Nikola Komatina spielt Klaviersonate mit chromatischem Knopfakkordeon

+
Nikola Komatina.

Neuenrade - Ein breites Spektrum unterschiedlicher Musik und Musikstile präsentierte der Akkordeonist Nikola Komatina am Sonntag in der ausverkauften Villa am Wall.

 Josef Brockhagen, Vorsitzender des Kulturausschusses, begrüßte den aktuellen Musik-Stipendiaten der Märkischen Kulturkonferenz und lud die Besucher zu einem Besuch in der kleinen Akkordeon-Ausstellung im ersten Stock der Villa ein, deren Instrumente Werner Kaiser restauriert hatte.

Das Gebäude wiederum hatte seinen ganz eigenen Bezug zur Neuenrader Akkordeon-Fabrik Herfeld, denn in ihrem ersten Leben war die Villa das Domizil der Fabrikantenfamilie. Nikola Komatina hatte „eine hochentwickelte Form“ seines Instruments mitgebracht: ein „chromatisches Knopfakkordeon“, das zum Beispiel das problemlose Spielen einer Klaviersonate von Joseph Haydn ermöglichte.

Noch weiter zurück in den Barock ging der Musiker mit mehreren Sätzen aus Johann Sebastian Bachs „Englischer Suite Nr. 5“. Der Thomaskantor schrieb sie einst für Cembalo, doch auch in einem Akkordeon fühlten sich die vertrauten Klänge hörbar wohl. Vögel flatterten gleich mehrfach durch das Konzert: Zunächst in der Komposition „La Poule“ (das Huhn) des Barockmeisters Jean-Philippe Rameau, bei dem sich ganz zwanglos Assoziationen zwischen einem Huhn und einer ganzen Hühnerherde einstellten.

 „Black Birds“ zwitscherten in einer Komposition des Finnen Kalevi Aho (geboren 1949), die Nikola Komatina zum Anlass für eine Verteidigung der zeitgenössischen Neuen Musik nahm: „Wenn jetzt keine Stücke mehr geschrieben würden, so wäre das sehr schade.“ Er selbst hatte viel Zeit und Energie in Kalevi Ahos Werk gesteckt: „Ich habe sechs Monate gebraucht, um das in die Finger zu kriegen.“ Entsprechend virtuos zwitscherten die Licht- und die Nachtvögel. Ungewohnte Klänge gab es auch von dem dänischen Komponisten Poul Rovsing Olsen (1922 bis 1982) und von der Russin Sofia Gubaidulina (geboren 1931). Bei ihrem „De Profundis für Bajan Solo“ machte Nikola Komatina deutlich, dass sein Instrument auch atmen, schreien und zittern kann: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir.“

Eingebettet waren die anspruchsvolleren Werke in publikumsfreundliche Kompositionen von Astor Piazzolla, dessen „Flora’s Game“ aber durchaus musikalische Ecken und Kanten hat. Eine Freude ist es immer wieder, Piazzollas „Libertango“ zu hören. Eingängige und vertraute Walzerklänge kamen von Yann Tiersen und dessen Filmmusik „La Valse d’Amélie“. Aus seiner serbisch-südslawischen Heimat hatte Nikola Komatina noch zwei traditionelle Roma-Lieder mitgebracht, zu denen er in der Roma-Sprache auch sang.

 Dazu berichtete der Musiker von seinen Sorgen, dass diese Musiktradition aussterben könnte. Für die Zugabe kehrte er noch einmal auf den Balkan zurück: Vor allem die ungeraden komplizierten Rhythmen von Tänzen aus Mazedonien und Serbien verlangten ihm noch einmal einiges ab – auch wenn der Absolvent der Folkwang-Musikschule Essen dafür ausnahmsweise keine Noten brauchte.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare