Mit gezückter Waffe bedroht

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Der Amtsrichter verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe.

NEUENRADE - Bittere Folgen hatte eine Bedrohung mit der Waffe für eine junge Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Neuenrade: Sie war lange arbeitsunfähig und leidet bis heute unter dem Angriff eines 37-Jährigen, der zufällig ebenfalls Mitarbeiter der Stadtverwaltung war.

 Mittlerweile ist er entlassen – die strafrechtliche Aufarbeitung des Vorfalls fand jetzt im Amtsgericht Altena statt. Ein Anruf, den man nicht anders als „bösartig“ nennen kann, hatte den Angeklagten im Oktober 2013 offenbar in eine gefühlsmäßige Ausnahmesituation katapultiert: Von angeblicher Untreue seiner Freundin war darin die Rede und dass das gemeinsame Kind nicht von ihm sei. Das war Unsinn, wie sich später herausstellte.

Der Angeklagte reagierte dennoch mit riesigen Ohren: Um mehr über die gemeinen Gerüchte zu erfahren, müsse er zum Friedhof kommen, teilte ihm der Anrufer mit. Und der Getäuschte fuhr zum Friedhof, traf dort niemanden an und bekam einen weiteren Anruf: Er müsse zu Fuß zur Motte, der Turmhügelburg in Küntrop, kommen. Und der Angeklagte lief, um dort angekommen erneut zum Friedhof zurückdirigiert zu werden. Der Fußweg war ihm diesmal zu weit, um endlich die angebliche Wahrheit zu erfahren. So hielt er ein Auto an, dessen Fahrerin ihm flüchtig bekannt war. Doch der jungen Frau war sein Wunsch einer sofortigen Fahrt zum Friedhof nicht geheuer.

Als sie sich weigerte, zückte er deshalb eine sogenannte Paintball-Waffe und hielt sie der jungen Frau an den Kopf. In der Folge dieses Ausrasters wurde dem Angeklagten sogar verboten, Küntrop zu betreten, um eine unbeabsichtigte Begegnung zu unterbinden. Vor Gericht legte der Angeklagte ein weitgehendes Geständnis ab, was dem geschockten Opfer eine Vernehmung ersparte.

 Strittig war lediglich, ob der Angeklagte das Opfer mit einem Elektroschocker verletzt hatte. Nach einem Ringkampf im Auto hatte sie Verbrennungen an ihrem Bauch entdeckt. Auf Nachfragen von Opferanwalt Heiko Kölz bestritt der Angeklagte allerdings, dass er einen Elektroschocker eingesetzt hatte.

 3000 Euro in Raten an das Opfer „So etwas geht gar nicht“, schimpfte der Staatsanwalt und schloss sich einer Lösung des Verfahrens an, der auch der Angeklagte und sein Rechtsanwalt Ralf Lengelsen zustimmten.

Sie zielte vor allem auf eine Entschädigung für die junge Frau ab: Richter Dirk Reckschmidt verurteilte den Angeklagten wegen Bedrohung, Nötigung und unerlaubten Führens einer Schusswaffe zu einer Geldstrafe auf Bewährung: 90 mal 20 Euro muss der 37-Jährige nur dann zahlen, wenn er das Schmerzensgeld in Höhe von 125 Euro monatlich an die Geschädigte nicht überweist. 3000 Euro sollen eine kleine Entschädigung für die erlittene posttraumatische Belastungsstörung sein.

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