Großes Interesse an Info-Veranstaltung zu Flüchtlingen

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Ortsvorsteher Ludger Stracke (stehend) begrüßte die Küntroper. Rund 100 waren gekommen.

Küntrop - „Wir machen das, weil wir es können“, sagte Investor Jürgen Echterhage, der jetzt gemeinsam mit Axel Vedder den Gasthof Schweitzer für eine Firma der Echterhage-Gruppe erworben hatte, um ihn für Flüchtlinge umbauen zu lassen. Weiter erklärte er: „Es gibt immer Hassprediger, die jetzt unken, dass wir dadurch steinreich werden. Aber das waren wir schon vorher.“

Mehr als 100 Interessierte – darunter auch die städtischen Integrationslotsen – kamen am Donnerstagabend zur eineinhalbstündigen Informationsveranstaltung der Neuenrader Flüchtlingshilfe in der Sebastiansklause der Küntroper Schützenhalle. Sie informierten sich dort über die derzeitige Lage. Außerdem trugen sie sich in Listen ein, um sich als Freiwillige zu melden, die den Flüchtlingen ehrenamtlich helfen.

Nach der Begrüßung durch Ortsvorsteher Ludger Stracke, teilte Bürgermeister Antonius Wiesemann mit, dass sich derzeit in Neuenrade 213 Flüchtlinge befänden – „mal kommt eine ganze Familie, mal einzelne junge Menschen, mal ein Geschwisterpaar“. Es sei die Strategie der Stadt, diese dezentral unterzubringen, um eine Ghettobildung zu vermeiden. Der Erste Bürger der Stadt hoffe auf ein „Mitgenommen-Werden von den Nachbarn“. Wiesemann ist stolz auf die Bürger Neuenrades, die „viel und an allen Ecken“ helfen würden.

Und auch „die Mannschaft im Rathaus leistet Erstaunliches – und wir hatten vorher ja auch keine Langeweile“, stellte der Bürgermeister klar. Auf seinen Aufruf nach Wohnraum habe er nun 20 Angebote erhalten. Die seien teils zwar „preislich überzogen“ gewesen und es werde auch weiterhin Wohnraum gebraucht, um nicht auf Schulen, Sporthallen und Vereinsheime zurückgreifen zu müssen, aber die Resonanz habe ihn gefreut. „Wir nehmen zur Zeit jeden Strohhalm“, betonte Wiesemann. „Wir wissen nicht, wo wir die Leute unterbringen sollen.“ Der Gasthof Schweitzer sei nun in einem baulich sehr schlechten Zustand: „Es tropft aus allen Ecken und Ritzen“, habe das Stadtoberhaupt bei einer Ortsbegehung festgestellt.

Stracke ging auch auf das Gebäude ein, welches „sechs, sieben Jahre leergestanden“ habe: „Von außen sieht es aber noch einigermaßen manierlich aus“, befand der Ortsvorsteher. Jürgen Echterhage wusste noch mehr zu berichten: „Seit drei Jahren wurde das Gebäude auch nicht mehr geheizt“, erläuterte er. In der Küche sei „noch das Frittenfett von vor sieben Jahren“ auf dem Herd gewesen. Sämtliche Heizkörper müssten jetzt ausgetauscht werden. Das Dach müsse renoviert werden. Außenfassade, Küche, Wasserleitungen, die Toiletten und die Elektrik müssten saniert werden. Teppiche und Möbel müssten gereinigt werden. Die neue Heizungsanlage sei Ende dieser Woche fertig, Mitte kommender Woche die Wasserleitungen.

Etwa in zwei Wochen könnten erste Flüchtlinge dort einziehen. Am Ende verfüge das Gebäude über Gemeinschaftsräume, mehrere Küchen und elf Hotelzimmer – neun mit eigenem Bad, zwei mit einem Gemeinschaftsbad. Es sei möglich, dort 30 bis 35 Personen unterzubringen. Echterhage stellte klar: „Wir werden die Leute da nicht allein wurschteln lassen. Es wird eine Betreuung geben.“ Diese – so erklärte Bürgermeister Wiesemann auf Nachfrage aus dem Publikum – gebe es für alle Flüchtlinge, und zwar durch Zelius und Sandra Horny. Zur Betreuung gehöre übrigens auch, dass die Neuankömmlinge als Ein-Euro-Kräfte beschäftigt würden. Horny weiß: „Die wollen alle helfen. Die Flüchtlinge wollen gar nichts vorgesetzt bekommen.“ Dann stellte die Zelius-Leiterin vor, welche Art von Hilfe in Küntrop benötigt werde: „Die Menschen wollen zwar alle arbeiten, dürfen aber nicht sofort. Also brauchen sie Beschäftigung.“ Wichtig seien also die Einrichtung eines Begegnungscafé, der Aufbau von Deutsch-Kursen sowie Freizeitangebote unterschiedlicher Art, angefangen bei Stricken bis hin zu Sport. Die Arbeit mit den Flüchtlingen bereichere auch die Ehrenamtler.

Horny berichtete: „Heute haben wir mit ganz vielen Flüchtlingskindern den Weihnachtsbaum in der Stadtbücherei geschmückt.“ Das seien Augenblicke voller Freude gewesen. Die Zelius-Leiterin reagierte auf einen Einwurf aus dem Publikum, ob denn unbegleitete Kinder dort seien: „Zum Glück gibt es noch keine Kinder ohne Eltern in Neuenrade.“ Konkrete Sachhilfe sei aber auch willkommen, betonte Horny. In der Bücherei hänge eine Tauschbörse an einer Pinnwand mit Gesuchen und Angeboten. „Die Menschen wünschen sich aber alle zuerst ein Fahrrad“, weiß Horny. „Das Busfahren ist für sie einfach zu teuer.“ Stadtkämmerer Gerhard Schumacher beantwortete schließlich eine Frage aus dem Publikum mit den Worten: „Der Bund unterstützt die Kommunen finanziell, doch es gibt zu viele Unwägbarkeiten, um die Belastung des Neuenrader Haushalts konkret abzuschätzen.“

Wer die Aktion „Küntrop hilft Flüchtlingen“ unterstützen möchte, schreibt eine E-Mail an khf-2015@web.de.

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