Patrick 1,5 kommt gut an

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Patrick (Stefan Peschek) in einer Szene mit Sven (Jan Hasenfuß).

Neuenrade - Patrick 1,5 - eine Komödie über ein schwules Pärchen, das sich plötzlich um einen 15-Jährigen, schwulenfeindlichen, schwer Erziehbaren kümmern muss, sorgte für ein fast ausverkauftes Haus  und kam gut an.

Die beiden lieben sich und das ist auch gut so, möchte man mit Berlins Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit hinzufügen. Denn Göran und Sven haben sich offenkundig sehr gern und sind wie ein gutes Paar in der Lage, kleine Unstimmigkeiten mit Gespür für den Anderen aus der Welt zu schaffen. Nach der Heirat fehlt nur noch ein Kind, und dass dabei eine Kleinigkeit schief geht, bringt die Komödie „Patrick 1,5“ des Schweden Michael Druker in Gang.

Denn statt eines 1,5 Jahre alten Kleinkindes liefert die Behörde den 15-jährigen Patrick mit einem – auf den ersten Blick – imposanten Strafregister: Diebstahl, Gewaltdelikte, Totschlag. Tatsächlich ist der Junge nach seiner Ankunft bei dem homosexuellen Paar zunächst ein bisschen schwierig, selbstverständlich schwulenfeindlich und schwer erziehbar. Und natürlich wäre die Komödie keine Komödie, wenn sich das nicht sehr schnell ändern würde und der junge Mann nicht zum ersten Mal ein wirkliches Zuhause bekommen würde.

 Es war eine heile Welt ganz besonderer Art, die die Theatergastspiele Fürth am Sonntagabend im weitgehend ausverkauften Kaisergarten zeigten. Das Thema passte in eine Zeit, in der die Akzeptanz von Homosexualität in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Auf der anderen Seite dokumentierte ein fürchterlicher Wahlabend die Rückkehr des Hasses auf alles Fremde und Andersartige, und da war es ein gutes Zeichen, dass sich das Publikum im Kaisergarten recht tolerant und amüsiert zeigte. Nur am Rande gab es auch andere Stimmen: „Das war nicht so unser Thema.“ Die drei Akteure gaben der rosaroten Geschichte jedenfalls viel Herzblut mit auf den Weg: Allen voran Thomas Rohmer als Regisseur und in der Rolle des Göran, dem man in seiner liebevollen Art wohl jedes Kind zur Adoption überlassen hätte. „Mensch – der braucht doch Hilfe!“, stellt er sich sofort der neuen Aufgabe, was Partner Sven (Jan Hasenfuß) zu einer klaren Rückfrage veranlasst: Leidest du an der Barmherzigkeitskrankheit?“ Ein bisschen schon.

Hilfreich war dabei die an Anfeindungen gereifte Fähigkeit der beiden schwulen Sympathen, sich vor Feindseligkeiten zu imprägnieren: „Wir sind jedenfalls ziemlich dran gewöhnt, wie die Leute auf uns reagieren.“ Diese Fähigkeit brauchen die Beiden dringend im Umgang mit dem immer zutraulicher werdenden Rotzlöffel Patrick (Stefan Pescheck). Auch er findet seine Rolle, repariert Elektrogeräte und versucht sich in Telefonberatung: „Ihr Mann schlägt Sie und die Kinder? Schlagen Sie zurück!“ Was bleibt ist die Frage „große Bratpfanne oder Bügeleisen?“, und als ein Blumenstrauß eintrifft, ist klar, dass die derart Ermutigte zum Bügeleisen gegriffen hat.

Das war lustig, und natürlich durfte die Geschichte – anders als in der literarischen Vorlage – auch ein Happyend haben. Einen 15-Jährigen, der ein liebevolles Zuhause gefunden hat, kann man doch nicht einfach in die Obhut des Jugendamtes zurückgeben.

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