Jahreshauptversammlung des Vereins für Geschichte und Heimatpflege

Die Privilegien der Hanse

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Der 2. Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatpflege, Mark Hantelmann (rechts), gratuliert Dr. Rolf Dieter Kohl zur Wiederwahl als 1. Vorsitzender.

Neuenrade - Der Verein für Geschichte und Heimatpflege Neuenrade hat im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung Dr. Rolf Dieter Kohl als 1. Vorsitzenden einstimmig bestätigt. 

Kohl wird dem Verein allerdings nur für ein weiteres Jahr zur Verfügung stehen. Er begründete seine kürzere Bereitschaft damit, dass er seit 32 Jahren „an der Spitze des Vereins steht und es an der Zeit ist, einen Nachfolger zu finden.“ Er hatte den Verein 1985 mitgegründet. Seit dieser Zeit hat er maßgeblich und erfolgreich die kontinuierliche Entwicklung in Sachen Heimathistorie vorangetrieben und mit seinen Beiträgen versucht, Geschichte nachvollziehbar zu machen. 

Arbeitskreis gegründet

Nachfolger von Kohl soll der Rektor der Neuenrader Burgschule, Awerd Riemenschneider, werden. Formell wurde ein Arbeitskreis gegründet, damit der künftige 1. Vorsitzende bereits jetzt an den Sitzungen des Vorstandes teilnehmen kann, um in seine kommenden Aufgaben eingeführt zu werden. 

Awerd Riemenschneider, Rektor der Burgschule.

Riemenschneider ist gebürtiger Bochumer und seit einigen Jahren Rektor der Burgschule. Seine Wahl erfolgte einstimmig bei einer Enthaltung. Riemenschneider sieht sein kommendes ehrenamtliches Engagement auch unter dem Aspekt, „Kinder an die Geschichte heranzuführen.“

Die eigentliche Überraschung des Abends lieferte Dr. Kohl fast in einem Nebensatz, als er das Veranstaltungsprogramm für 2017 vorstellte. Nach seinen Recherchen, erläuterte der Historiker, habe Neuenrade im 17. Jahrhundert mehr mit der Hanse gemeinsam gehabt als bisher bekannt sei. Die Stadt habe aber mehr den Status einer „Hanseunterstadt“ gehabt und sei möglicherweise einer größeren Hansestadt angeschlossen gewesen. 

Arbeit wird im kommenden Jahr vorgestellt

Für eine Stadt in der damaligen Neuenrader Größe, hätte diese Verbindung viele Vorteile gehabt, da die Privilegien der Hanse genutzt werden konnten. Dr. Kohl hat eine entsprechende Arbeit verfasst, die er in kommenden Jahr vorstellen wird. 

Vorab informierte er darüber, dass ein Großkaufmann der Hanse, Matthias Düsterloh, ein gebürtiger Neuenrader gewesen sei und später wegen seiner Heirat in Köln gelebt habe. Er sei auch Namensgeber für die Düsterlohstraße in Neuenrade. 

Die weiteren Regularien auf der Tagesordnung der Sitzung verliefen ohne Beanstandung. Der 1. Vorsitzende informierte noch einmal über die zurückliegenden Monate, die maßgeblich durch die Bedeutung des Heimatmuseums geprägt waren. Zu den positiven Aktivitäten zählte er auch die Ausstellungen im Rathausfoyer, eine Tagesexkursion nach Köln, die Aufarbeitung der Stadtgeschichte und die vielen Stadtführungen, für die überwiegend Geschäftsführer Jürgen Hedrich verantwortlich war.

Finanzlage des Vereins solide

In den Beirat wurden bei einer Enthaltung Peter Müller und Hans-Werner Turk gewählt. Vom Kassenprüfer Ulrich Tillmann gab es ein großes Lob für Schatzmeisterin Melanie Behrens. Er hatte gemeinsam mit Ulrike Wolfinger die Kasse geprüft. Die Finanzlage des Vereins sei solide. Nach seiner Darstellung werden die allgemeinen Kosten durch Beiträge getragen. Die Kosten des Heimatmuseums werden durch Sponsoren sichergestellt. 

Im kommenden Jahr stehen mehrere Vorträge auf dem Programm. Kreisheimatpfleger Rolf Klostermann wird über die Geschichte der Grafschaft Mark referieren und Hans-Ludwig Knaup über „Erkenntnisse zum Wirtschaftsgeschehen“. 

Der Besuch der Hansestadt Soest mit Besuch des Soester Stadtarchivs ist ebenso geplant wie eine Exkursion nach Münster. Spannend verlief der Vortrag von Dr. Thomas Greif. Der Mediziner aus dem benachbarten Werdohl referierte über „Neuenrade – eine besondere Stadt“. Analytisch und mit sachlich nachvollziehbarer Argumentation stellte er fest, dass Neuenrade als Planstadt geschaffen wurde und wegen ihrer Exaktheit sogar mit einem Lager der Römer vergleichbar sei. 

Neuenrade habe damals eine überwiegend militärische Bedeutung gehabt, der Wassergraben um die Stadt habe mögliche Feinde abgeschreckt. Die Fehde zwischen Engelbert III. und dem Grafen Gottfried von Arnsberg habe zur Folge gehabt, dass das damalige Dorf Rade vernichtet worden sei. Der Wiederaufbau sei unter militärischen Gesichtspunkten erfolgt, deutlich werde dies auch daran, dass Neuenrade damals keinen Markt und keine Kirche gehabt habe. Gegeben habe es lediglich ein „Kapellchen an der Stadtmauer“.

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