Historischer Eiskeller "äußerst selten"

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Stiftungsratsmitglied Klaus Peter Sasse (re.) mit Bauamtsleiter Marcus Henninger.

Neuenrade - Ein kalter Hauch strömt aus dem Stollen, eine Pumpe gurgelt und pumpt Wasser, die Metalltür ist herausgenommen und gibt den Blick auf den Schlund des Neuenrader Eiskellers frei.

Ein echter Eiskeller – da könne sich Neuenrade glücklich schätzen, sagt der Historiker und Heimatsvereinsvorsitzende, Dr. Rolf Rolf Dieter Kohl. Das sei „etwas außergewöhnlich Seltenes“. Die Datenlage zu dem Eiskeller, der wohl aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt, ist aber eher dürftig, Gleichwohl weiß Dr. Kohl, dass nur die Reichen von dem Eiskeller profitierten. Doch erste Informationen kommen gar beim Ortstermin bei Dr. Kohl an und als er den Namen „Crone“ als Besitzer hört, da ist er sich ziemlich sicher, dass der Eiskeller auch als Bierkeller genutzt wurde, denn „eine große Bierbrauerfamilie in Neuenrade hieß so“.

Wie der Keller in jüngerer Zeit genutzt wurde, kann eine Anwohnerin erzählen, die dem Besichtigungsspektakel beiwohnt. Als kleines Kind hatte Marlies Gatz drei Tage in dem Eiskeller mit Verwandtschaft zugebracht, weil bei den letzten Kämpfen des II. Weltkrieges in Neuenrade ein deutscher Munitionswagen in die Luft geflogen war. Die Explosion hatte das an den Keller angrenzende Haus wohl unbewohnbar gemacht. Zudem wusste sie zu erzählen, dass der Stollen von einer Gastwirtschaft als Lagerraum genutzt wurde, auch habe man sich aus dem Eiskeller mit Wasser versorgt.

Der Eiskeller selbst ist zumindest auf den ersten fünfzehn, zwanzig Metern mit Bruchsteinen gemauert, die Decke ist mit Ziegeln bogenförmig gebaut. Dann sind Wände und Decke nur noch roh behauen, Grauwacke kommt zum Vorschein. Der Gang („70 Meter lang“) macht einen leichten Bogen und nach rund fünfzig Metern mündet er in eine Kammer, die über einen Kamin verfügt, welcher etliche Meter nach oben reicht. Von oben habe man das Eis hinunter in den Keller geworfen mutmaßt Klaus Peter Sasse, der ebenfalls für die Bürgerstiftung den Keller besichtigt.

 Dass der Stollen als Eiskeller genutzt wurde, kann man sich gut vorstellen. Die niedrige Grundtemperatur, die spezielle Luftzirkulation durch den Kamin, da bleibt alles schön kühl. Sogar Strom muss dort unten mal gewesen sein. Alte Leitungen und Reste von Bakelit-Fassungen zeugen davon. Der Boden ist fest gestampft, zuweilen uneben, weil Erde von oben herab gebröselt ist. Etliche Spuren menschlicher Nutzung finden sich noch hier: ramponiertes Herren und Damenschuhwerk, Metallreste und weiterer Müll aus wohl nicht all zu ferner Zeit. Doch es scheint, als ob sich dieses Denkmal wieder für Besucher herrichten lässt, Das Feuchtigkeitsproblem scheint lösbar, auch der Boden ist sicher ordentlich herzurichten. Sicher wäre es möglich aus einer Besichtigung ein kleines Ereignis zu machen. So werden beim Besichtigungstermin am Montag schon erste Ideen geäußert. Das gilt es wohl den Eigentümer des Eiskellers zu fragen. Stadtarchivar, Heimatvereinsvorsitzender und Chef der Bürgerstiftung, Dr. Rolf Dieter Kohl wird die Angelegenheit in die Hand nehmen. Auch Alt-Bürgermeister Klaus Peter Sasse, im Stiftungsrat der Bürgerstiftung, ist mit im Boot – ein bewährtes Duo also.

Bei der Bürgerstiftung („Mitverantwortung für die Gestaltung/Förderung des Gemeinswesens im Bereich der Brauchtums- und Heimatpflege und des Erhalts von Kulturwerten“) gibt es noch weitere Projekte: Die Sanierung des Ehrenmals im Stadtgarten oder auch die nächtliche Beleuchtung der Motte in Küntrop.

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