Urs Meier: Der Mann der schnellen Entscheidungen

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Urs Meier.

Neuenrade - Einen überaus hochkarätigen Gast hatten die Verantwortlichen der Sparkasse im Märkischen Kreis nach Neuenrade in den Kaisergarten geholt: Urs Meier.

Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter, ZDF-Sportkommentator und Unternehmer referierte zum Thema „Entscheidungen treffen unter Druck“. Kurzweilig und äußerst unterhaltsam schaffte der Schweizer es, sein Publikum von der ersten Minute an zu begeistern.

Etwa mit seinen direkten Einblicken in das Pensum eines Referees während des Spieles. 158-mal/min habe sein Herz im Durchschnitt während der Partie Niederlande gegen Dänemark anlässlich der Europameisterschaft 2000 geschlagen. Eine eher entspannte Begegnung für ihn, wie Meier zugab.

Während der sportlichen Leistung auf dem Feld gelte es zudem, 250 bis 300 Entscheidungen während eines Spiels zu treffen. Diese seien nicht immer unbedingt sichtbar, aber auch Weiterspielen zu lassen sei eben eine Entscheidung. Ein Entschluss müsse indes immer schnell fallen.

Um das zu verdeutlichen, forderte der Schweizer das Publikum auf, sich in die Rolle des Referees zu versetzen. Dazu zeigte Meier eine Szene aus der Partie Portugal gegen England im Viertelfinale der EM 2004. Damals hatte der Schweizer ein vermeintliches Tor der Briten in der 89. Minute auf Grund eines vorhergehenden Fouls nicht gegeben. „Wenn ich hier drei Sekunden zögere, ist das eine mittlere Katastrophe“, betonte Meier. „Denn ein guter Schiri pfeift schneller als das Publikum“, verdeutlichte er weiter. Aber Entscheidungen treffen heiße auch Risiken eingehen, ohne Netz und doppelten Boden.

 Irgendjemand pfeife dabei immer von den Rängen. Aber: „Je schneller und besser ihr entscheidet, desto weniger pfeifen auch“, bestärkte Meier das Auditorium. Ein Anliegen des Schweizers, wohl auch durch seine Tätigkeit als Referee bedingt, war das Fairplay. „Man muss immer vom anderen her denken“, verdeutlichte Meier. Fairness habe immer etwas mit langfristigem Erfolg zu tun, auch in Unternehmen. Wiederholt schlug Meier so den Bogen vom Fußball hin zur Arbeit in der Wirtschaft. Dabei war sein Referat nicht nur eine bloße Auflistung von Erlebnissen aus der Tätigkeit als Schiedsrichter. Vielmehr schaffte der Schweizer es, das Geschehene, teilweise mit einer guten Portion Humor, zu analysieren und eine Quintessenz abzuleiten.

 So auch bei seinem hautnahen Bericht zur Begegnung Deutschland gegen Südkorea im WM-Halbfinale 2002. Nach einer gelben Karte und einem Foul an Michael Ballack habe dieser müde und antriebslos gewirkt. „Als hätte jemand ihm die Batterie rausgenommen“, erklärte Meier. Daraufhin sei schließlich Oliver Kahn aus seinem Kasten gestürmt und habe Ballack lautstark aufgefordert, die Zähne zusammenzubeißen. Und nur kurz darauf habe der Mittelfeldspieler das Siegtor zum 1:0 verwandelt.

Meiers Fazit: Es gebe wie im Fußball auch in Unternehmen Führungskräfte mit einem Gespür für die mangelnde Motivation der Mitarbeiter. Wie Kahn im WM-Halbfinale müssten diese Verantwortlichen ihren Mitmenschen Kraft geben, um sie wieder erfolgreich zu machen. „Dazu braucht man Führungskräfte, die merkwürdig sind“, warf Meier in den Raum, um die negative Konnotation des Wortes gleich von sich zu weisen. Denn trenne man beide Wortteile und drehe sie um, erhalte man „würdig“ und „merk“. „Die Person ist würdig, sie sich zu merken“, erklärte der ehemalige Referee seine Wortwahl. Oliver Kahn oder der italienische Schiedsrichter Pierluigi Collina seien eben solche „merk-würdigen“ Entscheidungsträger. „Hadert nicht bei Pech, hebt aber bei Glück nicht ab“, gab der Schweizer dem Publikum zum Ende seines Vortrags mit auf den Weg. „Genießt die kleinen Momente“, fügte er hinzu.

 Einer dieser Momente war für die vielen Zuhörer ganz sicher der Abend mit Urs Meier, der neben vielen Lachern auch interessante und motivierende Einblicke bereithielt. Sodass man den Schweizer am Ende mit Fug und Recht ebenfalls als „merk-würdig“ bezeichnen konnte.

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