Ein Jahr Stadtmuseum: Immer wieder etwas Neues

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Die Waage aus dem Jahr 1739 wurde bei der Entkernung eines Hauses entdeckt, das in Neuenrade auch als „Judenhaus“ bekannt gewesen sei. Ulrich Tillmann, Heinz-Werner Turk, Rolf Dieter Kohl und Klaus Peter Sasse (von links) freuen sich über den Zuwachs.

Neuenrade - „Es gab noch nie jemanden, der nach dem Besuch des Stadtmuseums nicht begeistert war“, weiß Klaus Peter Sasse vom Geschichts- und Heimatverein Neuenrade zu berichten. Am Montag, 3. Oktober, wird das Museum nun ein Jahr alt.

Eine Gitarre, vermutlich aus den dreißiger Jahren, der Führerschein des ersten Neuenrader Omnibusfahrers von 1925 oder eine große Karte Neuenrades aus dem Jahr 1771: In drei Bereichen, der Stadtgeschichte, Industriegeschichte und Verkehrsgeschichte, können sich Besucher an jedem dritten Sonntag im Monat zeitgeschichtliche Artefakte und Dokumente aus Neuenrades Historie ansehen. „Es gibt immer wieder etwas Neues“, sagt Sasse.

So hängt neuerdings eine Gitarre aus dem Hause Herfeld im Museum. Bis vor kurzem befand sie sich noch in Österreich, in Grünau im Almtal, im Besitz von Familie Köstler, die die Gitarre nach einigen Recherchen an ihren Ursprungsort zurückgeben wollte. „Sie war dort jahrelang im Gasthof Bauer Wirt und wurde wohl per Katalog bestellt. Der Onkel von Christiane Köstler spielte ursprünglich auf dieser Gitarre für die Gäste im Gasthof“, erzählt Sasse.

Nachdem der Onkel jedoch nicht aus dem Zweiten Weltkrieg zurück kam, wurde auch nie wieder auf der Gitarre gespielt. „Die Gitarre ist möglicherweise aus den dreißiger Jahren. Das ist nicht sonderlich alt, aber der Weg, den sie genommen hat, ist doch interessant“, sagt Sasse.

Immer wieder etwas Neues – das gilt auch für die Karte von 1771, die mittlerweile beleuchtet ist. „Das erzeugt eine angenehme Atmosphäre“, sagt Sasse und Stadtarchivar Dr. Rolf Dieter Kohl fügt hinzu: „Die Karte ist ein Original, deshalb muss man sich mit der Beleuchtung zurückhalten. Sie ist ein Highlight in unserem Museum, unsere Gäste drücken sich oft regelrecht die Nasen an der Glasscheibe platt.“

Wichtig sei allen Beteiligten, neben Sasse und Kohl auch Heinz-Werner Turk und Ulrich Tillmann, dass nur Exponate aus der Neuenrader Geschichte ausgestellt werden. „Das ist auch das, was das Museum für die Leute so interessant macht“, sagt Sasse. So sind zum Beispiel Ofenplatten der Firma Büsche ausgestellt, über denen ein altes Foto aus der Ofenplatten-Produktion hängt: „Dann sagen die Leute ‘Hömma, das ist doch der Onkel Franz, der hat doch bei Büsche gearbeitet!’“, erzählt Sasse.

 Bisher waren bereits über 700 Besucher im Museum. Eine stolze Zahl, wenn man bedenkt, dass es das Museum erst seit einem Jahr gibt und es nicht jeden Tag geöffnet hat. „Vor 32 Jahren wurde der Heimatverein gegründet, eigentlich mit dem Ziel, ein Museum zu eröffnen“, erinnert sich Turk. Auf der Feier zum 100-jährigen Bestehen der Hönnetalbahn im April 2012 wurde dann der Entschluss gefasst, das Projekt Museum endlich in Angriff zu nehmen. „Klaus Peter Sasse kam auf mich zu und fragte, ob ich die Verkehrsgeschichte übernehmen will“, blickt Turk zurück. Kohl übernahm die Stadtgeschichte und Sasse die Industriegeschichte. „Zu mir haben sie gesagt: ‘Machst du mit? Wir brauchen einen, der die Nägel in die Wände kloppt’“, erinnert sich Tillmann lachend. Bis zur Eröffnung des Museums am 3. Oktober 2015 dauerte es dann noch dreieinhalb Jahre. „Wir mussten uns um Räumlichkeiten kümmern – das Gebäude war zuvor eine Rechtsanwaltskanzlei – und dann hieß es: Exponate sammeln“, erzählt Turk.

Man sei froh, dass es viele Privatleute gäbe, die historische Neuenrader Artefakte aus ihrem Eigentum als Leihgabe für das Museum zur Verfügung stellen. Ein solches ist eine Waage aus dem Jahr 1739, die vor kurzem bei der Entkernung eines Hauses, in dem lange Zeit eine jüdische Familie lebte, zu Tage trat und von Rudi Lampe dem Museum überlassen wurde. Nun hängt sie an der Wand des Museums und kann von jedem bestaunt werden, der am dritten Sonntag eines jeden Monats zwischen 15 und 17 Uhr den Weg ins Museum an der Ersten Straße findet.

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