"Das ist ein Kunstwerk"-Stadtmuseum Neuenrade stellt neue Exponate vor

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Die Karte von 1771 zeigt die älteste Ansicht Neuenrades.

Neuenrade - Die älteste Darstellung der Stadt Neuenrade hat es in die Stadt an der Hönne geschafft. Eine handkolorierte Karte aus dem Jahr 1771 zeigt Neuenrade und hängt nun im Stadtmuseum an der Wand.

Gemeinsam mit einem fast 100 Jahre alten Gewehr aus Neuenrader Produktion wurde sie gestern feierlich vorgestellt. „Das ist ein Kunstwerk“, stellte Altbürgermeister Klaus Peter Sasse fest. Die Karte zeigt neben Neuenrade auch die die Stadt umgebenden Flurstücke, deren Namen heute noch zu großen Teilen so lauten wie 1771. „Da fragt man sich, ob diese Namen mündlich weiter gegeben wurden, denn sie sind ja tief im Neuenrader Gedächtnis verankert“, mutmaßt Stadtarchivar und Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins Dr. Rolf Dieter Kohl.

Die Karte wird auf den 1. Oktober 1771 datiert und wird als „Karte der Neuenrader Zehntländer“ bezeichnet. In Auftrag gegeben wurde sie in Altena, um eventuell „verdunkelte“ (vom Landsherrn vergessene oder übersehene verpachtete Ländereien) Flurstücke ausfindig zu machen und so die Pacht wieder eintreiben zu können. Zu diesem Zeitpunkt hatte der siebenjährige Krieg viel Verwüstung hinterlassen. Um den Wiederaufbau finanzieren zu können, versuchte man, die verdunkelten Ländereien wieder dem Fiskus zuzuführen.

Gestaltet wurde die Karte von dem Kartograf Johann Heinrich Maurer. „Über seine Herkunft wissen wir nichts. Er wird vermutlich aus Brandenburg und Umgebung stammen“, bedauert Kohl. „Möglicherweise war diese Karte sein Meisterwerk“, vermutet Heinz-Werner Turk. Die Karte an die Wand zu hängen war ein schwierigeres Unterfangen als zuerst gedacht. „Zunächst gab es Vorschriften bezüglich der Luftfeuchtigkeit und der Aufhängung“, berichtet Sasse.

Jedoch war die Karte samt Rahmen so schwer, dass Sasse und Ulrich Tillmann die Hilfe zweier Mitarbeiter vom Bauhof benötigten. Zu viert konnte die Karte an der Wand befestigt werden. „Ich bin aber eineinhalb tage später nochmal hin, um zu sehen, ob sie noch hängt“, sagt Tillmann. „Das ist ein sehr wertvolles Stück. Wir werden es hüten und auch noch beleuchten“, zeigte sich Sasse über den Zuwachs erfreut.

Neben der Karte ergänzt nun auch ein knapp 100 Jahre altes Gewehr, produziert von der Neuenrader Waffenfabrik Wilhelm Müchler und Söhne, die Artefakte im Stadtmuseum. Als Dauerleihgabe von Dr. Jürgen Etzler gestiftet, ist es in einem neu angefertigten Schrank mit Sicherheitsglas zu bestaunen. Da dieser Schrank 1 000 Euro kosten sollte und der Geschichts- und Heimatverein über derartige Summen nicht verfügt, spendete die Vereinigte Sparkasse 660 Euro, also zwei Drittel der veranschlagte Kosten. Das andere Drittel übernahm Uwe Drangmeister, der Ur-Urenkel des Firmengünders Wilhelm Müchler. Das Jagdgewehr, für das keine Munition mehr vorhanden ist, ist unbeschädigt .

Das Stadtmuseum ist an jedem dritten Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. So können die neuen Exponate auch morgen schon besichtigt werden.

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