Katzen leben gefährlich

Der Jäger wird auch zum Gejagten – das Raubtier Katze lebt nicht ganz ungefährlich. - Foto: Archiv / von der Beck

Neuenrade -  Erst jüngst verschwand Molly und ward nicht mehr gesehen. Und auch nach Kater Krümel wurde lange gesucht und Fibs ist ebenfalls verschwunden: Suchmeldungen finden sich im Netz, kleben an Pinnwänden, Bäumen und Laternenmasten. Es verschwinden reichlich Katzen in Neuenrade – nicht nur dort. Und die Ursachen für das Verschwinden sind vielfältig. Jäger haben daran durchaus ihren Anteil aber auch Autofahrer.

Saskia Kaufmann, vom Tierschutzverein Werdohl-Neuenrade kann aus Erfahrungen nur bestätigen, dass etliche Stubentiger den Besitzern abhanden kommen. Zudem konstatiert auch sie, dass im Frühjahr und Herbst die Zahl der Fälle steigt. Katzen führen offenbar ein riskantes Leben, zumindest sind freilaufende Katzen im Rentenalter kaum dokumentiert. Was mit den Tieren geschieht, das bleibt zu einem guten Teil Spekulation. So kann auch Saskia Kaufmann, beim Tierschutzverein Werdohl-Neuenrade neben Marlies Ruth für die Rubrik gesucht/gefunden zuständig, über die Ursachen nur Vermutungen anstellen. Die reichen von jenen ominösen Lieferwagen, die mit dem plötzlichen Verschwinden vieler Katzen in Zusammenhang gebracht werden, über unkastrierte Katzen, die sich bei der Partnersuche verirrten bis hin zu Katzen, die als blinde Passagiere in Lastwagen und Autos mitfahren. Hinzu kommt ein klassischer Feind der Katze: Der Autoverkehr. So manches Tier werde überfahren, verende unbemerkt im Straßengraben. Etliche Katzen sterben zudem in abgeschlossenen Kellerräumen oder in Garagen, während die Garagenbesitzer 14 Tage im Urlaub weilen. Es gibt noch mehr Gefahrenquellen, da sind selbst die sprichwörtlichen sieben Leben der Samtpfoten knapp bemessen.

Indes: Wen Saskia Kaufmann offenbar nicht auf der Rechnung hat, das sind Jäger. Welche Tiere die Waidmänner erlegt haben, müssen sie an die Untere Jagdbehörde des Märkischen Kreises melden. Und darunter sind auch jede Menge Katzen. Kreismitarbeiter Manfred Seibel hat die Zahlen parat. Im Zeitraum vom 1. April 2012 bis 31. März 2013 wurden im gesamten Märkischen Kreis 53 „wildernde Katzen“ (und ein Hund) geschossen, sieben Katzen meldeten Jäger als überfahren. Zum Vergleich: Die Jäger schossen auch rund 160 Steinmarder und 2277 Füchse. Als wildernd, so erläuterte es Kreispressesprecher Hendrik Klein unlängst auf Anfrage, würden Katzen grundsätzlich gelten, wenn sie 200 Meter außerhalb der nächsten Siedlung angetroffen werden.

Im Hegering-Bezirk Werdohl/Neuenrade wurden so in jenem Zeitraum 14 Katzen geschossen und zwei Tiere als überfahren gemeldet. Ähnlich sind die Zahlen aus dem benachbarten Hegering Altena/Nachrodt. Dort seien zwölf Katzen geschossen worden, zwei Tiere wurden von den Jägern überfahren aufgefunden. Jäger machen bei der Jagd wohl keinen Unterschied zwischen Fuchs, Katze oder Marder. Manfred Seibel, Sachbearbeiter bei der Unteren Jagdbehörde betont: „Katzen sind Räuber“. Und nicht nur Mäuse würden den Tieren zum Opfer fallen sondern auch Vögel. Zudem würden Junghasen, welche das ganze Jahr über „gesetzt“ würden, von Katzen aufgespürt.

Verschwundene Katzen: Nur wenige werden wieder gefunden, ein Happy-End scheint selten. Gelegentlich finden sich entlaufene Stubentiger an einschlägigen Futterplätzen wieder, die von Katzenliebhabern (auch in Neuenrade und Werdohl) gepflegt würden oder eben im Tierheim. -

Von Peter von der Beck

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