"Gewinner und Verlierer der Kulturlandschaft"

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Die Jagdausbeute nach der revierübergreifenden Drückjagd.

Neuenrade - 19 Füchse und zwei junge Wildschweine: Das ist die Ausbeute einer revierübergreifenden Jagd Ende Januar im Beritt des Hegerings Werdohl-Neuenrade.

 Es ist ein großes Gebiet und umfasst mehr als 30 Reviere mit einer Fläche von mehr als 7000 Hektar. An der Jagd beteiligten sich 40 Jäger. Die Felle der Füchse werden verwertet, das Fleisch wird entsorgt. Eine „traditionelle Fuchsjagd“ sei es, heißt es in der Pressemitteilung. 

Und in der Tat kommen Jäger regelmäßig im Januar zur Fuchsjagd zusammen. Dirk Prinz, zuständiger Presseobmann sagt auf Nachfrage zum Sinn der Fuchsjagd, dass es dabei um „regulierendes Eingreifen“ zum Schutz anderer Arten gehe. Es gebe hier viele Füchse, da müsse man nur nächtens auf das Bellen der Rüden achten. Da wäre viel los rund um Neuenrade. Und da gelte den Bestand zu regulieren.

Ohnehin habe man bei der jüngsten Jagd nur einen Bruchteil der Füchse erwischt. Prinz verwies auf die „Gewinner und Verlierer der Kulturlandschaft“. Zu den Gewinnern zählten die Füchse, die gute Bedingungen hierzulande vorfinden würden und vor allem stadtnah bestens zurecht kämen. Zu den Verlieren zählten eben Hasen, Kaninchen und Bodenbrüter, weil es eben in unserer Kulturklandschaft mit seinen Monokulturen an Hecken und daher Deckung fehlen würde. Da sei es sinnvoll, als Jäger hier einzugreifen. Dass es viele Füchse derzeit gebe, bestätigt Jagdberater Bernd Schmidt, der auf den Mäusezyklus verwies. Gebe es ein gutes Mäusejahr („der Fuchs ernährt sich hauptsächlich von Mäusen“) gebe es eben auch viele Füchse und umgekehrt.

 Ob eine Jagd auf Füchse sinnvoll ist oder nicht kann man offenbar nicht pauschal beurteilen. Wenn es um Bestände von Bodenbrütern oder dergleichen gehe, könne es durchaus sein, dass der Mensch bei einer hohen Fuchsdichte eingreifen müsse, sagt Dr. Sylvia Ortmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung, Abteilung Evolutionäre Ökologie, in Berlin. Das hänge allerdings von den lokalen Gegebenheiten ab.

Das zu ermitteln sei bei Wildtierbeständen grundsätzlich schwierig. Bei Rehen könne man über den Verbiss Rückschlüsse auf die Bestände ziehen, bei mittelgroßen Raubtieren wie dem Fuchs sei das nicht ganz so einfach. Ein Anhaltspunkt seien sicherlich die Abschusszahlen mehrerer Jahre, sagte Ortmann.

Zahlen gibt es zum Beispiel für 2013. Da war auf dem Gebiet des Hegerings Werdohl-Neuenrade eine Fuchsjagd. Damals erlegten 50 Jäger die selbe Anzahl an Füchsen wie bei der jüngsten Jagd. So scheint das zumindest ein Anhaltspunkt für eine gleichbleibende Fuchspopulation zu sein. Wie dem auch sei: Die Fuchsjagd kann also aus ökologischen Gründen der Bestandregulierung dienen.

Auch, so hieß es vom Märkischen Kreis und von Jagdberater Schmidt, dass durch eine Bestandskontrolle auch die Ausbreitung von Seuchen verhindert werden soll. Auch eine Impfung sei möglich. Seit zehn Jahren ist der Märkische Kreis demnach wohl frei von Tollwut. Um das zu kontrollieren müssen die Jäger jährlich 50 Füchse aus dem Märkischen Kreis abliefern, die dann auf Tollwut untersucht werden. Schmidt verwies zudem auf die Fuchsräude, deren Ausbreitung man durch die Fuchsjagd bekämpfen könne. Marder, Hund aber auch Luchse können sich laut Wikipedia mit dieser parasitären Erkrankung infizieren.

Die Fuchsjagd gerät immer wieder in die Kritik. So kursieren sogar vorformulierte Leserbriefe zu dem Thema im Netz. Ganze Internetauftritte befassen sich mit dem Thema, verlinken zu wissenschaftlichen Fachpublikationen, verweisen auf selbstregulierende Fuchspopulationen oder einen Zusammenhang zwischen Jagddruck und dadurch erhöhte Zahl bei Fuchswelpen. Mithin sei eine Bejagung kontraproduktiv und unnötig.. Gerne wird auch auf das Verbot der Fuchsjagd in Luxemburg verwiesen. Schwierig scheint eine Generalisierung zu sein. Eben wegen der Vielfalt der ökologischen Areale. Parklandschaft und Mittelgebirge lassen sich nicht ohne weiteres da vergleichen.-

Von Peter von der Beck

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