Harald Steinhoff nimmt nach 35 Jahren im Amt Abschied

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Harald Steinhoff

Neuenrade - Keine Frage – Harald Steinhoff ist ein eloquenter Mann. Er kann reden ist rhetorisch gewandt, seine Stimme ist sonor und tragend. Das kommt ihm in seinem Beruf sicher zu Gute. Steinhoff ist Pfarrer. Noch...

...,denn am Sonntag, 4. Advent, hat er seinen Letzten, nimmt danach Resturlaub und beginnt dann sicher seine Pension zu genießen.Sein Abschied wird morgen in einem feierlichen Gottesdienst mit anschließendem Empfang gebührend begangen – wie es sich für einen Pfarrer gehört, der über Jahrzehnte die evangelische Gemeinde in Neuenrade führte. Im Oktober 1980 übernahm Steinhoff damals die Pfarrstelle und prägte somit die evangelische Kirchengemeinde Neuenrade für 35 Jahre.

 Eine Amtszeit, die es beispielsweise im weltlichen Bereich so nicht gibt. Heutzutage gibt es kaum einen Bürgermeister, der so lange im Amt ist. So konnte Steinhoff im Rahmen seiner Möglichkeiten durchaus gestalten. Eine Chance, die er in der für Neuerungen offenen Gemeinde durchaus wahrgenommen hat. Erst vor nicht allzu langer Zeit leitete er den Umbau der Gemeinde angesichts des demographischen Wandels ein. Und jetzt, mit Pfarrer Dieter Kuhlo-Schöneberg als Nachfolger, empfindet er, dass seine Gemeinde in guten Händen ist. Auch in den Dörfern läuft es seines Erachtens wieder sehr gut. Die regelmäßigen Gottesdienste dort in der katholischen Kirche seien ein Gewinn. Und die Unterstützung mit der hauptamtlichen Jugendarbeiterin, die neuen Dinge, die jetzt laufen würden, das lasse sich doch sehr gut an.

 Steinhoff stammt aus Soest, studierte in Münster zwischen 1971 und 1978 Theologie, machte dort auch anschließend sein Vikariat bei der Versöhnungskirche bis er schließlich nach Neuenrade kam. Die Kirche mit der Kanzel in der Mitte hatte es ihm dabei gleich angetan. „Jau“, habe er damals gedacht, „das könnte mir Spaß machen“. Und die Familie zog mit. Der Pfarrer Hartmann nahm ihn dann gleich unter seine Fittiche und führte ihn in die Besonderheiten dieses Amtes ein, führte intensive Dienstgespräche mit ihm. Steinhoff dachte damals. „Prüfe, was da ist. Was gut ist, das mach weiter. Und wenn Du jetzt nicht damit anfängst, dann wird das nichts“. Top Unterstützung bekam er im ehrenamtlichen Bereich. Was die zweite Pfarrstelle anbelangt, so gab es im Laufe der Zeit dabei recht wenig Kontinuität. Nicht übermäßig lange blieben die einzelnen Pastöre und es gab darunter aus seiner Sicht Enttäuschungen. Aber die Gemeinde und die Ehrenamtlichen hätten da vieles aufgefangen. Dafür gab es viele persönliche Beziehungen, die eine Hilfe waren.

 Zum Beispiel in Sachen Ökumene. Da gab es die Freundschaft zu Pfarrer Reinhold Simon. Und es war ein großer persönlicher Verlust für Steinhoff, als der katholische Priester unerwartet starb. Gleichwohl – die ökumenischen Errungenschaften, das geschwisterliche Miteinander ist geblieben. Es gab sehr schöne Zeiten an die sich Steinhoff erinnert. Als die Kinder klein waren, war man mittendrin, habe mit der Gemeinde gebastelt, es gab Bibelwochen bei denen 130 Kinder mitmachten oder er war als Verbandspfarrer für die Frauenhilfe auch mal mit den Frauen im Spielcasino.... Er erfreute sich an tollen Gottesdiensten, die er gefeiert hat. Er spielte seine schauspielerischen Fähigkeiten bei den Weihnachtsgeschichten aus, dichtete Texte zu bestehenden Melodien, nutzte die weltlichen Möglichkeiten für die Vermittlung des Geistlichen. Er erinnert sich auch gerne an praktische Seelsorge in der Schlange vor der Kasse bei Aldi oder Lidl....

Dennoch: Es gab auch unschöne Zeiten: Eine Personalangelegenheit und damit verbundene Geschehnisse, die ihm jetzt noch zu schaffen machen. Gleichwohl. Es ist lange her.

Pfarrer Harald Steinhoff, 63 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter hat eine Gemeinde, auf die er sichtlich stolz ist. „Hier ist man offen für viele Impulse“. Und Abschied nimmt er mit einem dankbaren Herzen. Dabei geht er nicht ganz – er bleibt in seiner Hönnestadt.

Von Peter von der Beck

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