Die Neuenrader glauben an Jogis Jungs

Frank Middendorf ist zwar eigentlich Schwarz-Gelber, aber er ist Fan vom Schalker Leroy Sané. Der 46-Jährige ist sich sicher: „Wir schaffen das ins Endspiel.“ - Fotos: Schnücker

Neuenrade - Noch ist der Anpfiff für die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft nicht erklungen – aber viele Neuenrader glauben daran, dass Jogis Jungs bei der Titelvergabe in Frankreich ein gewichtiges Wort mitreden werden. Einige sehen bereits die für sie passende Finalpaarung und sind davon überzeugt, dass die deutsche Elf gegen Frankreich um den Titel spielen wird.

Als Schwachstelle wird durchweg die einst so stabile Abwehr gesehen, zumal jetzt auch noch Abwehrstratege Antonio Rüdiger verletzt ausschied, aber mit Jonathan Tah habe der Bundestrainer einen guten Ersatz gefunden – obwohl der 1,93-Meter-Hüne bis dato auf nur ein Länderspiel blicken kann. Einigkeit herrscht darüber, dass die Vorrunde gegen Polen, Nordirland und der Ukraine klar geschafft wird.

Ob das Endspiel zwischen der Équipe Tricolore und Deutschland stattfinden wird, bleibt abzuwarten. Der 46-jährige Frank Middendorf, Metzgermeister in der vierten Generation im Fleischereifachgeschäft Graf, ist sich ziemlich sicher: „Unsere Elf ist eine klasse Turniermannschaft. Die haben sich zu 100 Prozent auf das Turnier vorbereitet, die schaffen das bis ins Endspiel.“ Der überzeugte BVB-Fan sagt fürs erste Spiel gegen die Ukraine einen 2:0-Erfolg für Thomas Müller & Co. voraus. Dabei würde er „den kleinen Götze als falsche Neun auflassen lassen“. Und er setzt auf Leroy Sané, der zwar in der Bundesliga beim Dortmunder Dauerrivalen Schalke kicke, „aber als tolerant und objektiv denkender Fan würde der bei mir auf jeden Fall spielen.“ Doch der optimistische Metzgermeister denkt auch an Marco Reuss: „Der Junge hat einfach Pech, ich hätte es ihm gegönnt, weil er ein klasse Spieler ist und ein Match entscheiden kann.“

Auch Kneipier „Ari“ Apostolopoulos hält die mögliche Endspielpaarung Deutschland gegen Frankreich für denkbar. Gleichwohl glaubt der Wirt der Ahornklause, dass die Franzosen nach dem Abpfiff die Nase vorn haben und Deutschland als Vizeeuropameister – „Das ist doch auch schon was“ – die Rückfahrt antreten wird. Ari bescheinigt der deutschen Elf auch, eine „typische Turniermannschaft“ zu sein, weil „sie immer schwach startet, aber danach immer besser in Schwung kommt. Und genau das macht die anderen Teilnehmer unsicher.“ Übrigens: Fußballfans können jedes deutsche Spiel auf einer großen Leinwand im Außenbereich der Ahornklause verfolgen. Gegen die Ukraine prophezeit Ari ein „3:1 für Deutschland“, um dann etwas zerknirscht festzustellen, „dass es schade ist, das wir Griechen nicht mit dabei sind“.

Die 71-jährige Lieselotte Duve trägt ihr Herz auf der Zunge. Die Seniorin verfolgt jedes Spiel der deutschen Nationalmannschaft. Sie glaubt aber, „dass das mit dem Titel nur klappt, wenn der Jogi die Elf vernünftig aufstellt“. Etwas verärgert sei sie, „dass der den Marco Reus nicht mitgenommen hat – Schweinsteiger und Hummels sind doch auch verletzt“. Zu ihren Lieblingskickern zählt Schlussmann Manuel Neuer, der „auch gegen die Ukraine super halten wird und das erste Spiel werden wir 2:1 gewinnen“, blickt die fußballbegeisterte Frau in die sprichwörtliche Glaskugel. Ihr Tipp für das Endspiel lautet Deutschland gegen Spanien. Aber dann zieht sie ein wenig die Stirn in Falten. Sie könne nur rätseln, gesteht sie, wer am 10. Juli als frisch gekürter Europameister vom Platz gehe – „wenngleich ich mich auch immer über deutsche Siege freue“.

Norbert Lepke ist 72 Lenze alt. Er ist ein stadtbekanntes Gesicht in Neuenrade und bereitet sich auf „familieninterne Diskussionen mit meinen zwei Enkeln vor, weil die so ziemlich alles wissen, was mit Fußball zu tun hat“. Den Balltretern von Jogi Löw traut er alles zu, allerdings mit einem dicken Fragezeichen. Mit einem Turniersieg funktioniere es nur, wenn „die nicht so spielen wie gegen die Slowakei“, betont er. „Das hat mir überhaupt nicht gefallen.“

Die ebenfalls 72-jährige Dagmar Kaminski zeigt viel Herz für die bundesdeutschen Kicker. Wenn sie über die EM in Frankreich und über die Vorbereitungen der deutschen Elf spricht, dann kommt sie sofort auf Lukas Podolski zu sprechen, „weil der Poldi ein klasse Außenflitzer ist und jetzt auch zum zweiten Mal Papa geworden ist. So etwas wird ihn zusätzlich motivieren.“ Mit vielen anderen Fußballfreunden drückt sie der deutschen Elf die Daumen und hofft, dass „da interessante und unterhaltsame Spiele mit wenig taktischen Fouls auf dem Bildschirm zu sehen sind“. Gegen die Ukraine tippt sie 2:1 für Deutschland – wobei sie auch „dem kleinen Götze von Herzen wünscht, dass er wieder entscheidende Tore macht“.

Bei aller Vorfreude auf die EM vergessen die Neuenrader aber nicht darauf hinzuweisen, dass „hoffentlich in Frankreich alles gut bleibt und keine Terroristen ihr mörderisches Spiel treiben. Dann wäre es ein tolles Turnier, egal, wer gewinnt“.

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