Für die Natur sensibilisieren - Ranger Christoph Nolte plädiert für verantwortungsvollen Umgang mit dem Wald

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Ranger Christoph Nolte führte Neuenrader bei einer Wanderung auf dem Sauerland-Höhenflug.

Neuenrade - „Es gibt Stadtkinder, die mit zehn oder zwölf Jahren noch keinen Wald gesehen haben“, erzählt Ranger Christoph Nolte vor der Familienwanderung auf dem Sauerland-Höhenflug.

Nolte, Ranger des Landesbetriebes für Wald und Holz NRW, hat vielfältige Aufgaben. Neben der Kontrolle der Begehbarkeit der Waldwege oder der Pflege und dem Ausbau der Infrastruktur im Wald ist die Umweltbildung eine seiner Hauptaufgaben. Dazu führen er und seine neun Kollegen Exkursionen durch die Wälder Südwestfalens, weisen auf Besonderheiten und natürliche Zusammenhänge im Wald hin, zeigen und erklären Heil-, aber auch Giftpflanzen und machen auf Tiere und deren Spuren aufmerksam. So werden die Teilnehmer einer solchen Exkursion für den Wald und die Natur sensibilisiert.

„Wenn ich mit Kindern aus Dortmund, Duisburg oder Bochum eine Exkursion mache, dann ist diese Umgebung für sie etwas ganz Neues. Es gibt Stadtkinder, die mit zehn oder zwölf Jahren noch keinen Wald gesehen haben“, berichtet Nolte. Diese Kinder würden dann maximal ihren Klassenraum und die Schule sowie ihr eigenes Zimmer inklusive Playstation und Fernseher kennen. „Aber sie freuen sich, wenn sie merken, dass es im Wald viel zu entdecken gibt. Da ist dann zwar viel Verunsicherung und teilweise auch Angst dabei, aber wenn wir nach den Exkursionen noch Briefe von den Kindern bekommen, dann haben wir auch ein Stück weit gewonnen“, sagt Nolte.

Bei der Familienwanderung sind auch vier Kinder dabei, die aber aufgrund Neuenrades Nähe zum Wald einen solchen sicher auch schon einmal von innen gesehen haben. „Früher war es noch so, dass einem die Eltern und Großeltern den Wald gezeigt und erklärt haben“, meint Nolte. Dabei sei ein Gespür für den Wald und ein Verantwortungsgefühl für die Natur, besonders bei Kindern und Jugendlichen, von großer Bedeutung. „Die Kinder von heute haben später die Verantwortung für die Natur. Man setzt sich jedoch nur für das ein, was man liebt und kennt und als schützenswert empfindet“, betont Nolte.

Auch die Aufklärung über Müllentsorgung liegt dem Ranger am Herzen. Man könne seinen Müll in der Natur nicht einfach herumliegen lassen, da dies Gefahren für Flora und Fauna berge. „Ich habe zum Beispiel schon einmal ein totes Wildschwein gefunden und wusste sofort, warum es gestorben war: Es hatte eine leere Konservendose um die Schnauze“, sagt Nolte. Von Fällen wie diesen berichtet er auf den Exkursionen, um den Teilnehmern die verheerenden Konsequenzen von auf den ersten Blick unerheblichen Umweltsünden zu verbildlichen.

Die Teilnehmer der Wanderung mussten den Ranger gar nicht lange begleiten, bevor sich dieser am Wegesrand bückte und eine unscheinbar wirkende Pflanze, Spitzwegerich, pflückte. Spitzwegerich ist wie sein Verwandter, Breitwegerich, eine Heilplanze. „Hat man einen Mücken- oder Wespenstich, zerreibt man einfach ein wenig Spitzwegerich zu einer Art Brei und trägt ihn auf den Stich auf“, erklärt Nolte. Spitzwegerich würde antiseptisch wirken und die Schwellung sowie den Juckreiz lindern. „Heilpflanzen waren früher viel bekannter als heute. Viele gehen heute meistens direkt in die Apotheke, wenn sie Beschwerden haben. Dabei stehen viele Wirkstoffe draußen auf der Wiese“, sagt Nolte. Auch er selbst vertraue auf die Heilkraft der Natur: „Wenn ich erkältet bin, trinke ich zwei Tage lang Lindenblütentee. Da liegt man dann zwar schwitzend im Bett, aber man ist schnell kuriert“, berichtet der Ranger.

Die von Christoph Nolte geleitete Wanderung führte die Teilnehmer vom Wanderparkplatz am Waldstadion über den Sauerland-Höhenflug zur Gaststätte „Zur Borke“, dabei wurde jedesmal, wenn ein Wanderer eine Frage hatte oder Nolte etwas Besonderes ins Auge fiel, gestoppt.

Mehr Informationen über die Arbeit des Rangers oder wann und wo man an einer Rangerwanderung teilnehmen kann, gibt es unter www. sauerland-hoehenflug.de .

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