„Wir müssen die lokalen Talente in Neuenrade halten“

Björn Wördenauer und Lina Humboldt sind zwei der aktuell zwölf Auszubildenen bei den Drahtwerken Elisental. Beide mögen ihren Job und wollen in der Industrie bleiben.- Foto: Finger

Neuenrade - „Neuenrade und Südwestfalen allgemein ist eine wirtschaftlich besondere Region. Dank des Mittelstandes, der dominiert, gibt es hier hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten“, sagte Bürgermeister Antonius Wiesemann am Mittwochmorgen.

Er besuchte im Rahmen der „Woche der Ausbildung“ – eine Aktion der Arbeitsagentur, im Zuge derer auch Sonja Gebauer von der Arbeitsagentur Lüdenscheid zu Gast war, die Firma Drahtwerk Elisental an der Werdohler Straße.

„Gerade in Zeiten, in denen der demographische Wandel immer mehr Einfluss auf Betriebspolitik hat, muss man umso mehr auf sich aufmerksam machen. Junge Talente aus der Region müssen die lokalen Firmen wahrnehmen. Das oberste Ziel muss sein, dass wir die lokalen Talente in Neuenrade halten können“, sagt Theo Wingen, Geschäftsführer der Drahtwerke Elisental.

Beim Neuenrader Unternehmen waren der Bürgermeister Antonius Wiesemann sowie Sonja Gebauer, zuständig bei der Arbeitsagentur für den Arbeitgeberservice, zu Gast, um sich über die aktuelle Arbeitsmarkt-Lage zu informieren. Nachdem im vergangenen Jahr die angebotenen Ausbildungsstellen von der Zahl der Bewerbungen überboten wurden, hatte die Arbeitsagentur den ehemaligen „Tag der Ausbildung“ zur „Woche der Ausbildung erweitert, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Gebauer lobte die Zusammenarbeit der Neuenrader Betriebe mit der Arbeitsagentur, sagte jedoch, „dass auch ruhig kleinere Betriebe sich verstärkt mit ihrem Ausbildungsangeboten bei der Agentur melden sollten.“ Allgemein herrsche ein Fachkräfte-Mangel, besonders in den Industriebetrieben. Geschäftsführer Theo Wingen konnte dies bestätigen. Er fügte jedoch hinzu, dass die Firmen hierbei nur zwei Alternativen hätten: „Entweder kauft man die Fachkräfte teuer ein oder man holt sich frisches Blut in den Betrieb und bildet den Nachwuchs selbst aus“, so Wingen. In dem Neuenrader Industriebetrieb habe man sich bewusst für die zweite Variante entschieden und stehe mit einer hervorragenden Auszubildenen-Quote dar. „Bei insgesamt mehr als 130 Mitarbeitern bilden wir zwölf Azubis aus, die in sieben verschiedenen Berufen bei uns lernen. Mit fast zehn Prozent Anteil an der Belegschaft sind das hervorragende Nachwuchs-Zahlen“, sagte Sohn Daniel Wingen. Zu den Azubis gehören unter anderem der 21-jährige Björn Wördenauer. Der Küntroper ist im zweiten Ausbildungsjahr bei der Neuenrader Firma und legt in zwei Monaten seine Abschlussprüfung zum ausgelernten Drahtzieher ab. Ihm gefällt der Job, der jedoch körperliche Fitness voraussetzt: „Das ist schon Arbeit mit kräftigem An- und Zupacken. Aber es gefällt mir richtig gut und ich hoffe, dass ich hier noch sehr lange arbeiten kann“, ist das Zwischenresümee von Björn Wördenauer.

Ähnlich sieht das auch die 18-jährige Lina Humboldt. Sie wird im Betrieb zur Werkstoffprüferin ausgebildet. Auf den Job sei die junge Werdohlerin über Freunde ihrer Eltern aufmerksam geworden, die ihr eine Ausbildung im Industriebereich empfohlen hatten. „Die Neuenrader Firma ist über die Stadtgrenze für die guten Ausbildungsverhältnisse bekannt, so dass ich auch gesagt habe: Ja, dort möchte ich mich bewerben“, so Lina Humboldt. Sie war kürzlich erst sechs Monate in einer externen Ausbildungsstätte. Dies sei im Betrieb der Regelfall, um zu garantieren, dass die Jugendlichen eine qualitativ gute Ausbildung bekommen würden. Die Mechatroniker und Elektriker müssen sogar ein ganzes, externes Jahr – außerhalb des Neuenrader Betriebes - absolvieren. Realistisch gesehen, sei ein Job in der Industrie für viele Jugendliche „alles andere als ein Traumjob“, jedoch seien gerade die Handwerksberufe für Jugendliche heute zukunftsweisend.

Eine Übernahme der ausgebildeten Fachkräfte sei auch der Regelfall. „Außer es gibt massive Probleme, sei es arbeitstechnisch oder im charakterlichen Bereich. Grundsätzlich versuchen wir immer zuerst, den jeweiligen Personen in einem anderen Bereich eine zweite Chance zu geben, bevor wir sie aus dem Betrieb nehmen“, so Geschäftsführer Theo Wingen. Der mittelständische Betrieb, der unter anderem Marktführer im Bereich Material für Teebeutel-Klammern ist, will auch zukünftig den Nachwuchs gezielt fördern.

Von Benny Finger

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare