Kabarettabend mit der Leipziger Funzel

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Auch Karl Lagerfeld bekam im Rahmen des Kabaretts sein Fett weg.

Neuenrade -  Die Politiker der Neuzeit geben vortreffliche Zielscheiben ab. Für Kabarettisten ein gefundenes Fressen. Ein Schlag Mensch, den auch das Kabarett-Ensemble Leipziger Funzel am Sonntagabend vor einem ausverkauften Saal aufs Korn nahm – unter anderem.

Die Gäste aus dem Osten des Landes, die nach 2012 zum zweiten Mal vor Neuenrader Publikum auftraten und ihre Sicht auf die Dinge zum Besten gaben, bildeten den Abschluss einer geschichtsträchtigen Kultursaison. 320 Abonnenten. Sechs Veranstaltungen – alle im Vorfeld ausverkauft. Josef Brockhagen vom Kulturausschuss der Stadt sagte den treuen Besuchern schon vor dem ersten Seitenhieb der Funzel Dankeschön.

Kaum hatte er die Bühne geräumt, blies das Leipziger Kabarett-Team zum Angriff, versprach eine Lachtherapie und Attacken auf das Zwerchfell der Selbsthilfegruppe der anonymen Zuschauer im Saal. Im Laufe des abwechslungsreichen Programms schlüpften die Künstler in die unterschiedlichsten Rollen, traten als Feuerwehrmann, als Domina oder als Karl Lagerfeld auf. Und Berührungsängste schienen die Kabarettisten aus dem Osten nicht zu kennen. Sie sprachen die Gäste gerne mal ganz persönlich an – inklusive eines Besuchs der Domina in der zweiten Reihe. Innenminister „die Misere“ bekam sein Fett im Laufe des Abends ebenso weg wie eine Reihe anderer Staatsdiener. Menschen mit reichlich Sitzfleisch aber ohne Rückgrat, wie sie die Leipziger gerne nennen.

Es waren aber keineswegs nur die Lenker des Landes, die die Funzel im Visier hatte. Wirtschaftsbosse mit einem Hang zur Gewinnmaximierung gepaart mit einer Intoleranz gegenüber untergebenen Angestellten passten ebenfalls in das Beuteschema der Künstler mit der spitzen Zunge. „D-anke“ – sagt nicht nur ein Politiker nach einer gewonnenen Wahl, „D-anke“ sagt auch der spracherkennende Computer der Arbeitsagentur. Ein netter Abstecher in die Welt der Hochtechnologie, die offenbar noch nicht so weit ist, tatsächlich mit Menschen kommunizieren zu können. Aber schön inszeniert und einen Lacher wert.

Dass Kleider Leute machen ist seit jeher bekannt. Karl Lagerfeld brachte es dann auf den Punkt, machte deutlich, dass Marken mehr denn je bedeuten und den Lauf der Dinge bestimmen. Anspruchsvolles Kabarett, das im zweiten Teil noch Überraschungen bot.

Die Leipziger animierten ihr Neuenrader Publikum sogar noch zum Mitmachen und Mitsingen – zum Abschluss einer denkwürdigen Kultursaison.

Von Markus Jentzsch

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