Kirche unter Gas gesetzt

Das Ende des Schwarzen Nagekäfers

+
Im gesamten Kircheninnenraum haben die Schädlingsbekämpfer zehn Dosen mit Cyanwasserstoff aufgestellt. Die werden aufgedrückt und ausgekippt. Sobald dieser mit Sauerstoff in Verbindung kommt, wird es zu Gas.

Küntrop - Seit Jahren frisst sich der Gemeine Holzwurm, oder auch Schwarzer Nagekäfer, durch die Küntroper Kirche St. Georg. Er hat nicht nur das Holz der Bänke angeknabbert, sondern auch Teile der Orgel durchlöchert. Jetzt macht eine Firma aus Bremen den Tieren den Garaus – mit Gas.

Das rot-weiße Absperrband flattert im Wind. Es wickelt sich um Sträucher und Bäume. Einmal ringsherum um die Kirche. Daniel Lücke stapft mit seiner Leiter über der Schulter von seinem Auto einmal um die Kirche. Er stellt die Leiter an die Wand, klettert Sprosse für Sprosse nach oben, holt weißes Tape hervor und klebt das offene Rohr ab.

Die Küntroper Kirche muss komplett abgedichtet sein, ehe das Gas eintreten darf. Ein Holzwurm hat die Kirchenbänke und die Orgel befallen. Daniel Lücke und sein Vater Karl Heinz von der Firma Jamirotec aus Bremen bekämpfen den Schädling mit Cyanwasserstoff. Seit Mittwoch sind sie in Neuenrade. Seitdem wirkt auch das Gas ein. Die Kirche ist verriegelt. Niemand darf hinein.

Auch durch die Orgel haben sich die Tiere gefressen. In die Löcher haben sie ihre Eier gelegt.

„Zwei Atemzüge und man ist tot“, sagt Karl Heinz Lücke. Das Gas ist gefährlich, tötet aber auch den Gemeinen Holzwurm. Der hat sich bereits durch sämtliches Holz gefressen. Karl Heinz Lücke hebt eine Bank an. Überall liegt Sägemehl. Auch die Löcher, in denen die Würmer ihre Eier abgelegt haben, sind zu erkennen.

Würmer und Larven mit Blausäure töten

Sobald das Gas freigesetzt wird, sterben die Tiere – bleiben aber im Holz. Um sicherzustellen, dass sie auch wirklich tot sind, haben Daniel und Karl Heinz Lücke eine Probe aus einem Labor mitgebracht. Den Holzklotz, in dem lebende Käfer eingeschlossen sind, legt Karl Heinz Lücke auf einen Schrank. Am Sonntag, wenn die Kirche wieder freigegeben wird, schickt er die Probe ans Labor. Wenn alle Würmer tot sind, sind es auch die in der Kirche.

Der gesamte Bereich rund um die Küntroper Kirche ist noch bis Sonntag abgesperrt.

Karl Heinz Lücke ist draußen. Udo Wenzel von der Bezirksregierung Arnsberg steht neben ihm. Er zeigt zur Wohnstraße oberhalb der Kirche. Der Weg führt von dort aus direkt runter zur Kirche. Dort ist keine Absperrung – zu gefährlich? Ja. Denn auch Anwohner dürfen sich dem Gebäude nicht nähern. Sie müssen über die Wiese gehen. Daniel Lücke sperrt den Durchgang doch noch mit rot-weißem Band ab. Zusätzliche Schilder sind nicht nötig. Die großen Totenköpfe an den Eingangstüren der Kirche reichen als Warnhinweise.

Der flüssige Cyanwasserstoff ist in zehn 1,5 Kilogramm schweren Dosen. Die müssen Karl Heinz und Daniel Lücke aufdrücken. Sobald die Säure mit Sauerstoff in Verbindung kommt, wird es zu Gas. Daniel und Karl Heinz verteilen die Dosen in der Kirche. Sie stellen sie auf eine spezielle Folie, auf die sie das Gas ausschütten.

Gas freisetzen in knapp vier Minuten

Daniel und Karl Heinz setzen ihre Atemschutzmasken auf. Den Gurt noch einmal festziehen – sitzt. Nur sie beide dürfen jetzt noch in die Kirche. Es dauert nur knapp vier Minuten, da sind sie auch schon wieder draußen. Das Gas ist freigesetzt. Rund 2000 ppm (parts per million) beträgt jetzt die Gaskonzentration. 72 Stunden lang muss die Blausäure einwirken. Am Samstag geht Karl Heinz Lücke wieder in die Kirche – natürlich nur mit Atemschutzmaske. Dann misst er erneut. Um die Kirche wieder freizugeben, muss die Gaskonzentration unter 2 ppm liegen.

Mit Atemschutzmasken haben Karl Heinz und Daniel Lücke das Gas freigesetzt. Danach dichten sie den Türrahmen mit speziellem Tape ab, durch das kein Gas nach draußen gelangen kann.

Der Prozess läuft auch in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Arnsberg. Udo Wenzel vom Bereich Arbeitsschutz ist der einzige, der sich um Begasung und Schädlingsbekämpfungen kümmert. Er will seiner Aufgabe gerecht werden und sich die Zeit nehmen, das Projekt auch am Wochenende bis zur Freigabe der Kirche betreuen. Er ist zuversichtlich, dass das Gas erfolgreich alle Schädlinge abtöten wird. Wenn alles gut geht, ist die Kirche ab Montag wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare