Zwei Gegenstimmen

Neuenrader Rat segnet Windparkfläche ab

Windpark (Symbolfoto).

Neuenrade - Der Rat der Stadt Neuenrade hat die Planungsgrundlagen für den Windpark wie vorher im Bauausschuss vereinbart auf die Reise geschickt. Aber nicht einmütig. Es gab zwei Gegenstimmen.

Wenn nun die weiteren Planungen ihren Lauf nehmen, werden mittelfristig sechs 200 Meter hohe Windenergieanlagen auf dem Kohlberg an der Stadtgrenze zu Altena-Dahle stehen. Diese Zahl wurde in allen Gremien genannt.

Zumindest gibt es nun Platz dafür. Wie dem auch sei: Zunächst soll der sachliche Teilflächennutzungsplan „Windenergie zur Steuerung der Windenergienutzung im Außenbereich“ vor der Sommerpause offengelegt werden, dann können Vertreter der öffentlichen Belange reagieren, Anregungen und Bedenken werden geäußert. Dann heißt es die Stellungnahmen abzuwägen und gegebenenfalls in die weiteren Planungen einzuarbeiten. Dann stimmt der Rat noch einmal darüber ab und der fertige Plan mündet dann in einen Satzungsbeschluss. Danach ist dann der Weg frei für einen konkreten Bauantrag.

Klare Sache, dass die Bezirksregierung noch ein Wörtchen mitzureden hat: Die muss den sachlichen Teilplan Energie schließlich genehmigen und schauen, ob er mit der Regionalplanung kompatibel ist. Wie die Bezirksregierung entscheidet, das ist auch für einen Investor interessant: Denn mit dem Kohlberg wird schon fleißig geplant, Zumindest wird das Projekt Neuenrade bei der sowi GmbH, die nun in Köln sitzt, mit drei Windenergieanlagen ausgewiesen. Die Errichtung ist laut Internet-Referenz für 2016 avisiert. Wie der Geschäftsführer, Stefan Thölking, auf Nachfrage erläuterte, warte man nun ab wie die Bezirksregierung entscheide. Wie viele Windräder man denn baue, sei momentan nicht genau kalkulierbar. Weiter wollte sich Thölking nicht äußern. Er bestätigte aber, dass die Anträge für Errichtung von Windrädern in Altenaffeln zurückgezogen seien.

Der Aufstellungsbeschluss des Neuenrader Stadtrates wurde jedenfalls mit breiter politischer Mehrheit gefasst. Lediglich zwei von vier FWG-Mitglieder, immerhin FWG-Fraktionschef Bernhard Peters und Detlef Stägert, stimmten dagegen. Stägert, weil er arge Bedenken wegen der Höhe der Windräder hat – er will eine Höhenbegrenzung (wir berichteten) und Peters. weil er die zulässige Dezibelzahl auf 35 db (A) begrenzen möchte. Das könne technisch gelöst werden oder durch Vergrößerung des Abstandes zur Wohnbebauung (in Dahle). Andernfalls drohten Gesundheitsschäden. Bürgermeister Wiesemann verwies indes darauf, dass die Planungsvorgaben aber doch gesetzeskonform seien und Bauamtsleiter Marcus Henninger sagte dazu, dass es auf dem Kohlberg gar keine reine Wohnbebauung gebe und Prognosen zum Lärm doch ohnehin im Verfahren nachgereicht würden. Das erfolge alles in einem späteren Schritt. Eine Lärmprognose könne erst gemacht werden, wenn konkrete Standorte feststünden. Unmut gab es im Saal als Peters einwarf, dass man jetzt gleich gesundheitsschädliche Lärmbelästigungen beschließe?

Lob für das Windparkprojekt kam vom Bündnisgrünen-Vertreter Dr. Karl Kaluza: Das Projekt schade den Höhenzügen nicht, er könne die Sorgen wegen der Optik nicht nachvollziehen. Zudem sagte er in Richtung FWG, dass deren Einstellung „Wasch mich – aber mach mich nicht nass“ nicht zielführend sei. FDP-Ratsfrau Claudia Kaluza sagte, dass der Standort Kohlberg sinnvoller sei als Altenaffeln. Zudem merkte sie später an, dass man im Rahmen der Bürgerbeteiligung am angestrebten Bürgerwindparkprojekt doch sicher genug Einflussnahme beispielsweise zur Höhe der Anlagen habe. CDU-Fraktionschef Mark Hantelmann jedenfalls fasste noch einmal die Situation aus CDU-Sicht zusammen. Zum einen behalte man durch diesen Beschluss die Handlungsfreiheit als Gemeinde, könne bestimmen, wo Windräder stehen sollen und zum anderen sei doch die Option Bürgerwindpark nur so machbar. Und die SPD – die lag ganz auf CDU-Linie.

Der Bürgermeister schritt übrigens zwischenzeitlich ein, entzog Ratsherr Stägert das Wort, als der ausholte und auf Untersuchungen des Fraunhofer-Institutes zu Entwicklung von Windenergieanlagen hinweisen wollte...

- Von Peter von der Beck

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