In Neuenrade angekommen

+
Bei "#Neuenrade trifft sich" wird es auch eine Ausstellung mit Geschichten von Flüchtlingen geben.

Neuenrade - Neun Flüchtlinge und Familien werden morgen im Rahmen der Veranstaltung „#Neuenrade trifft sich“ auf großen Plakatwänden in der Stadtbücherei und Zelius ihre Fluchtgeschichte zeigen.

 Die Menschen haben auf abenteuerlichen und lebensgefährlichen Wegen Deutschland erreicht und sind in Neuenrade angekommen. Die Ausstellung basiert auf den persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen der Flüchtlinge und steht unter dem Motto „#Ankommen in Neuenrade“. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern haben die betroffenen Flüchtlinge den Mut gefasst, das aufzuschreiben und zum Teil mit Fotos zu dokumentieren, was auf der Flucht vor Krieg und Bedrohung ihr täglicher Begleiter war. Für die meisten Flüchtlinge ist es eine Art Aufarbeitung der Vergangenheit, die dazu beitragen soll, den Verdrängungsprozess weiter voran zu bringen. Neun Flüchtlinge haben ihre Fluchtgeschichte dokumentiert. Mit der Ausstellung schildern sie ihre Erlebnisse unter dem Tenor „Was waren die Gründe für ihre Flucht?“, „Wie war ihr Weg nach Neuenrade?“, „Wie waren die ersten Erlebnisse bei ihrer Ankunft in Neuenrade?“ und „Was sind ihre Perspektiven und Wünsche für ihre Zukunft?“.

Auch Ali und seine Frau Zahra berichten von ihrer Fluchtgeschichte. Das Ehepaar lebt mit seinen Kindern Samana und Mohammad seit Dezember des vergangenen Jahres in Neuenrade. 2003 flüchteten sie vor den Taliban aus Afghanistan in den Iran. Eine Flucht, die keinesfalls ein Neuanfang war – für Ehemann Ali gab es nur Schwarzarbeit, die Bildung für die Kinder war schwierig und das Gesundheitssystem unbezahlbar. Hauptgrund der weiteren Flucht war aber, das Ehefrau Zahra dort geschlechtsspezifisch verfolgt wurde.

Im Juli 2015 startete die Familie ab Mashhad (Iran) die Flucht, mit Schleppern erreichten sie die Türkei und in einem total überfüllten Schlauchboot kamen sie auf der griechische Insel Lesbos an. In den Wirren der Flucht wurde nicht nur das bereits wenige Hab und Gut immer weniger, auch die Tasche mit persönlichen Gegenständen ging verloren. Mit dem Bus ging es nach einigen Tagen nach Mazedonien, an der Grenze nach Serbien machte die Familie erstmals unliebsame Bekanntschaft mit den Schlagstöcken der Polizei. Trotzdem konnte Ungarn erreicht werden.

 Zwei Tage lebte die Familie in einem Waldgebiet, dann war es wieder die Polizei, die sie aufschnappte, nach Budapest brachte und sie aufforderte, das Land zu verlassen. Aber auch hier schaffte es die Familie in den Zug nach Österreich und vor etwas mehr als einem Jahr wurde München erreicht. Nach Aufenthalten in Camps in Dortmund, Kleve, Remscheid und Nettetal erreichten Ali und Zahra mit ihren Kindern Anfang Dezember 2015 Neuenrade.

Der Familie wurde zunächst ein Zimmer zugewiesen, einen Monat später bekam sie eine kleine Wohnung. Seit dem Aufenthalt in Deutschland hat Ehefrau Zahra das Kopftuch abgelegt, erste Wörter und Sätze wurden in Deutschkursen mit Hilfe der ehrenamtlichen Helfer gelernt und die Kinder können in die Schule und Kindergarten gehen. Ali ist inzwischen zu einem „vertrauten Gesicht“ geworden, im Zelius bekam er eine Bufdi-Stelle. Er spricht inzwischen relativ gut die deutsche Sprache, die Verständigung klappt und wer mit ihm ins Gespräch kommt, bekommt „Vielen Dank an die Menschen in Neuenrade“ zu hören. Und dann ist es ihm eine Herzensangelegenheit zu sagen, dass „wir vier ohne Verfolgung leben möchten!“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare