Auch Neuenrader wollen „den Kohlberg retten“

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Die Initiatoren der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ erstellten aktuell diese – nach ihren Angaben maßstabsgetreue – Fotomontage vom Quitmannsturm aus gesehen. Die Standorte würden dabei nicht ganz genau stimmen.

Neuenrade/Altena - Viel Unmut ruft zumindest in Dahle/Evingsen die von der Stadt Neuenrade angestoßene Ausweisung einer Vorrangszone für Windkraftanlagen auf dem Kohlberg hervor. Und die geplante Errichtung eines Bürgerwindparkes mit sechs 200 Meter hohen Anlagen sorgt für Wirbel. Die Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ wurde gegründet, auch der Betreiber des Kohlberghauses kündigte Widerstand an.

Nun formiert sich auch in Neuenrade organisierter Widerstand. Eine mehrköpfige Truppe schließt sich nun der Bürgerinitiative um die Dahler Wilfried Bracht, Dr. Henry Tauber und Dr. Frank Hoffmann an. Sprecher der Neuenrader Gruppe ist der Rechtsanwalt Ulrich Schorner. In einer Pressemitteilung formuliert er seine und die Bedenken seiner Mitstreiter, schildert Empfindungen und Beweggründe: „Als wir von den Plänen, zweihundert Meter hohe Windräder auf den Kohlberg zu bauen, erfuhren, waren wir schockiert“, heißt es von Schorner.

Gemeinsam mit ein paar Nachbarn sei dann der Plan gereift, „andere Neuenrader wachzurütteln und über die städtischen Pläne kritisch zu informieren“. Guido Funke entwarf am Computer eine Fotomontage, welche zwar nicht die genauen Standorte der Windkraftanlagen wiedergeben, aber einen Eindruck von den Größenverhältnissen der Windräder zeigen soll. „Ich habe das Bild auf Facebook gepostet. Die Reaktionen lagen zwischen Entsetzen und ungläubigen Kommentaren, etwa: Na klar – und gleich kommt King Kong über den Berg“, heißt es in dem Schreiben an die Redaktion.

Kurzfristig visualisierten auch die „Rettet-den-Kohlberg“-Aktivisten noch eine Fotomontage, mit der visualisiert werden soll, wie die Windräder nun vom Quitmannsturm aus gesehen wirken. „Um nun über die Dimensionen des geplanten Bürgerwindparks aufzuklären – immerhin sollen sechs Windräder mit einem Rotorumfang, welcher größer ist als die Fläche des größten Passagierjets, einem Airbus A 380, aufgestellt werden“, lädt die Bürgerinitiative zu einen Informationsabend in das Hotel Wilhelmshöhe für Donnerstag, 29. Oktober, ab 19 Uhr ein.

Schorner, Sprecher der Neuenrader Initiative, sagte: „Wir wollen, dass sich die Bürger ein Bild davon machen können, was da auf dem Kohlberg passieren soll." Thematisiert werde zunächst das Projekt, soweit es derzeit bekannt sei. Auch wolle man über drohende Gefahren aufklären. So sehe man das Naherholungsgebiet mit Sauerländer Höhenflug, Quitmannsturm und Skipiste in Gefahr. Zudem drohe der Natur erheblicher Schaden. Und auch den Anwohnern: Von den Anlagen werden Geräuschemissionen ausgehen. Mit welchem Lärm die Bewohner genau zu rechnen haben, weiß derzeit aber so recht noch niemand“. Außerdem sei die Sache mit den Auswirkungen vom sogenannten Infraschall nicht abschließend erforscht.

Infraschall wird Schall im langwelligen, für das menschliche Ohr nicht hörbaren, Frequenzbereich genannt. „Diverse Studien deuten indes auf Gesundheitsgefahren für Mensch und Tier hin“, heißt es von der Initiative. Doch auf einen weiteren Aspekt weisen die Neuenrader hin. Die Immobilien-Werte: „Die Anlagen werden weithin sichtbar sein und das Landschaftsbild nachhaltig verändern. Denn natürlich beeinflusst die Nähe eines Grundstücks zu Windrädern den Marktwert. Mehr wert wird das Einfamilienhaus in Stadtrandlage sicher nicht." Mit Einbußen in einer Größenordnung „von zehn bis zwanzig Prozent" müssten Anwohner rechnen. Zu dieser ersten groben Schätzung kommt ein von den Neuenrader Mitgliedern befragter Makler.

Ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit einem Wert von 150 000 Euro könne daher nur mit einem Abschlag von 15 000 bis 30 000 Euro verkauft werden. „Da viele Neuenrader sicherlich ihre Immobilie auch als Mittel zur Altersvorsorge ansehen, sei es eine nicht zu unterschätzende finanzielle Gefahr“, heißt es abschließend in der Pressemitteilung. - vdB

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