Neuenrader Flüchtlingshilfe läuft auf Hochtouren

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Neuankömmlinge aber auch Flüchtlinge, die schon länger in Neuenrade sind, besuchen das Come together-Café.

Neuenrade - Brechend voll war am Mittwoch das „Come together-Café“. Jede Menge Ehrenamtliche und auch viele Flüchtlinge, darunter einige Neuankömmlinge, ließen sich dort blicken. Kaffee, Tee, Kuchen und vor allem Hilfe wurde den Menschen aus aller Herren Länder angeboten – und angenommen.

 Und wieder lernten die Cafébesucher – Ehrenamtliche und Interessierte – einzelne Schicksale und Fluchtgeschichten kennen. Jene Geschichte des aus Somalia stammenden Ehepaares, das seine beiden Kinder bei nahen Verwandten in dem afrikanischen Krisenstaat zurücklassen musste.

Per Auto schlugen sie sich quer durch Afrika bis nach Lybien durch, bestiegen dort ein Schiff, das dann noch sieben Tage an der nordafrikanischen Mittelmeerküste entlang schipperte, um immer mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Über Italien und Österreich gelangten die Somalis dann nach Deutschland. Oder sie hörten jene Geschichte von dem Syrer, der vor dem Krieg nach Deutschland floh, hier nun seit zwei Tagen in Sicherheit ist und der nun seine Frau hierher holen will, die er in Syrien zurücklassen musste. Er hat im Catering-Bereich gearbeitet, hat wohl Restaurants mit Lebensmitteln beliefert, spricht fließend Englisch und ist schon dabei Deutsch zu lernen. Gerne zeigt er die Bilder seiner Hochzeit in einer christlichen Kirche. Es sind Fotos aus glücklichen, gut-bürgerlichen Tagen.

Das Smartphone: Für Flüchtlinge ein wertvolles Mittel: Dokumentenspeicher, Fotoalbum und auch Übersetzungshilfe.

Überhaupt ist das Smartphone für die Flüchtlinge ein überlebenswichtiges Gerät. Damit halten sie Verbindung zu Verwandten, Freunden, es ist wichtiger Datenspeicher für Bilder und Dokumente. Es ist mit der korrekten App auch Übersetzungshilfe. Und so erzählen die Flüchtlinge aus ihrem Leben, von ihrer Flucht. Das geschieht meist in rudimentärem Englisch. Und so gibt es Grenzen, das Vokabular reicht nicht aus, um Situationen, Bedürfnisse, Wünsche korrekt zu schildern. Es ist Arabisch, das an diesem Nachmittag verstärkt gesprochen wird. Da sind die Arabisch-Kenntnisse einer ehrenamtlichen Neuenraderin Gold wert.

Besuch gab es in der Stadtbücherei/im Zelius am Mittwoch auch vom Lions-Förderverein, vertreten durch Dr. Sven Simons und Attila Hildebrand. Man hatte innerhalb des Lions-Fördervereins entschieden, ehrenamtliche Projekte der Flüchtlingsarbeit in Neuenrade, Werdohl, Altena und Nachrodt-Wiblingwerde finanziell zu unterstützen. Man sei sich dann schnell einig gewesen, dass in Neuenrade das Zelius Nutznießer dieser Unterstützung sein soll. So überreichten Hildebrand und Dr. Simons die stolze Summe von 2500 Euro an Zelius/Büchereileiterin Sandra Horny. Die hat ihrerseits kein konkretes Projekt, sondern will das Geld für viele kleine Dinge der Flüchtlingsarbeit einsetzen, die bislang nicht finanziert werden konnten: Sei es fehlende Stühle und Tische für den Deutschunterricht, sei es ein wenig Geld bereitzustellen, damit Flüchtlinge per Bürgerbus die Umgebung erkunden können, oder sei es fehlende Deutschbücher zu finanzieren. Sandra Horny: „Wir bekommen ständig Feedback von den Ehrenamtlichen. Da gibt es immer etwas zu unterstützen.“

Auch von der Bevölkerung wird immer mehr Hilfe angeboten. Da geht es um persönliche Hilfe aber auch um Sachleistungen für die Flüchtlinge. Doch Möbel oder dergleichen können nicht in der Bücherei gelagert werden. Und so kam man auf die Idee, eine große Pinnwand mit Suche/Biete- Anzeigen im Flur der Bücherei aufzustellen. Wenn es dabei um den Transport von Kleinmöbeln geht, stehen – natürlich – Ehrenamtliche parat.

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