Mädchen erobern beim Girls’Day die industriellen Männerdomänen

Tierärztin, Pferdewirtin oder doch lieber Roboterbauerin

Finja war begeistert von den Robotern bei IBG.

Neuenrade -  Gute Roboterarme brauchen mindestens sechs Gelenke. Schiffsbremsen für die Luxusdampfer auf den Weltmeeren werden in den völlig wasserfreien Bergen von Neuenrade gebaut. Und Dauermagnetkupplungen sorgen für laufende Pumpen auf der ganzen Welt. Das es so etwas in Neuenrade gibt, wussten die Mädchen nicht, die am Donnerstag im Rahmen des Girls’Day in den heimischen Betrieben unterwegs waren.

Roboter findet Finja ziemlich spannend. Deswegen besuchte sie auch die Firma IBG. Denn dort gibt es jede Menge davon. „Also im Moment würde ich gerne Tierärztin, Pfedewirtschaftsmeisterin oder Roboterbauerin werden“, erzählte Finja. Begeistert schaute sie sich die großen Maschinen genauer an und lernte, dass es Roboter gibt, die aufgebaut seien, wie menschliche Arme und genau das könnten, was ein Mensch mit seinem Arm kann. Allerdings brauche ein Roboter dafür mindestens sechs Gelenke. Und wenn er auch noch um Hindernisse herumfassen will, auch sieben Gelenke. Finja will‘s genau wissen und nimmt die Maschine unter die Lupe.

„Ich hätte nie gedacht, dass Roboter so groß sind“, berichtete Lisa-Marie. Auch sie hat sich bewusst für diese Firma entschieden. Sie interessiert sich besonders für den Bereich Konstruktion. Meike Haber erwartete die Kinder bereits an ihrem Schreibtisch. Seit gut 20 Jahren arbeitet sie als Konstrukteurin zwischen zahlreichen Männern. „Ich glaube schon, dass man sich als Frau am Anfang mehr beweisen muss, um ernst genommen zu werden“, sagte die Konstrukteurin. Sie kann sich noch gut an ihre Anfänge erinnern. „Ich war noch nie so das typische Mädchen. Während andere mit Puppen spielten, baute ich Holzkonstruktionen“, erzählte Haber. Sie machte den Mädchen Mut, auf ihre eigenen Wünsche und Vorlieben zu hören.

Ronja Hohmann kennt das ebenfalls. Sie macht derzeit bei DST eine Ausbildung zur Industriemechanikerin. Parallel studiert sie Wirtschaftsingenieurswesen. „In meinem Kurs sind wir 30 Leute. Davon allerdings nur zwei Mädchen“, erzählte die Studentin. Ihr ist der praktische Bezug zum Produkt wichtig – auch wenn sie später im Vertrieb arbeiten möchte. „Es stimmt schon, die Männer trauen einem oft erst einmal nicht so viel zu. Man muss erst zeigen, was in einem steckt und dass man uns auch viel zumuten kann“, erklärte sie.

Nach wie vor sei die Hemmschwelle für Mädchen hoch. Technische Berufe seien eher abschreckend. „Umso wichtiger sind solche Aktionen wie der Girls’Day. Die Mädchen wissen oft gar nicht, was sie erwartet und was überhaupt möglich ist“, erklärt Alicja Daube, Prokuristin bei DST. die Echterhage Holding beteilige sich regelmäßig an solchen Aktionen. Fachkräfte seien schwer zu finden. „Wir wollen den jungen Menschen zeigen, dass es auch hier in Neuenrade, direkt vor der Haustür, spannende Berufe gibt“, sagte Daube.

Auch bei der Firma Schniewindt konnten die Mädchen in Männerberufe schnuppern. Elektrotechnische Lösungen in der industriellen Beheizungstechnik sowie in der Widerstands- und Messtechnik produziert das Unternehmen. Was dahinter steckt lernten die Kinder auf spielerische Weise. Sie durften sogar selbst Bleche biegen und lackieren. Staunend standen die Mädchen vor Schiffsbremsen für Elektromotoren. „Auf allen Meeren fahren große Schiffe damit“, erklärte der Auszubildende Nico Budde.

Von Lydia Machelett

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