Familienvater sammelt und verbreitet Kinderpornographie

Neuenrade - Wer kinderpornographische Bilder aus dem Internet herunterlädt und auf dem eigenen Computer sammelt, riskiert empfindliche Strafen.

Dies wurde am Dienstag im Amtsgericht Altena deutlich, wo das Schöffengericht einen 35-jährigen Familienvater aus Neuenrade zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilte. Weil der Mann zuvor noch nie mit vergleichbaren Taten aufgefallen war, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Als Auflage muss der Angeklagte jedoch eine Geldbuße von 2000 Euro bezahlen und eine Sexualtherapie beenden, in der er bereits vor Beginn des Strafverfahrens an seinen pädophilen Neigungen gearbeitet hatte. Der Einziehung zweier Computer durch die Staatsanwaltschaft stimmte der Angeklagte ebenfalls zu – er hätte ansonsten auch kaum Chancen gehabt, die eingezogenen Tatwerkzeuge wiederzubekommen.

Auf die Spur gekommen waren die Ermittler dem Angeklagten offenbar durch die Weitergabe eines Videos, das den schweren sexuellen Missbrauch eines etwa zehnjährigen Kindes zeigte.

Staatsanwältin Claudia Kersebaum erläuterte die „Spiel“-Regeln bei der Weitergabe und Verbreitung solcher Dateien: Wer in einer Tauschbörse selber kinderpornographisches Datenmaterial herunterlade, müsse gleichzeitig seine Festplatte für Kopiervorgänge anderer Benutzer freigeben. Bei einer Hausdurchsuchung am 22. September 2015 wurden bei dem Angeklagten fünf Festplatten mit kinderpornographischen Bildern und Videodateien sichergestellt.

 „Ekelhaft“ nannte Richter Dirk Reckschmidt das Material. „Es gibt so Dinge – da ist man fassungslos“, bemerkte er und benannte „das Schlimme an der Geschichte“: „Ohne Konsum gibt es keine Produktion“. Die Bilder entsprangen offenbar ziemlich widerwärtigen Sexualstraftaten. Sie zeigten „schwersten Missbrauch von Kindern unter 14 Jahren – teilweise in extremer Form“, erklärte die Staatsanwältin.

 „Das stimmt“, legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab und berichtete von seinen Therapie-Bemühungen. „Ich setze mich natürlich mit dem Problem auseinander.“ Rechtsanwalt Thomas Wolfinger-von Häfen erklärte, dass sein Mandant das Material als „große ZIP-Datei“ heruntergeladen habe.

Das erspart dem modernen Nutzer offenbar das mühsame Sammeln. Die große Anzahl der Bilder verdeutlicht, in welchen Dimensionen kinderpornographisches Material mittlerweile verbreitet wird. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, schämte sich der Angeklagte in seinem Letzten Wort.

Das Urteil akzeptierte er sofort nach der Verkündung. Weil auch die Staatsanwältin zustimmte, wurde es sofort rechtskräftig.

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