Große Resonanz auf Begegnungscafé für Flüchtlinge

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Gut besucht war das erste Begegnungscafé.

Neuenrade  - Gut drei Dutzend Erwachsene, Kleinkinder, Jugendliche und junge Männer aus aller Herren Länder tummelten sich am Dienstagnachmittag in der Stadtbücherei: Es war das Erste Begegnungscafé im Rahmen des Flüchtlingsunterstützungsprojektes – die neue Wilkommenskultur in Neuenrade.

Viele ehrenamtliche Helfer hatten sich auch eingefunden, die katholische Gemeinde hatte ein üppiges Kuchen- und Waffelbüfett aufgebaut. An anderer Stelle wurden Namenschilder vergeben, ein Weltkarte gab es auf dem jeder Besucher sein Herkunftsland zeigen konnte.

Und natürlich gab es einen großen Plan für fünf Sprach- und Begegnungskurse, auf dem sich die Teilnehmer eintragen konnten. Bei diesen Kursen geht es dann sozusagen in die Tiefe, es wird persönlicher... Sandra Horny, in Personalunion Büchereileiterin, Chefin des Zentrums für Lesen, Integration und Sprache und Integrationsbeauftragte hielt dazu eine kleine Rede auf Deutsch und Englisch, danach war sozusagen der Startschuss zum Unterhalten und Näherkommen gefallen.

Die Ehrenamtlichen mischten sich unter die Flüchtlinge, hier und da kamen Gespräche auf. Junge Männer waren gestern in der Überzahl und viele haben schon eine abenteuerliche Odyssee hinter sich, haben sich meist aufgemacht, um politische Unterdrückung, Gefahr für Leib und Leben hinter sich zu lassen, um hier vielleicht ihr Glück zu finden. Allein bei der Beschreibung der Flucht-Routen lässt sich erahnen, dass diese jungen Leute mehr erlebt und gesehen haben als mancher Mitteleuropäer in seinem ganzen Leben.

Nun sind sie hier, wollen sich eine Existenz aufbauen, wollen arbeiten, am Leben teilhaben, Familien gründen, ihren Beruf ausüben – und werden hier ausgebremst. Von einer ihnen unverständlichen Gesetzgebung, von Bürokratie, von Sprachbarrieren. In der Tat ist eine Verständigung nicht einfach. Ein guter Teil lebt hier schon ein Jahr und eine Unterhaltung ist nur stockend möglich. Es ist ein Gemisch aus Deutsch, Englisch, Übersetzungen von Freunden, Gesten und Handybildern, die eben dieses Bild entstehen lassen.

Hier fällt ein junger Mann aus Ägypten auf, der schon recht gut Deutsch spricht und in Ägypten einen akademischen Abschluss in Jura erreicht habe. Er ist ein Kopte, der aus religiös-politischen Gründen aus Ägypten verschwinden musste und der nun verzweifelt versucht, hier einen Fuß in die Tür zu bekommen, eine Ausbildung machen möchte. Einen zusätzlichen VHS-Deutschkurs habe er schon selbst finanziert. Er hat Energie, er will etwas werden.

 Die anderen Jungen Leute haben das Pendant für den deutschen Volks-/Hauptschulabschluss, einer verschwand aus seinem Heimatland kurz vor dem Abitur. Ihre Flucht-Routen: Zu Fuß, per Auto, per Schiff übers Mittelmeer, Italien. Oder via Sudan und Lybien in die Türkei und von dort aus nach Deutschland. Nun sitzen sie in Neuenrade – die meisten fast ein Jahr. Sie wollen „nicht nur zu Hause“ sitzen. „Meet new people, share ideas with them, to know each other.“ Also – sie wollen den Kontakt, wollen Gespräche, wollen den Austausch, wollen andere Menschen kennen lernen. Allein der Weg dorthin führt sicher über die Sprache. Wie gesagt: Mühsam scheint die Konversation, die sich aber sicher nur verbessert im Austausch miteinander.

Und das ist der Ansatz der Neuenrader Willkommenskultur: Eben über diese Kleingruppen ins Gespräch kommen, über Probleme erfahren und bei einer möglichen Lösung helfen.

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