Kohlberg archäologisch ergiebig

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Auf jeden Fall Geschichtsträchtig. Blick vom Kohlberg.

Neuenrade -Die Laserscan-Aufnahme ist ergiebig: Sie offenbart, dass der Kohlberg einst ein intensiv industriell genutztes Gebiet gewesen sein muss. Spuren von Bergbau, Hohlwege und Podien sind demnach auszumachen. Bekräftigt wird das durch zahlreiche Lesefunde verschiedenster Epochen.

  Die Funde deuten auch darauf hin, dass es dort wohl Siedlungen und Bestattungsplätze gegeben hat, schreiben die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe. Und dass nach Eisen hier geschürft wurde – ob in Tage- oder Bergbau – ist kein Geheimnis. Ausgewertet wurde die Laserscan-Aufnahme im Zuge der behördlichen Stellungnahmen zur Ausweisung einer Konzentrationsfläche für Windenergieanlagen (WEA) auf dem Kohlberg. Und dieser ist ein archäologisch interessantes Gebiet.

Die Experten aus Olpe vermuten dort noch zahlreiche Bodendenkmäler. Deshalb fordern sie in ihrer Stellungnahme zu den Plänen der Stadt auch, dass in den Bereichen der Konzentrationsfläche, wo Bodeneingriffe stattfinden (konkrete Bauplätze der Windkraftanlagen, neue Zuwegungen, Zuleitungen, Baustraßen) zuvor Geländebegehungen stattfinden müssen, um gegebenenfalls Bodenfunde zu sichern.

 Dass die Archäologen etwaige Bauvorhaben auf dem Kohlberg stoppen könnten, glaubt indes Dr. Eva Zichy, wissenschaftliche Referentin beim LWL Olpe, nicht. Man geht wohl nicht davon aus, dass dort der Schatz der Nibelungen oder Skelette mit Bronzeschwertern in der Hand gefunden werden. Dr. Zichy jedenfalls hat noch nicht erlebt, dass archäologischen Funde Bauvorhaben gänzlich gestoppt hätten. In der Regel stehe bei den Bauarbeiten ein Experte – beauftragt würden Grabungsfirmen – dabei, welcher die Angelegenheit im Auge behalte. Würden Funde gemacht, dokumentierten die Spezialisten dann Fund und Fundumstände, danach würde das Objekt gegebenenfalls geborgen.  In der Regel dauere das auch nicht lange. Und danach schließlich könnten die Bauarbeiten fortgesetzt werden. Diese Ausgleichsmaßnahme müsste dann wohl der Windradbauer tragen.

 Mit der Laserscanmethode wurde unlängst wohl NRW flächendeckend gescannt. Dabei wird mit Hilfe eines an einem Flugzeug angebrachten Laser die Bodenoberfläche abgetastet. Dabei kommen dann auch versteckte Strukturen zum Vorschein. Und mit Hilfe bestimmter Algorithmen könnten zum Beispiel Wälder „weggerechnet werden“ und entsprechende, durch menschliche Tätigkeiten hervorgerufen Bodenveränderungen, würden sichtbar.

Dieses Kartenmaterial aus NRW sei den Archäologen zur Verfügung gestellt worden und stelle eine wichtige Hilfe-Quelle für die archäologische Erforschung dar, erläuterte Dr. Zichy. Die Stadt wird die Wünsche der Archäologen im nächsten behördlichen Verfahrensschritt, wenn die exakten Standorte der Windenergieanlagen feststehen, natürlich berücksichtigen. -Von Peter von der Beck

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