Wenn Krisen ein System haben

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Mehr als 300 Gäste wollten Markus Gürne hören.

Neuenrade -  Zentralbanken bewegen die Wirtschaft, und sorgen für das Auf und Ab an den Börsen. Wie Wirtschaft, Finanzen und Politik ineinander greifen, das stellte Markus Gürne, langjähriger Krisen- und Kriegsberichterstatter und jetzt Ressortleiter der ARD-Börsenredaktion, am Donnerstag im Kaisergarten vor.

Für sein Thema: „Krisen haben System – und Auswirkungen auf Wirtschaft und Finanzen“ in der 27. Ausgabe der Vortragsreihe der Volksbank im Märkischen Kreis brauchte er nur eine Weltkarte. Gürne verstand es, den 322 Zuhörern unterschiedliche Blickwinkel und viele Hintergrundinformationen zu Russland, den USA, Saudi-Arabien, dem Iran, China und Indien nahe zu bringen.

Dabei stellte der Journalist diese in den Zusammenhang mit Europa: „Wir leben in einer Zeit, in der Krisen Alltag sind.“ Neben der Griechenlandkrise, die er noch lange nicht bewältigt sieht, sah er den Nahen Osten, in dem staatliche Strukturen zerfallen würden, und Ukraine/ Russland als aktuelle Herausforderungen. Griechenland komme eine Schlüsselstellung zu, ist hier doch der erste Kontakt der Flüchtlinge mit Europa. Den USA bescheinigte er verstärkte, wirtschaftliche Interessen im pazifischen Raum. Die Wertegemeinschaft in Europa werde mit der Nato und TTIP noch auf Augenhöhe gehalten. „TTIP kommt“, ist sich Markus Gürne sicher.

 Europa brauche dieses System mit den USA, um seine Standards durchzusetzen. Die Alternative wäre, dass die USA mit den Asiaten ein ähnliches Abkommen durchsetzen werden, das Europa vorgelegt werde: „Und dann doch lieber US-typische Standards.“ In 75 Minuten nahm er das Publikum mit auf eine Weltreise, in der dem weltgrößten Wirtschaftsraum China ebenso Wachstum prophezeit wurde wie den USA an zweiter Stelle und danach Europa. Aber Markus Gürne geht davon aus, dass der europäische Raum sich auf etwa zehn Jahre ohne Zinsen einstellen müsse, den Weg habe die EZB vor Kurzem eingeleitet. Für Deutschland heißt das, neue Märkte zu erschließen, und dies mit seinen Qualitätsmerkmalen Forschung, Produktion und Bildung.

 Größtes globales Problem werde die Entwicklung im Nahen Osten sein: „Saudi-Arabien oder Iran, wer wird neue regionale Macht?“ Dass beide als Atommächte anzusehen sind, steht für Gürne außer Frage; dazu haben Saudi-Arabien und Iran inzwischen genügend Potenzial mit befreundeten Staaten gesammelt. Und die USA – deren Musik spielt inzwischen immer mehr in den Wachstumsländern China und Indien. „Indien wird in zweieinhalb Jahren das bevölkerungsreichste Land der Erde werden“, prognostizierte der Referent, der sicher ist, dass Indien einen festen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen anstrebe. In der anschließenden Diskussion war Grüne ebenso souverän wie während seines Vortrags.

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