Neuenrader Tafelmusik erspielt 5000 Euro

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Das Jugendsinfonieorchester kam bestens beim Publikum an.

Neuenrade - Junge Musiker hören, gut essen und den unglaublichen Erzählungen des Klaus Peter Sasse lauschen – aus dieser Trias setzt sich die Neuenrader Tafelmusik zusammen, die am Samstag zum 15. Mal stattfand.

Kultiviert genießen und dabei Gutes tun für den Förderverein des Jugendsinfonieorchesters der Musikschule Lennetal – das war auch diesmal die Devise im fast ausgebuchten Saal des Hotels Kaisergarten. Mit einem Klassiker eröffnete das Orchester unter der Leitung von Andreas Regeling den Abend.

Es erklang die Tonfolge aus drei Achteln und einer Viertelnote, die den ersten Satz von Ludwig van Beethovens Sinfonie Nummer 5 so vertraut macht. „Mag es auch nicht immer wahr sein, so ist es doch gut erfunden“, diesem leicht variierten italienischen Sprichwort folgte vieles von dem, was Klaus Peter Sasse zur Verbindung von Kulinarik und Musik vortrug.

Der Bürgermeister a. D. unterzog die Essgewohnheiten des Bonner Komponisten einer Prüfung und stieß dabei auf den zu Beethovens Zeiten noch reichlich vorhandenen Lachs im Rhein. Und so ließ der Erzähler die Lachse den unteren Rhein hinaufwandern, links in die Ruhr abbiegen und von dort das Sauerland erreichen.

Eine schöne Geschichte zum angeblichen „Sorpe-Lachs“, der die fast 200 Teller anschließend füllte. Schon zum Apéritif hatte der Meisterfabulierer Perspektiven zur zukünftigen Vermarktung der überreichen Ernte des Neuenrader Weinberges entworfen. Den Gästen hatte der „Lillet vom Treppengässchen auf Eis“ offenbar gemundet. Musikalisch ging es weiter mit einer sehr bemerkenswerten Rarität: Kurt Gäbles sinfonischer Dichtung der „Begegnung“ dreier Alphörner mit einem sinfonischen Orchester. Drei Alphorn-Bläser aus Plettenberg hatten diesen außergewöhnlichen Auftritt möglich gemacht. Niemand hielt dagegen, als Klaus Peter Sasse wettete, „dass noch niemand von Ihnen ein Sinfonieorchester mit Alphörnern gehört hat“. Die passende Speise lieferten jene Rinder, die auf Wiesen an Hanglagen ganz besondere Muskelpakete entwickeln: „Kruspelspitz“ als eine fabelhafte Variante des Tafelspitz. Lecker war es jedenfalls.

Filmmusik lieferte das nächste kulinarische Stichwort: Nino Rotas „Der Pate“ bot Anlass für eine „Pasta alla Norma“ – für Sizilianer das Nonplusultra eines Nudelgerichts, das deshalb den Namen einer von Vincenzo Bellinis Opern trägt. Es gab an diesem Abend noch einen zweiten Erzähler: Sebastian Hoffmann, Musikschullehrer, Geiger und Kontrabassist im Jugendsinfonieorchester. Da der Klangkörper sehr viel Filmmusik im Programm hatte, lieferte er die lebendigen Geschichten dazu: Vom „König der Löwen“ bis zu „The Rock“, einem Actionfilm, der auf der Gefangenen-Insel Alcatraz spielt. Löwenfleisch war ausgeschlossen, aber Amerika und der Gefängnisfelsen gaben das Stichwort für das Hauptgericht: Erstmalig in 15 Jahren „Tafelmusik“ gab es einen „Burger“ mit leckeren „Gefängnis“-Bohnen.

Nach dem Finale mit Brahms, Kaiserschmarrn und „Pirates of the Caribbean“ dankte Dirigent Andreas Regeling dem Publikum für dessen finanzielle Unterstützung und das aufmerksame Zuhören: „Es macht immer Spaß in einem so vollen Saal zu spielen.“ Auch Klaus Peter Sasse zeigte sich „zufrieden“ mit dem Ergebnis der Wohltätigkeitsveranstaltung, das er auf etwa 5000 Euro schätzte.

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