Neuenrader Schützengesellschaft: Frauen sind gleichberechtigt

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Mitglieder des Schützenvereins beim Schützenfest.

Neuenrade - Wenn sich die Finanzbehörde bei der Sache mit den Frauen und der Gemeinnützigkeit durchgesetzt hätte, wäre das für die Neuenrader Schützengesellschaft kein Problem gewesen.

Denn, wie Domenic Troilo, Presseoffizier der Gesellschaft auf Nachfrage zum Vorstoß des Finanzamtes erläuterte, sind Frauen ohnehin bei der Schützengesellschaft mit im Boot – auch beim Schießen. So hat man in den vergangenen Jahren verstärkt darauf geachtet auch Frauen in dieser Sache mit ins Boot zu holen. Gezielt wurden Frauen angesprochen, um bei den traditionellen Schießwettbewerben im Vorfeld mitzumachen. Es ist eine kleine Erfolgsgeschichte für die Schützengesellschaft.

Troilo kommentierte die Umtriebe des Finanzamtes aber dennoch: „Die Neuenrader Schützengesellschaft ist, wie es der Name bereits sagt, eine Gesellschaft und keine Bruderschaft“. Hingegen seien Bruderschaften (wie Küntrop und Affeln) angebunden an die Kirche, es handele sich meist um konfessionsgebundene Männerveranstaltungen. „Bei uns ist das grundlegend anders: Wir haben keine Beschränkungen nach Glaubensrichtungen oder Geschlecht. Das ist seit Ewigkeiten so und historisch bedingt in unserer Gesellschaft. In der NSG sind rund 50 Prozent der Mitglieder Frauen. Wir haben sogar Moslems dabei, das ist in einigen Bruderschaften schwer möglich“.

Und offensichtlich funktioniert die Schützengesellschaft gerade durch den Einsatz der Frauen. „Ein Teil unserer Frauen engagiert sich am Schießstand, andere an einigen Punkten im Festablauf und bei der Organisation der Kompaniefeste sind die Frauen auch stark eingebunden. Sie sind bei uns auch selbstverständlich voll stimmberechtigt auf den Mitgliederversammlungen“. Und die Frauen haben eben mit dem Damenschießen im April auch ihre eigene Schießveranstaltung.

„Einige unserer Mitglieder im Arbeitsausschuss nutzen den Rat ihrer Frau für viele Entscheidungen und das ist auch gut so“, sagte Domenic Troilo abschließend. Und auch eins ist klar: Bei der Schützengesellschaft könne theoretisch auch eine Frau Schützenkönigin werden. „Sie muss dazu nur die beste Zehn schießen“, betonte Troilo. Bisher gabs in diesem Sinne allerdings noch keine Frau, der dies in der langen Geschichte der Schützengesellschaft gelang. Bisher schossen immer Männer die beste Zehn und erwählten sich dann ihre Frauen zur Königin.

Und was sagen die Verantwortlichen der Schützenbruderschaften dazu? Zumindest kam eine schnelle Reaktion von Stefan Kemper, Vorsitzender der Schützenbruderschaft St. Peter und Paul. Noch bevor der Minister die entsprechenden Finanzamtsvertreter zurückpfiff sagte er: „Ja, wir haben auch davon gehört und ja, es steht auch so in der Satzung (nur Männer dürfen Mitglied sein). Hier kann ich nur sagen, haben wir keine anderen Probleme? Es gibt genügend aktuelle Themen, die uns beschäftigen sollten. Hier will sich wieder ein bestimmter Personenkreis profilieren. Ohne, dass es dazu einen Aufschrei der weiblichen Bevölkerung gibt. Bei uns ist eher das Gegenteil der Fall“.

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