Zehn Jahre Kinderkunst-Werkstatt

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Aus Anlass des zehnten Geburtstages wird ab Sonntag ein Kiku-Kalender verkauft. Ihre Lieblingsbilder aus diesem präsentieren neben Irmhild Hartstein (von links) Dr. Rolf Dieter Kohl und Attila Hildebrand.

Neuenrade - „Ach, es ist so vieles Schönes passiert in all den Jahren“, schwelgt Irmhild Hartstein in Erinnerungen. Vor nunmehr zehn Jahren hob sie die Neuenrader Kinderkunst-Werkstatt (Kiku) aus der Taufe. An der Straße Hinter der Stadt 6/8 findet deshalb am morgigen Sonntag ab 14 Uhr eine große Geburtstagsfeier statt.

Mit Unterstützung des heimischen Lions-Clubs wurde aus diesem Anlass auch ein Kalender für das kommende Jahr aufgelegt. Er zeigt jeden Monat ein anderes Werk verschiedener Kiku-Kinder.

Dr. Rolf Dieter Kohl und Attila Hildebrand präsentierten jetzt diesen Wandkalender. Und Kohl freute sich: „Ich bin begeistert. Das ist ein empfehlenswertes Erzeugnis der Kiku geworden.“ Er blätterte durch die Monate. „Das ist wirklich so schön“, lobte er.

Der Kalender wird ab Sonntag für 5 Euro verkauft. Er ist in einer Auflage von 100 Stück erschienen und wird in der Kunst-Werkstatt sowie in den Apotheken der Stadt verkauft.

Irmhild Hartstein ist die stolze „Kiku-Mutti“

Kiku-Leiterin Hartstein möchte nicht alles Lob für sich in Anspruch nehmen: „Ohne Alexander Klinke ginge hier zum Beispiel gar nichts. Er hat zum Beispiel am Anfang eine neue Heizungsanlage für die Werkstatt finanziert.“

Sie hebt hervor: „Er hat in ein Gebäude investiert, das er eigentlich abreißen wollte.“ Klinke ist bis heute Eigentümer der Immobilie. Die Stadt mietet diese für die Kiku-Werkstatt an.

Und nicht nur deshalb soll nach zehn Jahren auch noch lange nicht Schluss mit der Kiku sein. Hartstein überlegt kurz und stellt dann klar: „Ich bin jetzt 70 Jahre alt, aber ich weiß gar nicht, was ich zuhause sollte. Nein, ich muss hier noch ganz viel erledigen“, gibt sie sich weiterhin tatendurstig.

Wenn sie durch die Straßen Neuenrades gehe, werde sie angesprochen und als „Kiku-Mutti“ bezeichnet. „Das finde ich toll“, sagt sie und strahlt – sichtlich stolz.

Ebenso froh ist sie, wenn sie Mädchen und Jungen sieht, die erstmals in die Kiku kommen: „Die Kinder kommen herein, strahlen und sind verzaubert“, hat Hartstein beobachtet.

Die Werkstatt-Leiterin rechnet im Kopf und kommt zu dem Ergebnis: „Bestimmt 2000 Kinder haben in zehn Jahren hier Zeit verbracht, um kreativ zu sein.“ Nicht mitgerechnet sind die, die in der Kiku „nur“ ihren Geburtstag gefeiert haben, denn auch das bietet Hartstein an.

Und so ist im Gebäude Hinter der Stadt täglich von montags bis samstags Leben. Die Kinder, die gerne dorthin gehen, um ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen, kommen aus Neuenrade, Werdohl, Balve, Altena, Sundern und Plettenberg.

Dank zahlreicher Spenden „ist hier genügend Material vorhanden“, zeigt sich Hartstein erleichtert. So bekam die Kiku 2007 etwa einmal alte Schallplatten geschenkt. Hartstein und die Kinder erwärmten das Vinyl und bogen die ehemaligen Musik-Träger zu Blüten, die bunt angemalt zum Bühnenbild für das Theaterstück „Als die Farbe nach Neuenrade kam“ wurden.

„Die Kinder können hier so richtig aus dem Vollen schöpfen“, freut sich Hartstein. Es wird gemalt, getöpfert und gezeichnet. In der ehemaligen Garage draußen kann mit Glas, Beton und Werkzeugen gearbeitet werden.

Daneben, wenn im Sommer der Pavillon aufgebaut ist, finden die Arbeiten mit Gips statt. Auf der Bühne, die schon kurz nach der Kiku-Eröffnung errichtet wurde, wird (Schatten-)Theater gespielt. Die Stücke schreiben die Mädchen und Jungen oft selbst.

Einigen geht bei all diesen Möglichkeiten dann aber auch die Kraft aus. Hartstein berichtet: „Vor fünf Jahren war hier einmal ein Junge, der war vielleicht fünf Jahre alt. Er war so aufgeregt und hat sich schließlich total ausgepowert.“ Am Ende saß er in einer Ecke und schlief einfach ein.

Die ersten Kiku-Kinder werden jetzt so langsam erwachsen. Und manche besuchen Hartstein immer wieder. Glücklich berichtet die Werkstatt-Leiterin: „Einige sind in kreativen Berufen gelandet. Sie arbeiten jetzt als Grafiker, Fotografen, Mediengestalter, Game-Designer und Dozenten.“

Der Nachwuchs stirbt also noch lange nicht aus. Und auch die Mütter dieser unterdessen beruflich Kreativen schauen gelegentlich in der Kiku wieder vorbei. „Eine Mutter hat sich bei mir einmal bedankt: ‘Ohne Sie wäre meine Tochter jetzt nicht da, wo sie ist’, hat sie gesagt.“ Hartstein strahlt und sagt dann: „Da geht mir das Herz auf.“

Beim Fest am Sonntag tritt zwischen 14 und 18 Uhr unter anderem der Magier Wolfgang Reinisch aus Iserlohn auf, der auch Ballon-Modellage betreibt. Die Button-Maschine der Kiku wird auf Hochtouren laufen. Und die Stofftier-Manufaktur „Ella und Paul“ aus Hemer wird ihre Künste präsentieren. Mitbringen werden sie auch ein Glücksrad. Zudem werden einige selbstgemachte Torten an die Gäste verkauft.

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