhaus finden: „Es gibt bei uns keine Haltemöglichkeit. Das ist ein Riesen Problem – an der Ersten Straße gibt es nur noch Autos und kaum noch Menschen“, sagt Inhaberin Inge Blanke (67), die das Geschäft 1973 gegründet hat, damals als Drogerie mit Foto-Abteilung.

1994 ist das Ehepaar mit ihrem Geschäft in das Haus an der Ersten Straße gezogen. „Heute hat sich alles in Richtung Stadtquartier verlagert“, bemerkt Dieter Blanke. Das Reformhaus rentiert sich nicht mehr für das Ehepaar. Das liege jedoch nicht an den angebotenen Produkten: „Andere Bio-Märkte, wie zum Beispiel der denns-Markt in Lüdenscheid, laufen ja sehr gut. Da ist alles im Gleichgewicht“, sagt Dieter Blanke. Ausschlaggebend sei die Lage an der Ersten Straße.

Doch auch das Alter des Ehepaars habe eine große Rolle bei dem Entschluss, den Laden zu schließen, gespielt: „Irgendwann muss auch einmal gut sein. Wir hatten in den vergangenen Jahren auch sehr wenig Urlaub“, sagt Dieter Blanke, der sich 1984 mit dem ehemaligen Ihr-Platz an der Ersten Straße selbstständig gemacht hatte. „Natürlich habe ich gemischte Gefühle bei der Schließung, nach 43 Jahren Selbstständigkeit“, fügt er hinzu. Auch Inge Blanke geht die Schließung nahe: „Mir persönlich geht es gar nicht gut damit. Nach 43 Jahren ohne Unterbrechung gehört der Laden einfach mit zum Leben.“

Ganz zieht sich das Ehepaar jedoch noch nicht aus der Konsum-Landschaft Neuenrades zurück. Das Geschäft mit den Fotos und Passbildern wollen sie weiterführen, in einem Raum im angrenzenden Haus, das auch das Stadtmuseum beherbergt. Das Gebäude, das dem Reformhaus jahrelang ein Zuhause geboten hat und unter Denkmalschutz steht, hat bereits einen neuen Besitzer. „Echterhages haben es gekauft. Was sie damit vorhaben, wissen wir nicht“, sagt Dieter Blanke.

In 43 Jahren haben sich auch viele schöne Erinnerungen angesammelt. An eine Begegnung erinnert sich Inge Blanke besonders gern: „Unser erster Kunde, den werde ich nie vergessen. Er kam in den Laden, stand vor der Theke und schüttelte sein weißes Haupt. ‘Bei ihnen kann ich nicht einkaufen, sie sind viel zu jung’, sagte er, drehte sich um und verließ den Laden wieder. Er kam aber später noch oft als Kunde in den Laden“, erzählt Inge Blanke. In den kommenden Tagen findet nun noch ein Ausverkauf von Rahmen und Alben statt, dann zieht das Ehepaar Blanke mit ihrem Foto-Geschäft in das Gebäude nebenan.

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