Medlz begeistern im Kaisergarten

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Medlz - die A-capella-Gruppe begeistert

Neuenrade - „Der Mond ist aufgegangen“ sangen die Medlz,  legten ihre Mikros zur Seite und schritten von der Kaisergarten-Bühne herunter und gingen weiter singend durchs Publikum. Dies erhob sich – nicht zum ersten Mal -  es gab verdiente stehende Ovationen für die A-capella-Popgruppe Medlz.

 Gute drei Stunden zuvor hatte Josef Brockhagen die Dresdener Truppe angekündigt mit den Worten: „Sie sind lustig, sexy und begnadete Sängerinnen.“ Und in der Tat: Das Quartett kombinierte beim daraufhin folgenden Konzerterlebnis Charme, frechen Witz und musikalische Brillanz. Das Programm des Sanges-Ensembles trug den Namen „Bekannt aus Film und Fernsehen“.

Und so schilderte Sabine auch schon einmal Filmszenen, die zu den dargebotenen Liedern gehörten. So etwa diese von Til Schweiger, der betrunken aus einer Kneipe torkelt und dabei lallend sogar noch schlechter zu verstehen ist als nüchtern. Und dann bietet ihm die in einem Taxi sitzende Cosma Shiva Hagen an, mit zu fahren. Es folgte ein Song, in dem es um einen „Engel“ ging. Nur kaum jemand im Saal konnte sich auf Nachfrage der Medlz an den dazugehörigen Film erinnern. Das mochte vielleicht daran liegen, dass es in Neuenrade kein Kino mehr gibt. Möglicherweise, so gestand eine der Sängerinnen auf der Bühne, aber auch daran, dass es diesen Streifen nie gegeben hat.

Die A-capella-Gruppe hatte dem Publikum gerade ein eigenes Lied untergeschoben. Jens, am Anfang noch mürrisch mit verschränkten Armen im Publikum sitzend und so zur Zielscheibe der Band erkoren, musste an dieser Stelle auch herzlich lachen. Das schützte ihn nicht davor, dass sich Seitenhiebe auf ihn durch den Abend zogen. Das nahm er den Sängerinnen aber nicht übel, schließlich nahmen die sich auch selbst aufs Korn. So räumte Sabine ein, dass sie keine Musical-Darstellerin werden konnte: „Ich bin einfach zu fett.“ Das Programm war vielfältig wie kaum ein zweites: Da kam das selbst verfasste Gedicht „Die Straße“ mit lyrischer Melodie vertont daher. Da folgte die mit elektronischen Sprengseln aufgepeppte Version des Madonna-Hits „Die Another day“ aus dem gleichnamigen James-Bond-Film. Beinahe klassisches A-capella-Handwerk war hingegen „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ aus dem Dschungelbuch. All das kombinierte die Medlz-Inszenierung von „Das Boot“: Die begann Gänsehaut erzeugend in der Original-Version von Klaus Doldinger von 1981 und ging schleichend über in die U96-Techno-Version von 1992. Spätestens an dieser Stelle „tanzten“ etliche Zuschauer auf ihren Sitzen. Andere klatschten zumindest begeistert mit.

 „Nach der Pause sind unsere Röcke kürzer“, versprach Sabine dem Publikum dann. „Damit sinkt dann auch das Niveau“, stellte sie sogleich klar. Damit drohe dann sogar Helene Fischer, ergänzte sie noch. Doch es war weder nötig, jemanden zum Bleiben zu überreden, noch war es möglich, die Zuschauer abzuschrecken. Keiner im Saal wollte die zweite Hälfte verpassen. Die hielt dann unter anderem einen Block mit gesungenen Werbe-Jingles parat.

 Und auch ein Quiz mit vier Kandidatinnen auf der Bühne, bei dem es darum ging Erkennungsmelodien von TV-Serien zu erraten, lockerte das Programm auf. Ja, und Nelly sang dann sogar in schwedischer Sprache: „Gabriellas Song (Sa Som I Himmelen)“ gehörte zu den zahlreichen Höhepunkten dieses Konzertes. Bei den Zugaben wurden die Medlz dann doch kurz ernster: „Die Welt wird gerade leider nicht besser“, stellten sie fest. Und so sangen sie „Imagine“ von John Lennon. Die berühmte fallende Stecknadel hätte für kollektives Erschrecken gesorgt. Auch mehr als dreieinhalb Jahrzehnte nach seinem Tod ist der Text dieses Lennon-Klassikers immer noch hochaktuell.

Die Medlz kehren am 2. Dezember in die Region zurück: Dann singen sie ein Weihnachtskonzert in der Johanniskirche in Hagen.

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