Neuenrade weltweit

Kohlhage exportiert bis nach Shanghai

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Kamer Capar positioniert Schellen an einem Mantelrohr. Über eine Zuführung geht es dann in die vollautomatische Schellenmontage.

Neuenrade - Als Ernst Kohlhage 1929 als Ein-Mann-Betrieb einen Großhandel für Elektro-Befestigungsmaterial eröffnet, konnte er nicht ahnen, dass einige Jahrzehnte später Produkte seines Unternehmens in die ganze Welt hinausgehen.

Heute zählt die Kohlhage-Gruppe rund 130 Mitarbeiter und hat einen Jahresumsatz von 37 Millionen Euro. Dahinter stecken die beiden Unternehmen Kohlhage Automotive und Kohlhage Fasteners. Beide sind an der Hönnestraße 22 in Neuenrade unter einem Dach angesiedelt.

Seit 2007 gibt es zudem eine Niederlassung in Shanghai. Dorthin ist mit Eröffnung des Standortes Einkaufsleiter Normen Marczinkowski ausgewandert. Seither lebt der Sauerländer in Asien, um vor Ort ein Auge auf die Teilebeschaffung zu haben.

Während sich Kohlhage Fasteners auf den Handel mit Bolzen, Schrauben und Muttern spezialisiert hat, dreht sich bei Kohlhage Automotive alles um die Produktion von medienführenden Rohren für Gas, Öl, Wasser und Kraftstoff, geschweißten Baugruppen und Abgasklappen. Bei beiden Unternehmen bilden Systemhersteller für die Automobilbranche (Jaguar, Porsche, VW, Mercedes, BMW) einen Großteil der Abnehmer – und das weltweit.

Kohlhage knüpft erste Kontakte nach Japan

Im Fördertopf der Sortiermaschine werden Schrauben und Muttern zur Überprüfung in die richtige Lage gebracht. Fehler fallen sofort auf.

Die ersten Kontakte nach Fernost knüpfte Friedrich-Wilhelm Kohlhage Mitte der 1970er Jahre mit Japan, nachdem er den Betrieb 1950 im Alter von 18 Jahren von seinem Vater Ernst übernahm. Es folgten Geschäftsbeziehungen mit Taiwan. 1980 wird die komplette Dreherei nach Norditalien verlegt. Seitdem wird im heutigen Unternehmensbereich der Fasteners nur noch gehandelt.

Gehörten früher noch Norm- und Standardteile in Form von Flügel- und Rändelschrauben sowie Hutmuttern zum Sortiment, sind heute spezielle Sonderanfertigungen, die in hochtechnisierten Prozessen entstehen, gefragt. Das Repertoire von Kohlhage Fasteners erstreckt sich von Schweißmuttern über Hammer- und Krallenkopfschrauben bis hin zu Gewinde- und Durchgangsbuchsen, die unter anderem bei Lkw-Anhängern als Kabeldurchgang dienen.

„Unsere Abnehmer sind beispielsweise Stanzbetriebe“, erklärt Marc Schreiber, Geschäftsführer bei Kohlhage Fasteners. Die Neuenrader liefern die Schrauben, Muttern und Bolzen, die vom Kunden mit verschiedenen Bauteilen verschweißt werden. Dabei treffe die meisten Kohlhage-Produkte dasselbe Schicksal: „Sie sind später nicht mehr zu sehen.“ Lediglich an der bloßen Fahrzeug-Karosserie kämen sie zum Vorschein.

Exporte in die USA, nach China und Ungarn

„Unsere Exportquote liegt bei 50 Prozent“, sagt Automotive-Geschäftsführer Sven Lehecka und ergänzt: „Ein Großteil unserer Kunden ist auf die Europäische Union verteilt, aber wir liefern beispielsweise auch in die USA.“ Kohlhage Automotive liefert unter anderem Abgasklappen in die Vereinigten Staaten, Motor-Rohrleitungen nach Ungarn und Mantelrohre für Lenksäulen nach China.

Oliver Bank absolviert bei Kohlhage eine Lehre zum Mechatroniker. Ausgebildet wird er von Engin Döngelli.

Bei der Herstellung der Produkte käme es auf die Wiederholungsgenauigkeit an, macht Lehecka deutlich. Einen Prototypen zu entwickeln sei keine Kunst, die Qualität hinterher aber zigtausendfach beizubehalten schon. Deshalb würden die benötigten Spezialwerkzeuge für die Maschinen an der Hönnestraße entworfen und hergestellt. „Dafür brauchen wir gut geschultes Personal“, sagt Lehecka.

Das Thema Ausbildung spiele daher eine wichtige Rolle. Oliver Bank ist im letzten Ausbildungsjahr zum Mechatroniker. Vor einiger Zeit hat er seine Abschlussprüfung abgelegt. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre.

Kamer Capar kümmert sich um die Schellen an den Mantelrohren. Mit einem Abstandshalter legt sie die richtige Position der Schelle fest. Über ein Laufband gelangt das Mantelrohr in eine der insgesamt 60 Maschinen, die die Schelle automatisch befestigt. Zudem finden fünf Sortiermaschinen von Kohlhage Fasteners in den Fertigungshallen Platz, die Schrauben auf Fehlerlosigkeit prüfen.

Aus einem großen Behälter heraus gelangen die Schrauben in einen Fördertopf. Dieser bringt die zu prüfenden Stücke in die richtige Lage auf ein Fließband, das in eine Kontrollzone führt. Dort wird jede einzelne Schraube blitzschnell von mehreren Kameras abfotografiert, mit einem Optimalbild am Computer verglichen und automatisch aussortiert, wenn sie nicht einem bestimmten Qualitätsniveau entspricht. Bis zu 500 Artikel werden pro Minute geprüft.

Roboter ersetzen Menschenhände

Aufgrund hoher Stückzahlen und wachsender Qualitätsansprüche werden viele Arbeitsschritte von Robotern statt von Menschen übernommen. Das sind unter anderem Roboter, die Schweißaufgaben übernehmen, oder Prüfmaschinen, die Teile scannen und elektronisch für in Ordnung oder nicht in Ordnung befinden.

Auch wenn ein Großteil der Arbeitsabläufe maschinell passiert, sind menschliche Mitarbeiter unverzichtbar. Zu ihnen gehört Lilia Lohmann. Sie ist in einer sogenannten Fertigungszelle unter anderem für die Montage und Endkontrolle von Abgasklappen zuständig. In den Zellen entstehen aus Einzelteilen komplexe Baugruppen. In diesem Fall gehen die Abgasklappen nach Italien und Amerika.

Wegen der internationalen Geschäftsverbindungen werden Mitarbeiter aus Neuenrade durch die Welt geschickt, um sich vor Ort um die Kunden zu kümmern. „Diese Reisen dauern in der Regel wenige Tage, manchmal sind die Mitarbeiter auch länger im Ausland unterwegs“, weiß Lehecka.

Bevor es aber in die Ferne gehe, würden die Reisenden mit den landesspezifischen Umgangsformen vertraut gemacht. Das sei besonders im asiatischen Raum wichtig.

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