Ein großer Neuenrader

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Diese Uhr stammt aus dem Besitz des einstigen Neuenrader Bürgermeister und ist nun im Stadtmuseum zu bewundern.

Neuenrade -Es gibt Neuenrader Namen, deren Träger zwar bedeutend für die Entwicklung der Stadt an der Hönne waren, die jedoch aus dem kollektiven Neuenrader Gedächtnis mehr oder weniger verschwunden sind.

Ein solcher Name ist Johann Gerhard Diepmann, Bürgermeister der Stadt Neuenrade zwischen 1812 und 1833 und Bauherr des Gebäudes, das heute an der Ersten Straße das Stadtmuseum beheimatet. Diepmann, Sohn des Kaufmanns Theodor Diepmann, entstammte aufgrund des Gewerbes seines Vaters, Fernhandel mit Textilien, aus einer der wohlhabendsten Familien Neuenrades zu dieser Zeit.

„Die Familie besaß 50 000 Reichstaler, das entspricht heute ungefähr 500 000 Euro“, sagt Dr. Rolf Dieter Kohl, Stadtarchivar und Vorsitzender des Heimatvereins. Da die Familie Absatzorte in der Oberpfalz, der Schweiz oder auch dem Elsass hatte sowie regelmäßig die Frankfurter Messe besuchte, musste ein Wohnhaus her, das die gehobene wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung repräsentierte. Bis dahin, nimmt Kohl an, stand an der Stelle des heutigen Stadtmuseums ein für das damalige Neuenrade typisches giebelständiges Satteldachhaus mit großem Deelentor, das aber wohl dem Repräsentationsbedürfnis der Familie Diepmann nicht gerecht wurde.

Um 1790/1800 herum wurde das klassizistische Gebäude mit Bruchsteinfassade an der Ersten Straße 19 errichtet. So hinterließ Johann Gerhard Diepmann zunächst optisch unübersehbare Spuren in Neuenrade. Doch auch als Bürgermeister machte er sich verdient: Kurze Zeit, nachdem er 1812 sein Amt als Neuenrades Erster Bürger antrat, setzte er sich für eine Sonntagsschule ein, um den Jugendlichen, die die normale Schule nicht besuchen konnten, eine Alternative bieten zu können. Ebenso befürwortete er den Antrag eines Lehrers auf Schaffung eines schulischen Bücheretats von 36 Francs pro Jahr.

Bevor sich Diepmann 1832 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand verabschiedete, veranlasste er 1830 den Bau eines eigenen Schulgebäudes, da zu diesem Zeitpunkt die Unterbringung der mittlerweile auf 200 angewachsenen Schulkinder unzureichend war. Am 6. November 1933 verstarb er kinderlos im Alter von 57 Jahren. Bilder sind von Diepmann keine mehr vorhanden. „Das ist schade“, findet Rolf Dieter Kohl.

Jedoch ziert ehemaliges Eigentum von Diepmann eine Wand im Stadtmuseum – und seinem ehemaligen Wohnhaus. Über Umwege hat es den Weg zurück „nach Hause“ gefunden: „Eine Rahmenuhr, vermutlich aus dem Jahr 1820, das Diepmann als Souvenir von einer Handelsreise nach Süddeutschland mitgebracht hat“, beschreibt Kohl das historische Zeitmessgerät, das so aufgehängt wurde, dass es jedem Besucher des Museums beim Eintreten sofort ins Auge fällt. Die Spät-Biedermeier Uhr, ein schlichtes emailliertes Ziffernblatt, das von einem vergoldeten Messingrelief umgeben ist, zeigt möglicherweise zwei Erzengel und wurde in dieser Form unter anderem im Schwarzwald gefertigt.

„Bürgermeister Diepmann hat diese Uhr mitgebracht und irgendwie ist sie viele Jahre später in die Hände von Ludwig Kappe, dem ehemaligen Ortsheimatpfleger, gefallen“, erinnert sich Kohl. Kappe vertraute Kohl die Uhr „zu treuen Händen“ an, damit sie irgendwann einmal einen Platz in einem Neuenrader Museum finden könnte – was zu dieser Zeit noch völlig utopisch war. Seit dem 3. Oktober 2015 gibt es in Neuenrade nun ein Museum – und Rolf Dieter Kohl ist froh, das Versprechen an Ludwig Kappe eingelöst zu haben. „Das ist schon ein bisschen rührend. Genauso wie die Tatsache, dass die Uhr wieder in dem Haus hängt, in das sie gehört.“

Eine Idee, um den Namen Diepmanns nicht in der Versenkung verschwinden zu lassen, hat Rolf Dieter Kohl auch schon: „Man könnte ja, sobald wieder Bedarf ist, eine Straße nach ihm benennen.“

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