Handy und Kopfhörer gestohlen

Diebe akzeptieren Geldstrafe

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Neuenrade - Tief zerknirscht präsentierte sich ein diebisches Paar aus Neuenrade im Amtsgericht Altena. „Es tut uns wirklich leid!“, beteuerte der 38-jährige Angeklagte und murmelte auf der Zielgeraden des Strafverfahrens etwas von „zehn Jahren Gefängnis“.

Da der liberale Rechtsstaat noch lange nicht am Ende ist, verurteilte Richter Dirk Reckschmidt beide Angeklagten zu Geldstrafen, die diese sofort akzeptierten, obwohl sie sich solche Geldabflüsse überhaupt nicht leisten könnten: Drei Kinder, eine schwierige Suche nach Arbeit – da empfahl sich das Zuhören bei dem Hinweis, dass Geldstrafen auch abgearbeitet werden können.

Nur halbherzig hatten die Angeklagten zuvor ins Spiel gebracht, dass alles auch nur ein Missverständnis gewesen sein könnte: „Ich wollte das Handy am nächsten Tag zurückbringen“, sagte der Angeklagte ohne große Überzeugungskraft. Immerhin 119 Euro sollte das Gerät aus einem Elektrofachhandelsgeschäft in Neuenrade kosten, das er ohne zu bezahlen am 14. Dezember eingesteckt hatte.

Elektrozubehör hatte das Paar auch im Auge, als es wenige Tage zuvor im Lidl in Werdohl drei Kopfhörer im Gesamtwert von rund 65 Euro ohne zu bezahlen mitzunehmen versuchte. „Ich wollte die versteckt vor meinem Mann kaufen“, behauptete die Angeklagte (34), die die Kopfhörer in ihre Handtasche gesteckt hatte. „Ich hatte das Geld in der Hand.“ Doch schon mit dem nächsten Satz widerrief sie ihre Darstellung: „Ich schäme mich. Ich mache so etwas eigentlich nicht.“ Die Kopfhörer seien für ihre Kinder bestimmt gewesen – für solche Zwecke lege sie immer heimlich ein bisschen Geld zurück. In diesem Fall hatte sie sich aber offenbar eine andere Form des „Erwerbs“ entschieden.

„Mit drei Kindern sollte man so etwas nicht machen. Ein gutes Vorbild ist das nicht!“, mahnte Richter Dirk Reckschmidt und verhängte Geldstrafen: 30 Tagessätze zu je 15 Euro für ihren Kopfhörerdiebstahl, 65 Tagessätze für seine Beteiligung an diesem Diebstahl und den Handy-Klau in Neuenrade. Insgesamt 1425 Euro, die der Familie richtig wehtun dürften.

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