SGV Neuenrade wird 125 Jahre alt

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Dienstältester SGVer, Friedrich-Wilhelm (KoCo) Kohlhage, erinnert sich gut an das eine oder andere Döneken.

Neuenrade - Es sind Tausende von Kilometern, die sie auf Schusters Rappen zurückgelegt haben, um der Natur ganz nah zu sein. Die genaue Zahl der zurückgelegten Wanderungen weiß beim SGV Neuenrade niemand, aber jeder verbindet damit Geselligkeit, Bewegung und Spaß.

 Am Samstag, 10. September, können sie auf ihr 125-jähriges Bestehen blicken, dann werden sie im Kulturschuppen ihr Glas heben und gemeinsam und mit guten Freunden und Gästen anstoßen und feiern.

 Das Jubiläum ist nicht nur eine stolze Zahl, sie spiegelt gleichzeitig ein starkes Stück Heimat wider. 125 Jahre SGV Neuenrade sind ein Zeitraum, der mit seinen Strukturen für die Wanderfreunde zu einem sozialen Netzwerk mit viel Frischluft geworden ist. Es ist nicht viel, was in der Chronik steht: 1891 fand im benachbarten Arnsberg die erste General-Versammlung mit Wanderfreunden der Region statt, der „Sauerländische Gebirgsverein“ wurde gegründet, „....weil auch im Regierungsbezirk Arnsberg die Natur so reich ausgestattet ist.“

Die Ausstattung reichte und erfasste auch Neuenrade, die Chronik berichtet von einer Neuenrader Delegation, die sich aus dem Vorsitzenden „Rector Suhr, seinem Stellvertreter „Lehrer Becker“ und dem Schatzmeister „Kaufmann Lewin“ zusammen setzte.

Die eigentliche Gründungsversammlung des SGV Neuenrade fand am 19. Juli 1891 in Hagen mit der Beratung der Statuten statt. Besonders interessant ist der Blick in einen Süderländer-Volksfreund-Bericht vom 11. Februar 1893, der zwei Jahre nach der SGV-Gründung seine Leser über die Generalversammlung informierte: „Neuenrade, 8. Februar. Am Sonnabend, den 4. Februar fand im Gasthof „Zum König von Preußen“ (Anmerk.: später Hotel Schröder, heute Volksbank) hier unter Vorsitz des Herrn Rektor Suhr die ordentliche General-Versammlung der Abteilung Neuenrade des Sauerländischen Gebirgs-Vereins statt. Der äußerst zahlreiche Besuch desselben zeigt, welch großes Interesse dem Verein entgegengebracht wird.“ Und weiter: „....dem Bericht des Schatzmeisters betrug der Kassenbestand 106,60 Mark...... „Die im vorigen Jahre angefangenen Wegebezeichnungen wurden fortgesetzt und besonders die Zahl der Wegweiser vermehrt.“ Auch der Quittmanns-Turm wird erwähnt: „....ist die Erbauung eines eisernen Aussichtsthurmes auf dem Kohlberg, der zu Ehren des Herrn Lehrer em. Carl Quitmann, der 50 Jahre lang mit großem Segen wirkte, „Quittmanns-Thurm“ genannt worden ist. Die Firma Achenbach & Schulte in Ohle bei Plettenberg hatte die Lieferung desselben einschließlich Ausstellung, Fundamentierung und Anstrich übernommen für 1300 Mark.“ Der Leser wird auch darüber informiert, dass „...die Nebenkosten für Bänke und Wege 100 Mark betragen..... und die Herren Rektor Suhr, Kaufmann Lewin und Lehrer Becker durch Zuruf wiedergewählt wurden.“ In den Folgejahren wurde die SGV-Abteilung Neuenrade größer.

 Es waren Geschäftsleute, die neben anderen Neuenradern Mitglied wurden und für eine solide Finanzbasis sorgten. Zu den Mitgliedern zählte auch der Unternehmer Ernst Kohlhage, der seine Zwillingssöhne Friedrich-Wilhelm „KoCo“ Kohlhage (84) und Ernst-Hermann Kohlhage (beide waren damals 17 Lenze) als Mitglied im SGV Neuenrade anmeldete. Für die beiden Kohlhage-Junioren keine leichte Aufgabe. „KoCo“ kann sich an die letzten sieben Jahrzehnte der SGV-Abteilung gut erinnern, obwohl das Wandern nicht unbedingt zu seinen Stärken zählte. Heute wird „KoCo“ schmunzelnd von den SGVern als „Dienstältester“ bezeichnet, weil er als derzeit ältestes, lebendes Mitglied nicht nur ein sponsorenfreudiges Denken hat, er kann sehr lebhaft und humorvoll über seinen SGV berichten. Während des Krieges und auch danach sammelten „die Kohlhage-Jungs den Beitrag bei den Mitgliedern per Hausbesuch ein.“

Worauf der SGV Neuenrade besonders stolz ist: 1945 war er der erste Verein, der von der britischen Militärregierung die Berechtigung zur Weiterführung als SGV-Abteilung Neuenrade bekam. Das Vereinsleben gestaltete sich zwar schwierig, aber durchführbar. So schafften die SGVer die Anreise zur Sternwanderung auf der Ladefläche eines mit Holzvergaser betriebenen Lkw bis nach Attendorn. Eine weitere Anekdote schildert „KoCo“ von dem einstigen SGV-Mitglied Zacharias, der besonders bei den Damen hoch im Kurs stand, da er mit der Gitarre und dem Akkordeon für Stimmung sorgte.

 Lehrer Zacharias wird von dem derzeitigen „Dienstältesten mit über 60-jähriger SGV-Zugehörigkeit“ auch als „Hans Dampf in allen Gassen“ beschrieben. Er soll es auch gewesen sein, der unmittelbar nach Kriegsende den Schwarzbrennern auf die Sprünge kam und mit einem gemalten Schild der staunenden Umwelt den Weg „Zur Amtsbrennerei“ (das heutige Rathaus) zeigte...... Zu den weiteren Originalen zählte beim Neuenrader SGV auch Albert Marlinghaus, der in lockerer und lustiger Versform jedes Mitglied auf die Schippe nahm. Heute hat der SGV kleinere und größere Wanderungen im Angebot, eine kompetente Wanderwegebetreuung macht ihn zu einem zuverlässigen Partner und seit einigen Jahren findet die „Kulinarische Familienwanderung“ zunehmend Beachtung.

Das Programm 125 Jahre SGV-Abteilung Neuenrade am Samstag, 10. September: 14 Uhr Stadtführung (Treffpunkt am Stadtmodell zwischen Rathaus und Kaisergarten; 16 Uhr Begüßung, Frestreden und Wimpelaustausch im Kulturschuppen am Bahnhof; Nach den Regularien spielen „Die Zöger“ zum gemütlichen Beisammensein auf. Für Essen und Getränke wird gesorgt, der Neuenrader SGV freut sich über viele Gäste.

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