Neuenrader Künstler Dieter W. Meding im Portrait

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Dieter W. Meding in seinem Atelierraum, der einst Teil der Sägemühle über dem Wellingse-Bach war.

Neuenrade/Affeln - Dieter W. Medings Feind ist weiß und zumeist viereckig: die leere Leinwand als unverschämt forderndes Gegenüber des kreativen Geistes. Es sind gefüllte Flächen, Materialien mit einer Vorgeschichte, von denen sich der Neuenrader Künstler zu weiterer Bearbeitung gerne kitzeln lässt: Ein Stapel alte Geschäftsunterlagen, Rechnungen und Lieferscheine, die Strukturen von Wellblech, zersägte Eisenbahnschienen als Ausgangsmaterial für Bilder, die immer gerne in den Raum ausgreifen.

Denn Dieter W. Meding ist nicht nur Maler, sondern auch Bildhauer, und ein großer Teil des in der ehemaligen Sägemühle zwischen Affeln und Langenholthausen zur Verfügung stehenden Platzes dient der handwerklichen Bearbeitung verschiedener Werkstoffe: Kunststoff und Erde, Metall und Holz. Und obwohl Raum in der alten Mühle fast unbegrenzt zur Verfügung zu stehen scheint, stößt er mittlerweile an Grenzen: „Ich habe zu wenig Platz. Aber nicht zum Arbeiten, sondern um die Werke unterzubringen.“

Drei handwerkliche Ausbildungen brachten „Nähe zu den Materialien“ mit sich. Als Dieter Meding vor 30 Jahren als Kunststudent an die Ruhrakademie in Dortmund kam, waren es die Techniken der Materialbeherrschung, die ihn sehr schnell in die Rolle des Lehrenden brachten. „Ich habe von Anfang an auch unterrichtet“, erinnert sich der Künstler. „Und dann habe ich versucht zu begreifen, was Kunst ist.“ Bis heute unterrichtet er Bildhauerei und plastisches Gestalten an der Ruhrakademie. Und die Leidenschaft, Antworten auf die Frage nach dem Sein und Wesen der Kunst zu finden, hat ihn nicht losgelassen. Immer noch gehe es ihm darum, etwas Neues zu entdecken, erklärt der Künstler. „Aber mit der Geschichte dessen, was ich bisher gemacht habe.“ „Ausprobieren“ lautet die Devise und so lange „mischen und mixen, bis das funktioniert“.

Expressionistisch gemalt und dabei verdammt gut getroffen: Das wohl schönste Selbstportrait von Dieter W. Meding.

Kunst hat für Dieter W. Meding nicht die Aufgabe, die Moral zu pflegen, nach ästhetischen Richtlinien vorzugehen oder traditionelle Gestaltungsregeln zu beachten. Dieses nonkonformistische Credo wiederholt der Künstler auf allen Internetseiten, die einen ersten Eindruck von seinem Schaffen vermitteln: „Es geht nur um Kreativität in der Einbeziehung neuer Phantasien.“ Die Kunstwerke, die jenseits von Moral und Zwang entstehen, sind nicht immer etwas für zarte Gemüter. Dieter Meding lässt bronzene Arschkriecher in geringelter Reihe im Kreis kriechen; eine einsame Figur reißt sich selber den Allerwertesten auf. Nirgendwo treffen Zartheit und Gewalt so brutal aufeinander wie im Akt der Defloration. Dieter W. Meding hat ihn plastisch werden lassen mit einem Tresor, dessen Fronttür nach allen Regeln der Panzerknacker-Kunst geknackt ist.

Der große „Rhein Denker“ zog 2013 unter Polizeischutz nach Bonn um. 7,8 Tonnen Bronzeguss mussten bewegt werden.

Sexuelle Motive lassen sich nicht nur in seinen erotischen Zeichnungen finden. Sein Faden der Ariadne zieht sich als roter Faden buchstäblich durch einen großen Teil seines Werkes. Immer wieder variiert der Künstler die Geschichte von der Tochter des kretischen Königs Minos, die gemeinsam mit Theseus den Minotaurus zur Strecke brachte. Friedrich Dürrenmatt erzählte die Geschichte neu. In seiner gleichnamigen „Ballade“ näherte er sich dem Stiermenschen und schilderte ihn als ein einsam tanzendes Wesen, das mit seinen Spiegelbildern ringt, nach Liebe lechzt und die erzwungene Gemeinschaft mit der begehrten Ariadne mit dem Tod bezahlt. Und so taucht neben dem roten Faden ein weiteres Symbol immer wieder in den Arbeiten von Dieter W. Meding auf: zwei Hörner. Gemeinsam mit Ariadnes Faden stehen sie für zentrale Motive in seinem künstlerischen Schaffen: Begehren und Gewalt, Tod und die Suche nach dem Selbst in den Spiegelbildern.

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